Der Posaunenchor umrahmte den Neujahrsempfang in der gut besuchten Jettinger Willy-Dieterle-Halle. Foto: Priestersbach

Der Neujahrsempfang der Gemeinde Jettingen fand ausnahmsweise in der Willy-Dieterle-Halle statt. Der Zugewinn an Platz konnte aufgrund des großen Andrangs gebraucht werden.

Jettingen - Die Gäugemeinde Jettingen wächst weiter und scheint gut gerüstet für die künftigen Herausforderungen: Beim traditionellen Neujahrsempfang skizzierte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt eine prosperierende Kommune, die trotz zahlreicher Investitionen in die Infrastruktur praktisch schuldenfrei ist – und die sich auch in Sachen Energiewende auf den Weg gemacht hat.

Beim ersten Empfang in Präsenz seit zwei Jahren gab es jetzt gleich zwei Premieren. Wegen des noch laufenden Rathausumbaus fand die richtig gut besuchte Veranstaltung nicht im Rathaus-Foyer, sondern in der Willy-Dieterle-Halle statt – und das erstmals in Verbindung mit einem ökumenischen Gottesdienst, der vom Jettinger Posaunenchor unter Leitung von Inge Ott umrahmt wurde.

Inoffizieller Jubiläumsabschluss

Der Gottesdienst war eigentlich bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des 50-jährigen Gemeindejubiläums geplant, fiel dann aber Corona zum Opfer. Doch in Jettingen ist man da pragmatisch, und der Bürgermeister betonte: "Das ist jetzt quasi der Abschluss des Jubiläumsjahres."

Und das vergangene Jahr hatte es aus Jettinger Sicht wirklich in sich. Unter anderem mit einem fünftägigen Zeltfest wurde im Sommer der 1972 vollzogene Zusammenschluss der Gemeinden Ober- und Unterjettingen gebührend gefeiert. Achim Hess aus Gäufelden hatte die Festivitäten zum 50-jährigen Gemeindebestehen ehrenamtlich auf Film dokumentiert und ließ in der Willy-Dieterle noch einmal die Highlights Revue passieren.

Vor dem Hintergrund zahlreicher Krisen fand es Bürgermeister Burkhardt extrem wichtig, welchen Zusammenhalt die Jettinger bei diesem Riesenevent mit hunderten Helfern und Beteiligten an den Tag gelegt hatten.

In seinen Ausführungen ging der Rathauschef auf die Einwohnerentwicklung der vergangenen fünf Jahre ein und stellte fest: "Wir werden mehr, aber auch bunter und älter." So zählt Jettingen mit aktuell 8192 Einwohnern so viele Menschen auf seinem Gemeindegebiet wie noch nie zuvor.

Die demografische Kurve kündigt an, dass die Zahl der über 60-jährigen in den kommenden Jahren bis 2035 voraussichtlich um 25 Prozent auf 2500 wächst – und die der über 85-jährigen Jettinger um 65 Prozent auf 280. Erfreulicherweise steigen entgegen früherer Prognosen ebenso die Kinderzahlen wieder – und die Geburtenzahlen lagen in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei 99 – und damit gut um die Hälfte mehr als vorausgesagt.

67 Nationalitäten in Jettingen

Mit Blick auf die 67 in Jettingen vertretenen Nationen machte Burkhardt deutlich, dass seit 2015 insgesamt 300 Flüchtlinge aufgenommen wurden, und alleine im vergangenen Jahr waren es durch den Krieg in der Ukraine 110 Menschen, die in Jettingen Zuflucht fanden.

55 Personen sind derzeit im frühere Café Niethammer untergebracht, doch konnten auch etliche private Wohnungen angemietet oder leerstehender Wohnraum aktiviert werden. Bei dieser Gelegenheit dankte der Bürgermeister den privaten Wohnungseigentümern, die Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. In diesem Jahr rechnet man mit der Aufnahme von weiteren 40 bis 50 Ukrainern.

Die bauliche Entwicklung schreitet weiter voran, sei es im Baugebiet Amsel oder mit der Planung für das neue Baugebiet Wasenäcker. Sehr erfreulich ist für den Bürgermeister der Neubau etlicher Mehrfamilienhäuser, mit denen Baulücken geschlossen oder die nach dem Abriss älterer und leerstehender Gebäude errichtet wurden. Allein im vergangenen Jahr konnten so 36 neue Wohnungen im Geschosswohnungsbau geschaffen werden. Allerdings sei der Bedarf eben auch da, machte Burkhardt deutlich, dass bis 2035 insgesamt 250 weitere Wohnungen in diesem Segment benötigt werden.

Bezahlbarer Wohnraum

Zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist der Neubau von sieben kleinen Apartments anstelle der 31 Jahre alten Container geplant. Noch im Februar soll zudem der Startschuss für ein seniorengerechtes Neubauprojekt mit 19 Etagenwohnungen in der Oberjettinger Aischbachstraße starten.

"Wir haben energetisch in den letzten Jahren viel gemacht", stellte der Rathauschef unter Hinweis auf die energetischen Sanierungen im Rathaus und der Gemeinschaftsschule sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED fest. In diesem Jahr gelte für die Gemeinde noch der alte und günstige Gasvertrag, während die Strompreise bis Ende 2024 festgeschrieben sein – "doch danach wird es teurer". So bezeichnete er den Ausbau der erneuerbaren Energien als Antwort auf den Klimawandel, wobei es auch in Jettingen Potenziale gebe.

So beispielsweise durch Windkraftnutzung hinter dem Umspannwerk oder Freiflächen-Photovoltaik bei den Höhenhöfen. Und so ist er überzeugt, dass durch diese Projekte in Jettingen so viel Strom erzeugt werden kann, wie vor Ort benötigt wird.

Bau- und Gartenmarkt kommt

Weitere Themen, die der Bürgermeister streifte, waren neben dem weiteren Ausbau der Kindergartenplätze der geplante barrierefreie Umbau der Bushaltestellen in Jettingen, die seit 120 Jahren diskutierte Schienenverbindung zwischen Nagold und Herrenberg, die Stärkung der Ortsmitten, die Erweiterung des Schuppengebiets oder die künftige Entwicklung auf dem ehemaligen Baumarktgelände beim Real-Markt. Wie Hans Michael Burkhardt mitteilte, soll hier im kommenden Jahr ein kleiner Bau- und Gartenmarkt mit regionalem Produktsortiment seine Pforten öffnen.