Nicole Hoffmeister-Kraut (zweite von links) zu Gast bei ESC Technical Service in Geislingen. Foto: Eyckeler

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut war zu Gast in Balingen und Geislingen. Dort hat sie sich ein Bild gemacht, wie das Job-Turbo-Programm im Zollernalbkreis gelingt.

Mit dem Job-Turbo sollen Ukrainer und andere Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden – auch im Zollernalbkreis. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hat sich am Dienstag in und rund um Balingen zwei Musterbeispiele angeschaut – aber auch ein großes Sorgenpaket an die Hand bekommen.

 

Sowohl die Bildung und berufliche Qualifizierung (BBQ) Balingen als auch ESC Technical Service in Geislingen haben über das Programm Job-Turbo jeweils eine ukrainische Arbeitskraft erfolgreich vermittelt bekommen. Beide Standorte standen auf dem Besuchszettel der Balinger Ministerin.

Hoffmeister-Kraut hörte sich die Sorgen an

„Ich bin Wirtschaftsministerin und damit auch Arbeitsministerin. Deswegen ist es mir natürlich ein großes Anliegen, Menschen in Arbeit zu bringen“, sagte sie in einer Runde zusammen mit Akteuren von BBQ, Jobcenter und Agentur für Arbeit.

Das möchte Jörg Würfel, Geschäftsführer des Jobcenters Zollernalbkreis, auch, „aber unser größtes Problem ist die Mittelausstattung“, sagte er. Kurz gesagt: Es fehlt am Geld. „Beim Blick auf den ersten Haushaltsentwurf waren wir geschockt, mittlerweile sieht es wieder etwas besser aus, aber generell brauchen wir mehr Finanzmittel, und wir brauchen sie rechtzeitig für mehr Planungssicherheit“, forderte Würfel bei der CDU-Politikerin ein. Das Jobcenter Zollernalbkreis habe im Zuge des Ukraine-Krieges etwa ein Drittel mehr Kunden erhalten. „Dafür braucht es Geld.“

Olena Lunova hat eine 50-Prozent-Stelle bei BBQ

Hoffmeister-Kraut hörte sich die Sorgen an und weiß um die Probleme. „Wir sind aktuell in einer Phase der Stagnation. Die Unternehmen sind zurückhaltend.“ Das sei zurückzuführen auf den Strukturwandel, die geopolitische Lage und den zunehmenden Protektionismus.

Umso wichtiger ist es in Zeiten extremen Fachkräftemangels möglichst viele der ukrainischen Menschen in Lohn und Brot zu bekommen – so wie Olena Lunova, die seit 1. April dieses Jahres eine 50-Prozent-Stelle bei BBQ in der Verwaltung hat. Auch Yurii Orlov hat seit Juni einen Job in der Verwaltung von ESC Technical Service in Geislingen.

Im Gespräch mit den beiden Kriegsflüchtlingen kristallisierte sich noch mal klar heraus: Ohne Sprache funktioniert keine Integration in den Arbeitsmarkt. Das stellte auch ESC-Geschäftsführer Alexander Joos klar. „Die Sprache zu beherrschen ist das Wichtigste.“ Auch ohne finanzielle Förderung wolle man Sprachkurse für ausländische Mitarbeiter mittragen.

Heinz Schwager von BBQ: Sprachkurse sind rar

Hier scheint jedoch genau das Problem zu liegen. Heinz Schwager von BBQ: „Wir haben extrem lange Wartezeiten bei den Sprachkursen, da sind wir im Zollernalbkreis sehr hinterher.“ Stellschrauben, an die man ran muss, sehen die Verantwortlichen von Jobcenter und Agentur für Arbeit an mehreren Stellen.

So fehlt es demnach an Lehrkräften und Räumlichkeiten, um ein zufriedenstellendes Angebot an Kursen anbieten zu können. Die Ministerin will Abhilfe schaffen und bietet ihre Hilfe an, in der Frage nach mehr Platz für Kurse. Weiter wolle sie sehen, wie man über mehr digitale Angebote dem herrschenden Engpass beikommen kann.

Ein Instrument, das ebenfalls helfen soll, ist das Programm „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“, mit dem das Wirtschaftsministerium im Land rund 50 sogenannte regionale „Kümmerinnen und Kümmerer“ fördert, die geeignete Zugewanderte in Praktikum und in Ausbildung begleiten und unterstützen.

Ukrainer sind zufrieden mit dem Verlauf des Programms

Sowohl Orlov als auch Lunova fühlen sich wohl in ihren jeweiligen neuen Jobs und haben gute Erfahrungen mit dem Job-Turbo-Programm und der Vermittlung gemacht. „Es ist viel Bürokratie in Deutschland, das stimmt schon. Aber der Prozess funktioniert und es fügt sich alles“, berichtete Orlov in Geislingen. Und Olena Lunova von BBQ äußert einen Traum, den sie erfüllen möchte: Sie möchte unbedingt den Führerschein.