Jörg Würfel, Geschäftsführer des Jobcenters Zollernalbkreis, blickt optimistisch auf die Reform, spricht aber auch von großem Organisationsaufwand.
Die Bürgergeldreform wirft ihre Schatten voraus. Ab Juli wird das Bürgergeld zur neuen Grundsicherung.
Das Gespräch mit Jörg Würfel, Geschäftsführer des Jobcenters Zollernalbkreis, macht deutlich: Das neue System bietet mehr Planungssicherheit für die Jobcenter und höhere Chancen, Menschen in Arbeit zu bekommen, setzt gleichzeitig aber auf mehr Eigenverantwortung der Empfänger.
„Wir fördern die Menschen, die Bürgergeld und weitere Leistungen beziehen, sehr gerne. Allerdings müssen wir künftig auch mehr fordern, dass das System gut funktioniert“, urteilt der 60-Jährige im Telefoninterview mit unserer Redaktion.
Schulungen für die Mitarbeiter
Der gebürtige Albstädter bekleidet seit zehn Jahren das Amt des Geschäftsführers und blickt der Reform positiv entgegen. „Das Bürgergeld stand bereits lange Zeit in der Kritik, Änderungen wurden diskutiert. Wir gehen davon aus, dass das System verbessert wird“, sagt Würfel.
Er ist sich sicher, dass die neuen Linien und Vorgaben dazu führen, künftig mehr Menschen schneller in Arbeit zu bekommen. Allerdings kommt vorab viel Arbeit auf die Mitarbeiter im Jobcenter zu.
„Wir werden umfassende Schulungen anbieten, um die Mitarbeiter gut vorzubereiten. Zahlreiche IT-technische Aufgaben kommen ebenso auf uns zu“, prognostiziert Würfel. Das Problem: Die Jobcenter wissen zwar schon um die neuen Richtlinien, „aber bis wir richtig schulen können, müssen noch viele Detailfragen geklärt werden“. Hier besteht noch Klärungsbedarf in Berlin und Stuttgart.
Die Unterstützung, die das Jobcenter den rund 5000 Bürgergeldempfängern im Zollernalbkreis bietet, fußt auf zwei großen Säulen: die passiven Leistungen – etwa Bürgergeld und Übernahme von Wohnkosten – auf der einen Seite, aktive Leistungen, wie Beratung und Jobvermittlung, auf der anderen Seite.
In beiden Bereichen sieht die Reform, die ab Juli dieses Jahres greift, Änderungen vor. So hat künftig die konkrete Jobvermittlung absoluten Vorrang vor der Vergabe von möglichen Fort- und Weiterbildungen. Würfel: „Das räumt uns der Gesetzgeber zwar ein, aber wenn wir Potenzial sehen, werden wir auch künftig im Zollernalbkreis auf Fortbildungen setzen und diese vermitteln.“ Niemand müsse künftig fürchten, dass keine Weiterbildungen mehr angeboten werden.
Zudem können die Jobcenter ab Juli bereits früher auf erziehende Eltern zugehen. Früher wurden die Vermittlungsgespräche für Jobs erst ab dem dritten Lebensjahr des Kindes gestartet. Nun ist die Intensivierung der Gespräche bereits ab dem ersten Lebensjahr des Kindes möglich.
„Natürlich werden wir bei diesem Personenkreis nur aktiv, wenn die Betreuung des Kindes gesichert ist“, betont Würfel – gerade im Hinblick auf die aktuell angespannte Betreuungssituation im Zollernalbkreis und generell in Deutschland.
Die Neuregelungen im Bereich der passiven Leistungen machen deutlich: Die Bürgergeldempfänger werden in Zukunft mehr in die Pflicht genommen, die Konsequenzen bei versäumten Terminen fallen nun drastischer aus. Zwar müssen die Empfänger bei einem einmaligen Versäumnis des Termins keine Leistungsminderung befürchten. Bei „Wiederholungstätern“ allerdings kann das Bürgergeld um 30 Prozent für einen Monat gekürzt werden, beim dritten Mal droht eine komplette Einstellung.
„Wir begrüßen diesen Schritt, da wir gerne Angebote machen, aber wir eben auch die Chance haben müssen, mit den Menschen in Kontakt zu treten“, sagt Würfel. Er betont aber auch: „Die allermeisten unserer Kontakte arbeiten konstruktiv mit. Die Totalverweigerer machen nur einen minimalen Anteil aus.“
Bislang kein Ansturm
Zudem schauen die Jobcenter bei der Vergabe von Leistungen noch genauer auf das Privatvermögen der Personen. Davon hängt künftig in größerem Maße ab, wie hoch die Unterstützung ausfällt.
Ein Ansturm an verunsicherten Bürgern, die mit vielen Fragen zum Jobcenter Zollernalbkreis eilen, blieb bislang laut Würfel aus. „Der wird aber sicherlich noch kommen“, ist er sich sicher. Mit all diesen und weiteren Veränderungen und Anpassungen sollen die Menschen künftig schneller eine Arbeitsstelle bekommen. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. In einem halben Jahr lohnt sich ein Blick auf die Zahlen, dann dürfte ein möglicher Trend erkennbar sein.