Viele Informationen in Sachen Energie bot die Gewerbeschau in der Jettinger Willy-Dieterle-Halle. Foto: Priestersbach

Der "Jettinger Herbst" lockte zahlreiche Besucher in die Gäugemeinde. Zwei Tage lang hatte der Gewerbeverein mit Gewerbeschau und Energiewendetagen für ein volles Programm rund um die Willy-Dieterle-Halle gesorgt – abgerundet von einem verkaufsoffenen Sonntag.

Jettingen - "Wir sind begeistert von der Resonanz", hatte Gewerbevereins-Chef Wolfgang Hermann in seinem ersten Fazit den Eindruck: "So viele Besucher hatten wir noch nie." Allerdings war es auch die erste Gewerbeschau seit drei Jahren und Hermann wusste nach dem Feedback der Aussteller: "Alle sind froh, dass sie mitgemacht haben." Gemischter fiel dagegen die Resonanz des verkaufsoffenen Sonntags aus, nachdem die Frequenz in den Jettinger Geschäften unterschiedlich war.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst wurde die Herbstschau in der Willy-Dieterle-Halle am Sonntagmorgen offiziell eröffnet. Wie Petra Niethammer für den Gewerbeverein feststellte, war es nach zwei Jahren "Corona-Zwangspause" endlich wieder so weit, dass sich die Jettinger Handwerker und Dienstleister präsentieren konnten.

Sie machte sie darauf aufmerksam, dass der 2011 gegründete Gewerbeverein zwischenzeitlich 63 Mitglieder zählt – "was für eine Zahl für Jettingen". Petra Niethammer, die auch Obermeisterin der Zimmerer-Innung ist, ließ allerdings nicht unerwähnt, wie sehr das Handwerk unter den stark gestiegenen Energie- und Materialpreisen sowie den langen Lieferzeiten für Material leide. Vor diesem Hintergrund befürchtet sie, dass sich die Kunden den Handwerker bald nicht mehr leisten können. "Wenn die Energiepreise so bleiben oder sogar noch weiter steigen, geht in vielen Unternehmen das Licht aus", ist Petra Niethammer überzeugt.

Turbulente Zeiten

"Die Zeiten sind sehr turbulent und alles wird auf den Kopf gestellt", erklärte Helmut Noe, CDU-Fraktionsvorsitzender im Böblinger Kreistag, mit Blick auf die aktuelle Situation. In seinen Augen könne die Energiewende mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 nur gelingen, "wenn alle mitmachen". Vor allem müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien mit Photovoltaik, Windkraft oder Biogas-Anlagen beschleunigt werden. Ebenso sei die öffentliche Hand vor dem Hintergrund der aktuellen Preissteigerungen im Energiesektor gefordert, Lösungen aufzuzeigen, "damit wir nicht in eine Schieflage geraten". Vor diesem Hintergrund und den mit der Energiewende verbundenen Kosten machte Noe deutlich: "Wir brauchen leistungsfähige Betriebe und eine starke Wirtschaft, um die Herausforderung zu meistern".

Beachtlich fand er es, dass der Jettinger Gewerbeverein sich dieses Thema bereits seit 2011 mit den regelmäßigen Energietagen auf die Fahnen geschrieben hat.

Lösungen vor Ort anstreben

Dass Jettingen in Sachen Energiewende bereits auf einem recht guten Weg ist, skizzierte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt: "Wir dürfen uns nicht auf die große Politik verlassen, sondern müssen schauen, was wir vor Ort beitragen können." So hatte der Gemeinderat bereits früh wichtige Entscheidungen getroffen – und der Rathauschef unterstrich: "Wir sind gut beraten, selbst Heimatenergie zu erzeugen". So gewinne die Gemeinde bereits jetzt 20 Prozent ihres Bedarfs aus erneuerbaren Energien. Mit Blick auf die geplanten Projekte in den Bereichen Windkraft (60 Prozent) und Photovoltaik (20 Prozent) "könnten wir in Jettingen relativ schnell energieautark werden", so Burkhardt.

Als Problem auf diesem Weg bezeichnete er indes zu viel Bürokratie, denn "deshalb geht es nicht voran in Deutschland".

Mit einem "Magic Dinner" hatte sich der Jettinger Gewerbeverein in diesem Jahr ein ganz neues Event einfallen lassen. Knapp 70 Gäste genossen dabei ein Drei-Gänge-Menü, während der Jettinger Zauberkünstler Arnd Röhm auf der Bühne und an den Tischen mit seinen neuen Tricks verblüffte. "Das war einfach genial und ein tolles Publikum", lautete sein Fazit.

Spende an Stiftung

Keine Zauberei war dann der Scheck über 500 Euro aus dem Erlös des gelungenen Abends, der an die Jettinger Pfarrer-Ulrich-und Bürgerstiftung überreicht wurde.

"Das ist eine tolle Spende", freute sich Wolfgang Siebenrock als Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. Die helfe Menschen, die in Not geraten sind – und da gebe es gerade in Sachen Energiekosten verstärkt Probleme.

Auch die jungen Besucher kamen nicht zu kurz: Während in der Halle ein Bastel- und Schminktisch auf den Nachwuchs wartete, ging es vor der Gemeinschaftsschule beim Funpark der Fahrschule Halanke hoch her. "Da ist für alle Altersklassen etwas dabei", sagte Stefan Halanke mit Blick auf Kistenstapeln, Hüpfburgen, Kinderkarussell oder das beliebte Kettcar-Fahren.