Pfarrer i.R. Michael Broch und sein neustes Werk, das den Titel trägt "Der zweite Tod Jesu – verschüttet unter 2000 Jahren Kirchengeschichte". Foto: Kost

Der in Bad Imnau lebende Pfarrer i. R. Michael Broch ist nicht nur bekannt durch seine Auftritte im Radio und Fernsehen, er ist auch Verfasser kirchenkritischer und reflektierender Bücher. In diese Reihe lässt sich auch sein neuestes Werk "Der zweite Tod Jesu" einreihen.

Haigerloch-Bad Imnau - Dass immer mehr Menschen mit dem christlichen Glauben, speziell mit dem Katholizismus, nichts mehr anzufangen wissen, wundert den 79-jährigen in Ulm geborenen Theologen nicht: "Jesus und sein ursprüngliches Evangelium sind in Vergessenheit geraten" – begraben unter einem 2000-jährigen engen Korsett voller Prinzipien und Dogmen, die aus mündigen Menschen immer noch kein "Volk Gottes", sondern weiterhin Schafe machen. Das findet Broch, der in der Aufbruchsstimmung nach dem ersten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) in Tübingen Theologie studiert hatte, äußerst bedauernswert, denn die Botschaft Jesu und sein Wirken sei heute aktueller den je. Es gelte deshalb, so steht es auch auf dem Klappentext seines neuen Werkes, "Jesus, sein Gottesbild und sein Evangelium neu zu entdecken" und zu den Ursprüngen des Christentums zurückzufinden.

 

Die Jugend braucht eine andere Sprache

Doch dafür bedarf es aus seiner Sicht einer neuen Sprache, befreit von dogmatischen Interpretationen und weniger kompliziert. Einer Sprache, die von der heute anders glaubenden Jugend besser verstanden werde. Jesus biete hier das beste Vorbild, denn als Aufklärer habe er stark in Bildern gesprochen. Bilder, die verstanden wurden. Jesus habe kein Gehorsam gefordert, sondern nur die Bereitschaft zum Zuhören, zu Toleranz und Freiheit. Das was er gesagt habe, habe er auch vorgelebt. All das gilt es nach Michael Brochs Auffassung nicht nur wiederzuentdecken, sondern auch neu zu beleben.

Sein neues Buch bewegt sich inhaltlich auf einer Linie seiner bisher 18 veröffentlichten Büchern und Schriften. Viele darin bereits geäußerte theologische Ansätze hat er wieder aufgenommen und aktualisiert. Auf dem Weg zu einer Theologie der Zukunft und einer neuen "leibfreundlichen Moral" befasst er sich aber auch mit dem Bild der Erbsündenlehre. Broch: "Eine Erfindung von Augustinus.". Er fordert eine Zulassung von Frauen in alle Kirchenämter ("Dagegen gibt es kein theologisches Argument") und die Freistellung der Priester vom Zölibat.

Christentum muss "toten Punkt" überwinden

Dass er mit seinen progressiven Ansätzen in klerikalen Kreisen nicht nur auf Begeisterung stößt, ist dem Ruhestandspfarrer, der 35 Jahre bei Radiosendern und fünf Jahre in der ARD das "Wort zum Sonntag" gesprochen hatte, durchaus bewusst. Schon das Finden eines Verlages für sein neues Buch hat sich als nicht ganz einfach erwiesen. Aber er liebt seine Kirche – und geht deshalb kritisch mit ihr um, hinterfragt so genannte christliche Wahrheiten, damit sie ihren "toten Punkt" überwindet. Deshalb ist auch das Titelbild seines Buches sorgsam gewählt: ein junger, zarter Trieb von Blättern aus einem knorrigen alten Baumstamm.

Weitere Informationen:

Michael Broch: "Der zweite Tod Jesu – Verschüttet unter 2000 Jahren Kirchengeschichte". Erschienen im LIT-Verlag Münster, ISBN 978-3-643-15092