Obwohl „fünf vor zwölf“ für Jettingens Bürgermeister Hans Michael Burkhardt vorbei ist, zeichnete er beim Neujahrsempfang ein optimistisches Bild von der Lage der Gemeinde.
Mit einem ökumenischen Gottesdienst begann der Neujahrsempfang in Jettingen. In diesem Jahr kamen 500 Gäste, darunter auch einige Neubürger.
Nach dem Gottesdienst hatte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt das Wort – und er fand klare Worte, auch in Richtung Landes- und Bundespolitik. So seien angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen Reformen dringend nötig.
In den Landtagswahlen sieht er eine große Unbekannte – diese könnten zu schwierigen Bündnissen führen. „Ich denke es ist nachvollziehbar, dass wir angesichts der großen globalen Herausforderungen eine gewisse Machtlosigkeit, aber auch Sorgen verspüren.“
Er stellte dar, welche konkreten Beiträge Jettingen in diesen Zeiten der Herausforderungen und Verunsicherungen leisten kann. Aber etwas schelmisch relativierte Burkhardt seine Betrachtungen: „Wen interessiert es in China, wenn in Jettingen ein Sack Weizen umfällt?“ Und: „Früher war einfach mehr Lametta!“
Denn oftmals habe man den Eindruck, dass nichts mehr so richtig funktioniert. Aber: Früher sei nicht alles besser gewesen. In Jettingen blühe das Gemeindeleben – auch das der Kirchen.
Zur wirtschaftlichen Situation in der Region meinte Burkhardt: „Fünf vor zwölf ist schon vorbei – es ist Zeit zu handeln, jetzt!“ Als konkrete Jettinger Beiträge – etwa zur Arbeitsplatzsituation – nannte er das interkommunale Gewerbegebiet Nagold-Gäu auf dem Eisberg – dort habe sich die Zahl Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren um 50 Prozent erhöht – auf jetzt 3000, breit aufgestellt auf viele verschiedene Branchen – dies mache Jettingen widerstandsfähiger.
Einnahmen aus Gewerbesteuer haben sich verdoppelt
Die Gewerbesteuer-Einnahmen hätten sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt – von 1,5 Millionen Euro auf 3 Millionen Euro. Und: Im vergangenen Jahr habe man sich über die Kaufland-Eröffnung gefreut.
Derzeit baue im ING-Park die Firma Heger aus Oberjesingen ein neues Werk zur Herstellung von Recycling-Maschinen, und auch die Jettinger Firma IEA-Optics baut im ING-Park auf Jettinger Markung ein neues Werk. Und im vergangenen Jahr sind weitere drei Firmenneubauten im ING-Park in Betrieb gegangen.
Auch im Gewerbegebiet Ankental gehe etwas. Dort werde sich eine Ledermanufaktur ansiedeln. Auch in Oberjettingen siedelte sich ein neuer Betrieb an. Burkhardt: „All dies zeigt, wie wichtig es ist, dass man Gewerbeflächen vor Ort anbieten kann, um Unternehmen anzusiedeln. Auch war der ING-Park eine strategisch kluge Entscheidung mit Weitblick.“
Ein Jettinger Beitrag sind Arbeitsplätze
Es entstünden immer mehr neue Arbeitsplätze, dies sei ein starker Beitrag in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Daher werde Jettingen weiterhin mutig in die Zukunft investieren. Man plane im Jahr 2026 Investitionen in Höhe von sechs Millionen Euro, „das ist das Doppelte wie im vergangenen Jahr“, betonte Bürgermeister Burkhardt in seiner Ansprache. Damit leiste die Gemeinde ihren Beitrag für den wirtschaftlichen Aufschwung im Land. „Daher können wir die 5,3 Millionen Euro, die wir aus Mitteln des Bundessondervermögens bekommen gut gebrauchen.“
In diesem Jahr soll das Glasfasernetz fertig gestellt werden – die Inbetriebnahme und Aktivierung der Hausanschlüsse sei in vollem Gang, so Burkhardt. In einer immer digitaleren Welt seien die zu übertragenden Daten ein wichtiger Rohstoff für Innovation und Wachstum.
Als weiteres wichtiges Thema nannte der Bürgermeister Bildung und Betreuung. Hier nannte er die Projekte Aufstockung der Gemeinschaftsschule und den Umbau des Alten Rathauses Oberjettingen zum Grundschul-Ganztagesbetreuungsgebäude. Zudem erhält der Kindergarten Heubergring einen Anbau. Insgesamt investiert Jettingen in Maßnahmen der Bildung und Betreuung stattliche sieben Millionen Euro. In den vergangenen zehn Jahren waren es 25 Millionen Euro an Bildungsinvestitionen.
Burkhardt fürchtet Belastung
Doch auch die Energiewende bewegt Jettingen – in diesem Jahr wird die Erweiterung des Umspannwerks abgeschlossen. Für 3. Juni ist dort ein Tag der Offenen Tür geplant. Und am 26. Januar wird ein spektakulärer Schwertransport einen 300 Tonnen schweren Transformator anliefern – ab 22 Uhr wird sogar bewirtet. Burkhardt berichtete, dass bereits zwei Bauvoranfragen für Großbatteriespeicheranlagen vorliegen.
Zum Thema Windkraft meinte der Bürgermeister, dass durch die sieben Windkraftanlagen, die die Stadt Herrenberg an der Gemarkungsgrenze nach Jettingen plant, das Gewann „Öfele“ über Gebühr belastet werde. Die Kommune habe ein erfahrenes Rechtsanwaltsbüro beauftragt, das bei den umfangreichen Planungen im Energiesektor unterstützt. Burkhardt: „Es darf keine übermäßigen Belastungen geben, vor allem nicht für das Öfele.“
Mit einem neuen Ministerpräsidenten will Burkhardt zum Thema Energiewende in Austausch gehen – und auch zu den großen Lasten, die Jettingen in diesem Punkt zu tragen habe.