Mit viel Gefühl hat Jo Jasper in der Erlöserkirche seine Songs interpretiert. Foto: Susanne Conzelmann

„Ich habe immer eine Melodie im Herzen“ sagt Jo Jasper. Seine Zuhörer in der Tailfinger Erlöserkirche konnten sich davon überzeugen.

Jo Jasper, der 60-jährige Musiker aus Nürnberg, war auf Einladung des CVJM Tailfingen in den Talgang gekommen; sein Auftritt war Teil der Veranstaltungsreihe „GutTrauf Final Countdown“, mit der sich die evangelische Kirchengemeinde von der an die Stadt verkauften Erlöserkirche verabschiedet.

 

Ein erster Höhepunkt dieses „Countdowns“ war tags zuvor das Public Viewing beim erfolgreichen EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gewesen. Für viele Gemeindeglieder war das eine völlig neue Erfahrung; in einer Kirche hatten sie sich noch ein Fußballspiel angesehen.

Sänger bei den Regensburger Domspatzen

Einen reichen Erfahrungsschatz kann indes Jo Jasper vorweisen, nicht zuletzt in musikalischer Hinsicht. Als Kind hatte er bei den Regensburger Domspatzen gesungen, später Geschmack an Soul und Blues gefunden, Songs für Schlagersängerin Nicole geschrieben und Gedichte in seinem fränkischen Heimatdialekt verfasst.

Er ist auf großen Bühnen vor 5000 Zuhörern aufgetreten, aber auch mit Auftritten im eher intimen Rahmen bestens vertraut. 5000 waren es in der Erlöserkirche nicht, aber dafür war das Publikum sehr musikalisch und stimmte immer wieder in die Coversongs mit ein, die Jasper neben Selbstkomponiertem zum Besten gab – der segensreiche Einfluss der beiden Chorleiterinnen Dagmar Conzelmann und Sandra Gölz sowie von Tenor Gunnar Schierreich war nicht zu überhören. Mut, Hoffnung, Gemeinschaft und nicht zuletzt Frieden, das sind Jaspers Themen – in einem Lied feiert er den „Friedensstifter, Kriegsvernichter“ Jesus. In „Friedensflügel“ erzählt er von der zunächst unbeschwerten Kindheit des Vaters, den der Krieg dann zwang, zu flüchten und seine Heimat zu verlassen – und seinen geliebten Flügel, den er gerne mitgenommen hätte. „Aber der Krieg spielte eine andere Melodie.“

Von Nächstenliebe singt er nicht nur

Auch von Nächstenliebe singt Jo Jasper – und er praktiziert sie. In Nürnberg leistet er im Rahmen eines Sozialprojekts im Umfeld des Hauptbahnhofes Hilfe für Suchtabhängige und Obdachlose. Und er singt für sie und manch andere „verlorene Seele“: „Gefunden werden das größte Glück!“

Viele seiner Songs entstehen in Workshops – einen solchen hatte er Stunden zuvor auch auf Langenwand angeboten und zusammen mit sieben Teilnehmern einen Text geschaffen, der von den dunklen Seiten des Lebens, aber auch von Hoffnung sprach. Das Lied trug er in der Erlöserkirche vor, die so zum Schauplatz einer „Welturaufführung“ wurde – die Melodie dazu improvisierte er ganz spontan während des Gesangs.

Sogar Shanties lassen sich christlich interpretieren

Des weiteren erklangen an diesem Abend „Kumbaya My Lord“, die Jazzvariante des Spirituals „Nobody Knows the Trouble I’ve Seen“ – wieder wurde mitgesungen – und „My Bonnie Is Over the Ocean“ – wie sich zeigte, lassen sich auch Shanties christlich interpretieren. Jürgen Kohnert vom CVJM Tailfingen nahm das Stichwort in seinem Schlusswort auf: „Vielen Dank, dass du uns mitgenommen hast auf eine Segelfahrt der Gefühle und Gedanken!“