Beschäftigte bei Bosch geben sich kampfbereit. Mit einem Aktionstag am 19. November wollen sie gegen den Abbau von Jobs und drohende Standortschließungen protestieren.
Stuttgart - Die Emotionen schlagen hoch. Allein im badischen Bühl und Bühlertal sollen rund tausend Arbeitsplätze abgebaut und nach Osteuropa verlagert werden. „Die Verlagerung hat mit der Transformation gar nichts zu tun“, kritisiert der dortige Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz und hat kein Verständnis für den Aderlass.
Wie bereits berichtet, ist nicht nur die Produktion, sondern auch die Forschung und Entwicklung betroffen. Der Standort hat rund 3800 Beschäftigte. Die Transformation vom Verbrenner zum Elektroauto ist aus Sicht des Betriebsrats, der Beschäftigten und der IG Metall ein Vorwand.
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In Bühl stellt Bosch Kleinmotoren her, wie sie bei Fensterhebern, Wischern oder Sitzverstellern zum Einsatz kommen. In Bühlertal koordiniert der Zulieferer das weltweite Geschäft mit elektrischen Antrieben, dort sitzen Entwicklung und Verwaltung. Es gehe um Produkte, die auch in Elektroautos benötigt werden, sagt Lorenz. Nachfolgeserien laufen aber nicht mehr in Bühl, sondern anderswo.
Dass diese Arbeitsplätze in Deutschland verloren gingen und nach Osteuropa wanderten, „hat mit fair nichts mehr zu tun“, sagt Lorenz und appelliert an die soziale Verantwortung des Managements. Der Betriebsrat fordert eine langfristige Perspektive für den Standort und will mit der Belegschaft dafür kämpfen. „Die Transformation muss an unseren Standorten umgesetzt werden“, so Lorenz.
Solidaritätsaktionen an drei Standorten
Auch in Arnstadt (Thüringen) und München – Standorte, denen gar die Schließung droht – wollen Beschäftigte für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gehen. Am 19. November ist deshalb eine Solidaritätsaktion geplant, bei der alle deutschen Standorte der Bosch-Antriebssparte mit im Boot sind. Bosch-Beschäftigte werden in Bühl, München und Arnstadt gegen den geplanten Stellenabbau demonstrieren – gemeinsam mit Boschlern anderer Standorte, die zu Hunderten anreisen.
Bosch-Beschäftigte aus norddeutschen Werken fahren beispielsweise nach Arnstadt, Beschäftigte aus Feuerbach etwa nach Bühl, aber auch nach München. Geplant ist, dass fünf Busse aus Feuerbach in die bayerische Landeshauptstadt starten, um den Protest ihrer dortigen Bosch-Kollegen zu unterstützen – darunter auch Frank Sell, Gesamtbetriebsratschef der Bosch-Mobilitätssparte. „Wir lassen keinen Boschler im Regen stehen und erwarten vom Unternehmen konstruktive Verhandlungen und konstruktive Lösungen vor Ort“, sagt Sell. „Wir sagen Nein zur Standortschließung“, gibt er sich kämpferisch.
Von der drohenden Schließung sind in München rund 250 Mitarbeiter betroffen – der Großteil soll nach Osteuropa verlagert werden, ein kleinerer Teil nach Nürnberg. Dabei würden die in München produzierten Kraftstoffpumpen und Ventile noch für die nächsten acht, neun Jahre benötigt, denn das Elektroauto verdränge ja nicht von heute auf morgen den Verbrenner, argumentieren die Arbeitnehmervertreter. Gemeinsam mit einem externen Beratungsinstitut haben sie ein Konzept vorgelegt, wie der Standort wirtschaftlich fortgeführt werden kann. Das Motto: Auf Verhandlungen setzen statt auf Schließung.
„Beschäftigte sollen die Zeche zahlen“
Die Beschäftigen sind stinksauer – an allen betroffen Standorten. Bühl habe eine gute Ausgangslage für die Transformation, sei aber durch das Management in eine schwierige wirtschaftliche Situation gebracht worden. „Jetzt sollen die Beschäftigten dort die Zeche zahlen“, sagt Sell.
In Arnstadt soll bereits Ende 2021 die Fertigung von Generatorenreglern eingestellt werden, was Hundert Arbeitsplätze kostet. Dabei gilt ein Tarifvertrag, der bis Ende 2022 betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Nachfolgeaufträge fehlen. Man habe es in den vergangenen sechs, sieben Jahren verpasst, neue Produkte an den Standort zu holen, so der Vorwurf des Betriebsrats.
Bosch hatte die Abbaupläne an den Standorten unter anderem damit begründet, dass die beschleunigte Transformation vom Verbrennungsmotor zum elektrischen Antrieb zu erheblichen Überkapazitäten führe und damit zu einem hohen Anpassungsbedarf, dem sich auch Bosch nicht entziehen könne. Speziell zu Bühl hieß es bei Bekanntgabe der Abbaupläne, dass die Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften Marktumfeld verbessert werden müsse.