Grundschulkinder haben ab September einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Die Umsetzung dieser Vorgabe stellt Kommunen vor große Herausforderungen – auch die Stadt Ettenheim. (Symbolfoto) Foto: Kneffel

Die Ganztagsbetreuung sorgt in vielen Kommunen für Kopfzerbrechen – auch in Ettenheim. Nun müssen Eltern befragt und ein Bedarfsplan erstellt werden.

Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 tritt bundesweit der stufenweise Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Grundschulkinder in Kraft. Er betrifft im kommenden Schuljahr die Erstklässler, danach Jahr für Jahr eine Klassenstufe mehr. Der Rechtsanspruch umfasst sowohl die Betreuung an Schultagen wie auch in Ferien und an beweglichen Brückentagen. Nun legte Sandra Kaufmann vom Hauptamt der Stadt dem Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) die Vorgaben dar. Demnach umfasst der Anspruch an 48 Wochen im Jahr acht Stunden Betreuung an fünf Werktagen pro Woche. Die Schulzeit ist dabei inbegriffen. Die Eltern, die für ihre Kinder dieses Recht in Anspruch nehmen wollen, melden dies jeweils für das anstehende Schuljahr an. Die Kommune ist verpflichtet, ausreichende Betreuungsplätze bereitzustellen und für das erforderliche Personal Sorge zu tragen.

 

Auch unterrichtsfreie Tage sollen abgedeckt werden

Ettenheim bietet bereits an allen drei Grundschulstandorten Ganztagsbetreuung an. Ferienbetreuung (in zehn Ferienwochen) organisiert die Stadt seit vielen Jahren in Ettenheim und Altdorf. Abweichungen vom künftigen Rechtsanspruch liegen allerdings bezüglich der Betreuung am Freitag (bisher bis 13.30 beziehungsweise 14 Uhr; Rechtsanspruch künftig acht Stunden; Umsetzung ab dem Schuljahr 2027/28; Mindestteilnehmerzahl sieben) und in den Ferien (bisher zehn Wochen mit 6,5 Stunden; Rechtsanspruch künftig 7.30 bis 15.30 Uhr). Auch unterrichtsfreie Tage sollen künftig betreuungsmäßig abgedeckt werden.

Das führt voraussichtlich zu erhöhten Personalkosten und zu einer Anpassung der Elternbeiträge. Ob und in welcher Höhe ist vom Bedarf der Familien an derartiger Betreuung abhängig und kann noch nicht verbindlich errechnet werden, wie Kaufmann auf Rückfrage aus dem Ratsrund erklärte.

Ein Mittagessenangebot ist rechtlich nicht verpflichtend und ist zunächst auch nicht vorgesehen. Im Jahr 2027 wird gegebenenfalls testweise ein externer Anbieter, vorzugsweise in den Sommerferien, eingesetzt werden. Hier ist der Betreuungsbedarf der Familien erfahrungsgemäß am höchsten, während die Personalverfügbarkeit am geringsten ist.

Als „eine riesige Aufgabe für die Verwaltung“ bezeichnete Bürgermeister Bruno Metz die Ermittlung des Bedarfs und die Umsetzung der Vorgaben von oben. Aufwand, Finanzen, Personallösungen – all das habe die Stadt zu stemmen.

Personalsuche stellt Stadt vor Herausforderungen

Auch in diesem Punkt vermisse er die Einhaltung des Konnexitätsprinzips. „Wir kriegen die Aufgaben, nicht die Kohle“, so Metz.

Die Betreuer müssen zwar keine pädagogische Ausbildung nachweisen, aber „das Herz auf dem rechten Fleck für Kinder“ haben, so Sandra Kaufmann auf Rückfrage aus dem Ratsrund. Erschwerend bei der Personalsuche sei auch, dass die Betreuungszeiten „keine attraktiven Arbeitszeiten“ darstellen, so Metz. Auf Rückfrage nach der Entlohnung war die Rede von einem Stundenhonorar von rund 16 Euro.

Nach der Zustimmung durch die Gemeinderäte in der aktuellen Sitzung werde man nun die Bedarfsabfrage bei den Eltern starten, so Kaufmann zum weiteren Vorgehen. Bereits im April werden dann Eltern, die diese Betreuung in Anspruch nehmen wollen, zur verbindlichen Anmeldung für das neue Schuljahr aufgefordert. Ihr finanzieller Beitrag werde auch vom Landeszuschuss und von der Anzahl der Nutzer abhängen. „Mal abwarten, wie die Eltern reagieren“, so Metz.

Info – Die aktuelle Nutzung des Angebots

Grundschule Ettenheim:
Ganztagsschule (kostenfrei): 41,6 Prozent der Erstklässler; 33.4 Prozent gehen direkt nach Hause; 25 Prozent nutzen die Kernzeitbetreuung (vor und nach dem Regelunterricht)

Grundschule Altdorf:
Exakt 34,6 Prozent der Erstklässler nutzen das Angebot der Ganztagsbetreuung; 65,4 Prozent gehen dagegen direkt nach Hause.

Grundschule Münchweier:
Insgesamt sieben Kinder nutzen das Betreuungsangebot in der Zeit von 14 bis 15.30 Uhr (Montag bis Donnerstag).