Naturnahes Grün statt betoniertem Kanal: Die Umgestaltung der Donau im Bereich des „Schlauchs“ beim Koppenland ist Teil des Donaukonzepts, das nun in die Gartenschau einfließt. Foto: Stadt Tuttlingen

Neue Chance für die Stadt an der Donau: Nachdem Bretten abgesprungen ist, bekommt Tuttlingen den Zuschlag. Der Oberbürgermeister jubiliert.

Diese Nachricht aus dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dürfte in Tuttlingen allenthalben Freude ausgelöst haben: Die Stadt an der Donau, so erfuhr man aus Stuttgart, wird die Gartenschau 2031 ausrichten.

 

Man bekam demnach kurzfristig diese Gelegenheit, weil die dafür eigentlich vorgesehene Stadt Bretten abgesprungen ist, wie aus einer städtischen Pressemitteilung hervorgeht.

Dort hatte sich herausgestellt, dass wichtige Grundstücke für einen geplanten Park nicht verfügbar waren. Auch eine Straße, die Teil des dortigen Konzepts war, konnte nicht realisiert werden. Daraufhin habe Landwirtschaftsminister Peter Hauk bei verschiedenen Städten nachgefragt, die sich während der letzten Jahre um Gartenschauen beworben hatten, bislang aber nicht zum Zuge kamen.

Tuttlingen frohlockt, Sulz ist enttäuscht

Bei Tuttlingen war das der Fall, die Bewerbung 2018 war damals nicht erfolgreich gewesen, erwies sich aber nun als sehr hilfreich. Die Stadt muss nämlich nicht bei Null anfangen, sondern kann eine bereits fertige Planung vorlegen, von der erste Teile auch schon in diesem Jahr umgesetzt werden, während zum Beispiel Sulz den Kürzeren in der Sache zog und die Enttäuschung dort entsprechend groß ist.

Die Gartenschau wird sich gemäß der städtischen Mitteilung aus Tuttlingen dort nun entlang der Donau abspielen – in den Bereichen, die ohnehin in den kommenden Jahren umgestaltet werden sollen. Für dieses bereits gestartete Projekt hat die Stadt nun die Chance, besser an Zuschüsse zu kommen.

„Beste Nachricht seit Langem“

„Das ist die beste Nachricht für unsere Stadt seit langem“, sagte Oberbürgermeister Michael Beck in einer ersten Reaktion und ergänzte: „Die Gartenschau wird einen kräftigen Schub für die Innenstadtentwicklung und die Lebensqualität in Tuttlingen bringen. Mit den Vorbereitungen legen wir gleich heute los.“

Thema der Tuttlinger Gartenschau wird, so teilt die Stadtverwaltung weiter mit, die naturnahe Umgestaltung der Donau in der Stadt sowie die bessere Verbindung der angrenzenden Quartiere an den Fluss sein. Die Neugestaltung des Donauschlauchs und der Elta-Mündung gehören demnach ebenso dazu wie die Verbindung von Stadtgarten und Donau, die Anpassung des Donauparks an den abgesenkten Donaupegel, die Neugestaltung des südlichen Donauufers und auch der naturnahe Umbau des Flusses im Bereich Ludwigstal.

Fördermittel winken

Ob Millionenausgaben für derlei Maßnahmen noch in die Zeit derart knapper kommunaler Finanzen passen, wie man sie aktuell landauf, landab antrifft? OB Michael Beck hat dafür nur ein klares Ja übrig: „All diese Maßnahmen stehen ohnehin auf unserer Tagesordnung“, versichert er, „jetzt haben wir die Chance, sie noch besser umzusetzen.“ Aus diesem Grund stünden auch schon rund elf Millionen Euro in der städtischen Finanzplanung bis 2029. Und Teile des Gesamtpakets – zum Beispiel der Flussumbau im Ludwigstal – werde ohnehin komplett vom Land bezahlt.

„Diese Gartenschau ist solide finanziert – wir können sie uns trotz kritischer Haushaltslage leisten“, so Beck weiter. Und nicht nur das: Tuttlingen habe durch den Zuschlag nun auch die Chance, einfacher an Fördermittel des Landes zu kommen. Gartenschau-Städte werden nämlich bei diversen Programmen des Landes bevorzugt behandelt. Abgesehen davon gibt es für die Gartenschau auch eine Extra-Förderung im Millionenbereich.

Lokale Akteure sollen mitmachen

Aus diesen Gründen ist sich Beck auch sicher, dass das Rahmenprogramm für das Gartenschau-Jahr bezahlbar ist: „Wir setzen hier viel auf Bewährtes, werden bekannte Tuttlinger Formate auf die Gartenschau umswitchen und wollen auch sehr stark lokale Akteure zum Mitmachen animieren“.

Gartenschauen und Landesgartenschauen

Schauen im Wechsel
Landesgartenschauen und Gartenschauen finden in Baden-Württemberg im Wechsel statt. Die nächsten Landesgartenschauen gibt es in Ellwangen (2026), Rottweil (2028) und Ulm (2030) und die nächsten Gartenschauen in Bad Urach (2027) und Vaihingen an der Enz (2029), bevor dann Tuttlingen an die Reihe kommt.

„Wahre Konjunkturprogramme
Über das Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“ wird den ausrichtenden Städten und Kommunen ein Zuschuss in Höhe von maximal fünf Millionen Euro für eine Landesgartenschau und für eine Gartenschau in Höhe von maximal zwei Millionen Euro gewährt.„Für die Städte und Kommunen sind diese Großprojekte wahre Konjunkturprogramme, mit denen das Gesicht der Austragungsorte nachhaltig verändert werden kann“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, bei der Bekanntgabe der Ausrichtungsorte für die nächsten Jahre.

Keine Premiere für Tuttlingen
Die Gartenschau 2031 ist nicht die erste, die Tuttlingen ausrichtet. Bereits 2003 wurde im Rahmen einer Gartenschau der Donaupark angelegt und mit dem Gartenfest „Trilogie“ gefeiert. 2018 bewarb sich Tuttlingen erneut um eine Gartenschau. Diese Bewerbung war seinerzeit aber nicht erfolgreich. Ein Grund war unter anderem der damals noch schwelende Konflikt zwischen Stadt und Land wegen des Donauaufstaus – ein Konflikt, der inzwischen dank eines zusammen mit der Bürgerschaft ausgearbeiteten Kompromisses beigelegt wurde. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, flossen viele der für die Bewerbung entwickelten Ideen aber nach der Absage in das neue Konzept zur Donauentwicklung ein, das nun die Grundlage für die Gartenschau 2031 bildet.