In Kooperation mit dem VfL Oberjettingen wurde ein Volleyballturnier auf die Beine gestellt. Foto: Jugendreferat Foto: Schwarzwälder Bote

Bericht: Frustration durch eingeschränkte Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung

Jettingen. Was hat die Jugendsozialarbeit im Jahr 2020 beschäftigt? Welche Themen waren bei der Sozialberatung für Geflüchtete aktuell? Die Antworten auf diese Fragen gaben die zuständigen Fachkräfte im Gemeinderat.

Den Bericht über die Jugendsozialarbeit in Jettingen teilten sich Melanie Henschel (Grundschule Unterjettingen), Samuel Brenner (Jugendreferent, offene Jugendarbeit, Grundschule Oberjettingen) und Katharina Fuchs (Sekundarstufe Gemeinschaftsschule, offene Mädchenarbeit). Es gab viele Gespräche zu führen, erzählte Melanie Henschel. Familien und Kinder hätten oft Angst vor Corona, besonders, wenn Verwandte betroffen sind. Auch die Zahl der Gespräche mit Lehrkräften habe zugenommen. Die größte Herausforderung sei gewesen, die Grundschüler unabhängig von Eltern und Lehrern zu erreichen, denn niederschwellig war das im Homeschooling nicht möglich.

Fehlende Motivation, Aufgabenverweigerung durch Leistungsdruck, häusliche Streitereien, fehlende Kontakte, Langeweile und Frustration durch eingeschränkte Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung – es war keine einfache Zeit.

Henschel reagierte mit regelmäßigen Gesprächen, Tipps zur Freizeitgestaltung, Präsenz in Betreuung, Klassen und Pausen sowie dem Entwickeln neuer Zugangsmöglichkeiten. In der Lockdownzeit entstand unter anderem eine bunte Steinschlange an der Grundschule, die toll wuchs. Eine Besonderheit von Melanie Henschels Arbeit ist ihr Hund. Auf plüschige Vierbeiner sprechen Kinder natürlich besonders gut an. "Zeit mit dem Hund ist Zeit mit mir", habe eine Rückmeldung gelautet. Nola ist ein "Türöffner" für die Grundschüler und ein Motivator in der Homeschooling-Phase.

Für 2021 hat sich Henschel unter anderem zum Ziel gesetzt, pandemiebedingt entfallene Projekte nachzuholen. Ein besonderer Fokus wird auf der Klassenzusammenführung liegen. Familien sollen in der Pandemie gestärkt und unterstützt sowie langfristige Folgen im Auge behalten werden. Darüber hinaus strebt Melanie Henschel eine Weiterbildung im Bereich tiergestützte Traumatherapie an.

Beim Jugendreferat konnte trotz Corona in 2020 eine Jugendleitercard-Schulung durchgeführt werden, erzählte Samuel Brenner. In Kooperation mit dem VfL Oberjettingen konnte ein Volleyballturnier auf die Beine gestellt werden – ein voller Erfolg und mit 16 Mannschaften komplett ausgebucht. Wenn es möglich ist, soll das Turnier in diesem Jahr ebenfalls stattfinden, vielleicht sogar an zwei Tagen.

Im September 2020 startete Samuel Brenner mit der Schulsozialarbeit an der Decker-Hauff-Schule in Oberjettingen. Über 300 Gespräche mit Schülern, über 50 Gespräche mit Eltern, über 150 Gespräche mit Lehrkräften, 30 Kontakte zum Jugendamt und 37 Kontakte zu anderen Fachdiensten – das ist die Bilanz.

Mit Videobotschaften, Nachrichten an der digitalen Pinnwand der Gemeinschaftsschule, das digitale Klassenzimmer sowie via Telefon und Mail hielt Katharina Fuchs Kontakt zu den Jugendlichen der Sekundarstufe. Über soziale Medien konnten aktuelle Informationen geteilt, Mitmachaktionen verbreitet, Wettbewerbe ins Leben gerufen und wichtige Anlaufstellen genannt werden. Schüler und Eltern konnten zudem eine Online-Sprechstunde nutzen.

Die psychische Belastung war auch bei den Jugendlichen ein Schwerpunktthema in der Einzelfallhilfe. Dazu mitunter häusliche Streitereien, Prüfungsangst, Einsamkeit und Langeweile. Einige Projekte wie das Sozialkompetenztraining, das Schulbustraining, die Alkoholprävention und Gewaltpräventionsprojekte mit der Polizei konnten unter angepassten Bedingungen trotz der Pandemie stattfinden.

Martina Köhnlein, Integrationsbeauftragte für Familien, und Sonja Marion, zuständig für die Sozialberatung für Geflüchtete in Anschlussunterbringung, entschieden sich für eine etwas andere Art von Bericht. Sie hatten einen Bericht mit den wichtigsten Zahlen der Sitzungsvorlage beigefügt und gaben dafür in der Sitzung selbst einen Einblick in einen normalen Arbeitsalltag. Dabei wurden natürlich keine Namen genannt, sondern Person X und Y zum Leben erweckt. Das vermittelte einen Eindruck davon, mit welchen Themen und Problemen sich die beiden Fachkräfte täglich auseinandersetzen und wie sie sich um Lösungen bemühen.

Das Gremium und Bürgermeister Hans Michael Burkhardt dankten allen Fachkräften zum Schluss für ihr tolles Engagement und die geleistete Arbeit.

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