Der mobile Hühnerstall der Familie Rinderknecht. Foto: Mikulcic

Im Mobilen Hühnerstall der Familie Rinderknecht am Wildberger Weg leben fast 200 Tiere. Hahn "bringt bissle Ruhe rein".

Jettingen - "Ich wollt, ich wär’ ein Huhn", lautet die erste Zeile eines Filmschlagers aus den 1930er-Jahren. Wer auf den Hof der Familie Rinderknecht in Jettingen kommt, darf sich nicht wundern, wenn er sich kurz nach seinem Eintreffen gedanklich bei eben diesem Wunsch ertappt.

Denn – wer den Schlager kennt, wird im Stillen vervollständigen: "Ich hätt’ nicht viel zu tun, ich legte vormittags ein Ei und abends wär ich frei." Genau so sieht der Tagesablauf für die 198 Hühner aus, die seit Mitte Mai zu der großen "Hoffamilie" der Rinderknechts gehören. Am Wildberger Weg sind die geschäftigen, neuen Hofbewohner für Spaziergänger aus Jettingen und aus der näheren Umgebung "die" Attraktion.

Nicht zuletzt wegen ihrer ebenso auffälligen wie innovativen Residenz: dem "HühnerMobil". In Bad Sooden, im äußersten Nordosten Hessens an der Grenze zu Thüringen, werden die cleveren "Ställe auf Rädern" gefertigt. 48 solcher "HühnerMobile" gibt es in Baden-Württemberg bereits. Der Clou: Wenn die eingezäunte Fläche vor dem Stall abgegrast ist, wird der Stall – im Handumdrehen – an einen neuen Standort versetzt.

In ihrem "HühnerMobil" fressen, trinken und schlafen die Hühner. Um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, dem Grasen, begeben sie sich natürlich vors "Haus". Jetzt, bei der trockenen Witterung ist das hohe Gras, in dem sie sich auch liebend gern aufhalten, nirgends zu finden. Dennoch lassen sich die Hühner nicht beirren. Beharrlich senken sie in regelmäßigen Abständen ihren Kopf zum Boden. Es könnte zwischenzeitlich ja etwas Neues da unten auf sie warten.

"Die sind echt naseweis", sagt Christa Rinderknecht über ihre tierischen Mitarbeiterinnen. Doch wenn man zu viele Damen über zu lange Zeit miteinander alleine lässt, geht das meist nicht gut. "Mir hat man empfohlen, einen Hahn dazu zu nehmen, so die frischgebackene Hühnerfarmerin. "Der bringt bissle Ruhe rein", ergänzt sie.

Zunächst hätte sie ihren Hennen zwei Hähne zur Seite gestellt. Da Familie Rinderknecht aber fünf Sprösslinge hat, haftete dieser Konstellation von vornherein ein Problem an. "Jedes Kind wollte gern seinen Hahn", erklärt die Mutter von Anna, Silas, Naemi, Eva-Maria und Boas. Das ist mittlerweile der Fall. "So kommt es, dass wir jetzt eben fünf Hähne haben", lacht die landwirtschaftliche Unternehmensgründerin.

"Wichtig, dass die Tiere es gut haben"

Man kann sie mit Fug und Recht als solche bezeichnen. Denn sie betreibt nicht nur einen "Regiomat" in der Ortsmitte von Oberjettingen, dem man per Knopfdruck Produkte vom Hof der Rinderknechts entnehmen kann. Christa Rinderknecht hat zudem für die Kunden, die ihre Lebensmittel gerne dort abholen, wo diese produziert werden, einen kleinen Verkaufsraum auf dem Hofgelände eingerichtet. Genau wie im "Regiomat" findet man dort Fleischprodukte, Nudeln mit frischen Jettinger Eiern und natürlich den neuen Verkaufsschlager selbst: Eier. In vier Größen sind sie zu haben. S, M, L und XL sind im Angebot.

Fürs Eiereinsammeln ist der Nachwuchs zuständig. Täglich zwischen zwei und drei laufen Silas und seine Schwestern Naemi und Anna hinter die große Scheune, in der die Heuwürfel lagern. Direkt dahinter campiert momentan das "HühnerMobil". In der mit Dinkelspelz gefüllten Legerinne, die in der Konstruktion integriert ist, lagern die Eier. "Dort bleiben sie isoliert und sauber", benennt Christa Rinderknecht einen entscheidenden Vorteil der sogenannten "Familiennester".

Das Einsammeln ist beim Rinderknecht-Nachwuchs mittlerweile fest in den Tag integriert. Rund 170 Eier holen die Mädels und Silas am frühen Nachmittag derzeit täglich aus dem Dinkelspelz. "Meistens sind auch die Hausis bis dahin fertig", sagt die Mama. Und auch bei den Jettinger Teenagern ist, seit die fünf Hähne am Wildberger Weg Hof halten, eine neue Gewohnheit zu beobachten. Per Nachrichtendienst "Whatsapp" verabredet man sich zum Eierholen. Dann schwingt man sich aufs Rädle, atmet eine Prise frischer Luft ein, hält einen Schwatz – und sammelt womöglich fürs freiwillige Eier holen noch Sympathiepunkte bei den Eltern.

Überzeugt hat Christa Rinderknecht an dem "HühnerMobil", dass es eine tiergerechte Haltung ermöglicht: "Für uns ist wichtig, dass es die Tiere gut haben." Doch auch, dass der Aufwand der Haltung nicht ausartet, war ein wichtiges Kriterium. Schließlich ist Ingwart Rinderknecht im Hauptberuf Milchbauer. Das Füttern der Hühner und das regelmäßige Umparken des Mobils hat er übernommen.

Um die Vermarktung des neuen Erzeugnisses kümmert sich seine Frau. Ursprünglich habe sie einfach die Attraktivität ihrer Kartoffeln etwas erhöhen wollen, die sie auf dem Hof schon seit Jahren vertreibe, berichtet Christa Rinderknecht. Und so sei sie auf diesem Wege letztendlich beim Ei gelandet.

Dass viele Kunden nun sehen wollen, wo ihr Produkt herkommt, freut sie. Genauso wie der Trend, dass immer mehr Konsumenten regional einkaufen. "Wer möchte, darf mal durch den Stall laufen, da stellen wir uns nicht quer", unterstreicht sie, dass ihr die Transparenz bei der Erzeugung ein großes Anliegen ist. Ihre Hühner genießen die viele Aufmerksamkeit. Auch an ganz heißen Tagen legen sie brav ihre Eier. Aber – bei Rekordhitze zeigen sie sich nur ungern vor dem Spätnachmittag zum Plausch auf dem Hof.

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