Nicht nur bei Diesel, Software und Werkzeugen, sondern auch bei den Hausgeräten sollen Jobs abgebaut werden.
Beim Stuttgarter Technologiekonzern Bosch steht innerhalb weniger Wochen zum fünften Mal ein größerer Stellenabbau an. Nachdem das Unternehmen bereits die Streichung von mehr als 3500 Stellen in vier unterschiedlichen Bereichen angekündigt hatte, plant Bosch nun auch bei der Münchener Hausgeräte-Tochter BSH Kürzungen. Das Unternehmen stehe in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern über die „bedarfsgerechte Anpassung von Personalstrukturen und Personalkosten“, erklärte eine BSH-Sprecherin und bestätigte damit entsprechende Informationen unserer Zeitung. Über das Ausmaß der Streichungen wird derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen verhandelt.
Die BSH, zu der Marken wie Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau gehören, leidet massiv unter der fast zum Erliegen gekommenen Neubautätigkeit in Deutschland, durch die auch der Bedarf an Küchen massiv gesunken ist, erklärte eine Sprecherin unserer Zeitung. Überdies mache dem Unternehmen das Ende der Corona-Sonderkonjunktur zu schaffen. Während der Pandemie hätten viele ihr Geld statt für Reisen und Restaurantbesuche für Investitionen ins eigene Heim verwendet, wozu der Kauf von Küchengeräten gehört habe. Viele hätten geplante Investitionen auch vorgezogen. Zu den belastenden Faktoren zähle zudem die hohe Inflation, die Menschen von größeren Investitionen abhalte. Bereits im März vergangenen Jahres hatte BSH Kurzarbeit für 5500 Beschäftigte angemeldet und die Produktion von Kühlschränken im Werk Giengen an der Brenz sogar zeitweise komplett eingestellt.
In Europa die Nummer eins
Mit einem Umsatz von zuletzt rund 16 Milliarden Euro und mehr als 60 000 Beschäftigten ist BSH Europas größter Hersteller von Hausgeräten. Im globalen Maßstab liegt das Unternehmen hinter drei chinesischen Herstellern und dem US-Hersteller Whirlpool auf Platz fünf. Auch für den Weltkonzern Bosch ist die Hausgeräte-Tochter von erheblicher Bedeutung. Sie steuert knapp ein Fünftel zum globalen Umsatz bei.
Die Probleme von BSH ähneln denen, die auch bei der Elektrowerkzeug-Sparte Power Tools zu einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen führen. Ende Januar hatte Bosch angekündigt, am Stammsitz der Tochtergesellschaft in Leinfelden 560 der 2000 Arbeitsplätze zu streichen. Wie die Hausgeräte-Tochter hatte auch der Bereich Elektrowerkzeuge während der Coronapandemie eine stark steigende Nachfrage zu verzeichnen, der nun eine beträchtliche Lücke folgt.
Erst im Dezember hatte Bosch angekündigt, rund 1500 Arbeitsplätze in der Verbrennersparte abbauen zu wollen, weil insbesondere die Nachfrage nach der Dieseltechnologie sinkt. Zudem hat die EU nach langen Verhandlungen die geplante Verschärfung der Abgasnormen für Verbrennerfahrzeuge stark abgemildert. Diese können Autohersteller nun einhalten, ohne dafür auf anspruchsvolle neue Bosch-Technologien angewiesen zu sein, die bereits in Arbeit waren. Weitere 1200 Stellen sollen in der Softwaresparte wegfallen, weil das Unternehmen die Entwicklung des autonomen Fahrens zurückstellt.