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Jettingen KSK-Übungsgelände bringt Bürger auf

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Bis auf den letzten Platz besetzt war die Willy-Dieterle-Halle am Mittwochabend. Foto: Gezener

Jettingen/Haiterbach - Das geplante KSK-Absetzgelände in Haiterbach erregt auch in Jettingen die Gemüter, da die Gemeinde in der Hauptanflugsroute liegt. Deshalb hatte die Bürgerinitiative Jettingen jetzt gemeinsam mit der Gemeinde Jettingen zum Infoabend in die Dieterle-Halle geladen.

Groß war das Interesse der Jettinger, als am Mittwochabend über das umstrittene KSK-Projekt diskutiert wurde. Auch viele Bürger aus Nagold, Wildberg und Haiterbach waren nach Jettingen gekommen. Jettingens Bürgermeister Hans Michael Burkhardt moderierte die Diskussion, an der Gäste von der Bundeswehr, der Landesregierung und aus der Politik teilnahmen.

Absetzgelände, Absprunggelände oder doch Militärflugplatz? Die Jettinger wollten zunächst wissen, welche Nutzung für das geplante Übungsgelände in Haiterbach eigentlich vorgesehen sei. Oberst Herfried Martens vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) verwies hierzu auf § 49 der Luftverkehrszulassungsordnung, wonach im vorliegenden Fall ein "Landeplatz für besondere Zwecke", nämlich für Zwecke der Bundeswehr geplant sei, wobei das Gelände "mit Landen und Starten" von Hubschraubern verbunden sei. "Damit ist es rein rechtlich betrachtet ein Militärflugplatz", sagte Oberst Martens. Dafür erntete er großen Applaus aus dem Publikum.

"Wir werden gar nichts ausschließen. Wenn wir das täten, hätten wir die Weltformel", sagte Ulrich Arndt, Leiter der Stabsstelle der Staatsrätin Gisela Erler im Staatsministerium Baden-Württemberg, als er gefragt wurde, ob Nutzungsänderungen völlig ausgeschlossen seien. Etwas anders sah das dann Oberst Herfried Martens. Geplant sei ein Absetzgelände für Fallschirmspringer. "Es wird keine Nutzungsänderungen geben", meinte Oberst Martens.

Ausgeschlossen sei auch, dass die Fallschirmspringer des KSK in Calw üben könnten: "Calw ist zu klein für den vorgesehenen Zweck", sagte Dieter Bertsche vom BAIUDBw. Außerdem sei die Topographie in Calw gänzlich ungeeignet. So sei am Standort Calw baufachlich keine Erweiterung für ein Absetzgelände möglich.

"Das KSK bleibt am Standort Calw. Ich bin froh, dass das KSK in Calw ist und dort bleibt", erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, als die Frage in den Raum geworfen worden war, ob das KSK nicht von Calw auf einen anderen Standort verlegt werden könnte.

Auf die Frage, mit welcher Fluganzahl an einem Flugtag über Jettingen zu rechnen sei, konnte Ralf Hähn "keine konkreten Zahlen nennen." Die Datenerfassung sei noch nicht abgeschlossen. "Wir werden den Himmel über Haiterbach und Jettingen nicht schwarz färben", sagte Hähn dann mit erhobener Stimme. Ob diese Aussage die Bürger beruhigte oder besonders beänstigte, ist zwar ungewiss – sie sorgte aber jedenfalls für zahlreiche Lacher im Publikum.

Weitere Fragen blieben offen, als es um die Belastung durch Fluglärm ging. Es sei unklar, wann das Lärmgutachten fertig werde, sagte Hähn. Er erläuterte, dass die Belastung durch Fluglärm anhand eines äquivalenten Dauerschallpegels überprüft werden müsse, wobei für das Ergebnis des Gutachtens letztlich die Durchschnittswerte, und nicht etwa die Spitzenwerte bei den Lärmpegeln ausschlaggebend seien. Dies sei gesetzlich so geregelt. "Nach allem, was wir wissen, sind wir weit weg von einer möglichen Grenzwertüberschreitung", ließ Arndt verlauten. Neben dem Lärmgutachten werde auch ein Luftschadstoffgutachten erstellt, erklärte Bertsche.

Als es dann um die Flughöhe ging, wurden die Gäste dann konkreter. Flächenflugzeuge würden in mindestens 400 Meter Höhe, Hubschrauber in mindestens 450 Meter Höhe fliegen, sagte Oberst Martens. Zudem würde etwa einmal im Quartal in etwa 100 Meter Höhe der Transall zum Absetzen von Lasten über das Absetzgelände fliegen, erklärte Oberst Martens.

Eine weitere Schwierigkeit: Die Verhandlungen mit den Eigentümern über Grund und Boden. "Wenn man sich nicht auf einen Kauf einigen kann, wird es sehr schwer für uns", sagte Arndt, nachdem sich einige Eigentümer zu Wort gemeldet und deutlich gemacht hatten, ihre Flächen nicht verkaufen zu wollen.

Der Leonberger Landtagsabgeordnete Bernd Murschel (Grüne) bemühte sich, die angespannte Stimmung in der Halle etwas zu entspannen und berichtete aus persönlicher Erfahrung. Er wohne im Leonberger Stadtteil Eltingen, unweit von dem Absetzgelände in Renningen. In den vergangenen 30 Jahren habe er nur gelegentlich Hubschrauber gehört.

Mit 14 aktiven Mitgliedern und mehr als 700 Unterstützern will die Bürgerinitiative Jettingen zum einen mehr Transparenz und Information im Auswahlverfahren erhalten, zum anderen aber auch Schaden von Mensch, Natur und der Gemeinde Jettingen abwenden. Sie hatte in Zusammenarbeit mit dem Jettinger Bürgermeister Burkhardt und Vertretern des Gemeinderates die Infoveranstaltung in der Willy-Dieterle-Halle organisiert.

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