Die amerikanische Musikerin Joan Wasser, bekannt als Joan as Police Woman, hat in der Schorndorfer Manufaktur musiziert.
Irgendwann ist immer das erste Mal, und so steht Joan Wasser am Samstagabend erstmals in ihrer schon über ein Vierteljahrhundert währenden musikalischen Karriere auf einer Bühne in der Region Stuttgart. Die Manufaktur ist bestens gefüllt, die Verblüffung sogleich groß. Denn Joan Wasser hat ihren Weg – und mittlerweile ein dutzend hoch gelobte Alben – mit ihrem Bandprojekt gemacht, das auf den seltsamen Namen Joan as Police Woman hört, auf der Bühne ist sie nun jedoch allein. Es handelt sich folglich um einen Soloabend, was allerdings vorab nicht kommuniziert worden ist.
Mit dabei hat die ausgebildete Violinistin auch nicht etwa ihr Streichinstrument, sondern nur eine einzige E-Gitarre sowie einen Drumcomputer. Letzterer kommt bei einem der 17 Songs zum Einsatz, die sie an diesem Abend serviert, bei einem weiteren – eine zugegebenermaßen hübsche Idee – begleitet sie sich am Klavier mit ihrer vom Band eingespielten Geige selbst. Am Klavier der Manufaktur eröffnet sie den Abend mit den ersten fünf Stücken. Die klassische Ausbildung an der Bostoner Musikhochschule hört man ihrem feinen Pianospiel deutlich an, dennoch klingt alles recht reduziert, und es wirkt vor allem sehr gesittet. Bisweilen bricht es auch etwas eruptiver aus ihr heraus, aber diese Momente bleiben rar. Ähnlich ist es bei den Konzertpassagen, die sie an der E-Gitarre bestreitet; ihrer eigentlichen Verortung im Alternativegenre wird sie an beiden Instrumenten nicht gerecht. Wer sich so in Szene setzt, muss sich messen lassen. Zieht man in den Piano-Partien etwa den sich aufdrängenden Vergleich zu Tori Amos, und misst man sie in ihren Gitarren-Passagen an ihrem erklärten Vorbild Joni Mitchell, gehen beide Vergleiche zu Joan Wassers Ungunsten aus.
Was bleibt, ist ihre über alle Zweifel erhabene, wirklich herausragend gute Singstimme. Sie ist das große Pfund von Joan Wasser, glasklar und mit klangschönem Timbre erklingt ihr Mezzosopran, schön fügt sich ihr Gesang auch jederzeit zur Musik. Zusammen mit der angenehm leutseligen Art, in der sie ihre Stücke anmoderiert und mit vielen warmen Worten nicht geizt, ergibt sich so ein an und für sich runder Konzertabend. Ein bisschen mehr künstlerische Wagnisse hätten dem Auftritt jener Frau, die einst das Sinfonieorchester zugunsten einer Punk- und Indiekarriere hinter sich ließ, allerdings echt gut getan.