Das außergewöhnliche Jesuskind aus Wachs haben Klosterfrauen gefertigt. Es stammt wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Foto: Gauggel

Das außergewöhnliche Jesuskind aus Wachs darf auch in diesem Jahr pünktlich zum Weihnachtsfest in der katholischen Pfarrkirche St. Mauritius in Harthausen bewundert werden.

Der Hausmeister der Pfarrei, Bernhard Weßner, kümmert sich seit vielen Jahren um das barocke Kleinod und präsentiert den dreiseitig verglasten Schrein mit dem nicht alltäglichen Jesuskind vor dem seitlichen Marienaltar. Das aus Wachs gefertigte Christkind liegt hier nicht in einer einfachen Futterkrippe, sondern auf einem mit Rüschen, Seidenstickerei und Goldplättchen verzierten herrschaftlichen Lager. Bei der Betrachtung des Kindes fühlt man sich an das 1818 entstandene und bis heute wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt „ Stille Nacht, heilige Nacht“ erinnert, wo in einer Zeile das Jesuskind als „ Holder Knabe im lockigen Haar“ besungen wird.

 

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden

Auch die kunstvoll aus Wachs gestalteten Schwäne und Schäfchen in idyllischer Landschaft vor dem rückseitigen Gemälde, das neben Betlehem auch eine christliche Kirche zeigt, wollen auf die göttliche Herkunft des Jesuskindes hinweisen. Die beiden am Himmel schwebenden Engel, ebenfalls aus Wachs gefertigt, zeigen ein Spruchband mit der lateinischen Aufschrift „Gloria in excelsis Deo“ und verkünden damit in Kurzform die christliche Weihnachtsbotschaft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“

Neben dem Schrein mit dem Christkind leuchtet in diesem Jahr auch das in Betlehem entzündete Friedenslicht Foto: Gauggel

Hausmeister Weßner weiß, dass dieses Kunstwerk um 1870 durch eine private Schenkung der Familie Johann Oswald in den Besitz der Pfarrgemeinde kam und seither im Pfarrhaus aufbewahrt wird. Nach Meinung des Krippenexperten Hans Keutmann aus Inzigkofen, der als Vorsitzender des dortigen Krippenvereins mit den vielfältigen Ausdrucksformen weihnachtlicher Krippengestaltung bestens vertraut ist, ist das Wachs-Christkind in Harthausen allerdings deutlich älter als bisher angenommen. Er datiert die Entstehungszeit des barocken Kunstwerks in die Zeit um 1750. Damit ist das Harthauser „Wachs-Christkindle“ gut ein Jahrhundert älter als bisher eingeschätzt. Hans Keutmann geht weiter davon aus, dass dieses aufwendige Werk aller Wahrscheinlichkeit nach kunstfertige Klosterfrauen in einem oberschwäbischen Konvent gefertigt haben. Es stellt somit auch ein zeittypisches Beispiel barocker Volksfrömmigkeit dar. Passend zu dem kleinen, goldverzierten Schrein, der an einen antiken Tempel erinnert, leuchtet neben dem Jesuskind über Weihnachten zudem das ursprünglich in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem entzündete Friedenslicht, das mit einer bereitstehenden Kerzenleuchte gerne mit nach Hause geholt werden darf.