Dieter und Brit Märte Hörmann präsentieren ihre Häuser für das Projekt "Winzighausen". Foto: Störzer

Brit Märte und Dieter Hörmann stellen Miniaturen her – bevorzugt im Maßstab 1:12. Von der Handtasche, übers Sofa bis zur Blumenvase findet sich alles in den Vitrinen der Hobbykünstler. Gerne faszinieren sie bei Messen oder in ihrer Werkstatt auch andere damit.

Loßburg-Betzweiler - "Alles begann mit meiner Leidenschaft für bestickte Mustertücher", erinnert sich Brit Märte Hörmann. Kreativ sei sie schon immer gewesen. "Unsere Wände waren dann irgendwann voll. Nichts fand dort mehr einen Platz", sagt Hörmann rückblickend.

Dann sei ihr vor rund 25 Jahren eine Zeitschrift aus Holland in die Hände gefallen. Darin wurden Miniatur-Mustertücher gezeigt. Praktisch fand sie das, brauchen diese doch nur wenig Platz an der Wand. Die entfachte Faszination sollte Brit Märte nicht wieder loslassen. Sie wollte das auch ausprobieren.

Materialien kommen überwiegend aus China und England

Da die passenden Materialien damals so wie heute nicht im regulären Bastelhandel zu finden waren, durchsuchte sie gefühlt das ganze Internet und stieß schließlich auf einen Flugzeughersteller in den USA. Über diesen konnte sie Seidengaze für ihre Miniatur-Mustertücher beziehen. Mittlerweile, sagt sie, sei dieses Material auch auf Messen erhältlich. Beinahe alle Materialien für Miniaturen kommen inzwischen aus China oder England. "Und für die Produkte aus England müssen wir jetzt ordentlich Zoll zahlen, da das Land nicht mehr in der EU ist", ärgert sich Brit Märte.

Über einen Kontakt in den USA kamen die Hörmanns damals an eine 16 Kilogramm schwere Postsendung von Zeitschriften zum Thema Miniaturen. Die Faszination stieg ins Unermessliche.

Vom Nusskern bis zur Acrylstange wird alles verwendet

So kam eins zum anderen – und auch Dieter Hörmann wurde angesteckt. Zu dieser Zeit führte er noch ein Antiquitätengeschäft in Ahlen. Er begann mit seiner ersten Miniatur-Drechselarbeit. Mittlerweile fertigt er an seiner Drechselbank Miniaturen aus Horn vom Rehbock, Hölzern aller Art, Acrylstangen, Bernstein, exotischen Nusskernen, Nussschalen und allem, was ihm sonst als geeignet erscheint. Hauptsache, er kann es in seine Drechselmaschine einspannen.

"Der Schwund ist groß", bejaht er. Oft habe er schon ein neues Stück angefangen und plötzlich gemerkt, dass die eingespannte Nuss innen hohl war. "Dann kann ich die ganze Arbeit wegwerfen." Doch das hält ihn nicht davon ab, seine Ideen umzusetzen.

Jedes Werk ist ein Einzelstück

"Der Kreis der Leute, die das machen, ist begrenzt." In Deutschland gebe es, sagen die Hörmanns, insgesamt nur drei Personen, die mit feinen Nüssen und ähnlichem drechseln. Einer davon sei gelernter Uhrmachermeister und daher äußerst geschickt beim Fertigen von Miniaturen.

Alle Dimensionen des Gegenstands in Originalgröße werden vorab sorgfältig ausgemessen und dann runtergerechnet. Wichtig ist ihm, dass seine Miniatur-Gegenstände auch nutzbar sind: Das heißt, die Schubladen der Nähkästen lassen sich öffnen, die Deckel der Dosen sind abnehmbar und die Vasen sind ausgehöhlt, sodass etwas hineingesteckt werden kann. "Eine Lupe brauche ich dafür nicht", überrascht Dieter Hörmann. Und: "Eine normal große Schale kann ich nicht drechseln", sagt er lachend. Jedes seiner Werke sei ein Einzelstück, ein Unikat. So komme keine Langeweile auf, erklärt der Rentner. "Wir leben dafür, frische Projekte umzusetzen."

Kreative Beschäftigung nutzt das Ehepaar zur Entschleunigung

Und so bauten die Hörmanns ihr Hobby gemeinsam aus. Auch Brit Märte erweitert ihr Repertoire stetig. "Man wird erfinderisch", sagt sie. Da komme ihr die Aushilfstätigkeit im Handarbeitsgeschäft im Nachbarort Dornhan natürlich zugute. Modeschmuck zum Beispiel zerlege sie in seine Einzelteile und verbaue diese. Auch mit der Modelliermasse Fimo lasse sich hervorragend arbeiten.

Kreative Tätigkeiten entschleunigen sehr, findet das Ehepaar. "Es gibt in diesem Moment nur das Ding und mich. Man tritt in einen Austausch mit dem Material", sagt Dieter Hörmann.

Nicht für Puppenhäuser geeignet

Wenn Kinder in die Nähe ihrer Werke kommen, werden die beiden immer etwas nervös, erzählen sie, ja, verfallen regelrecht in eine Schockstarre. Denn: "Es handelt sich nicht um Einrichtungsgegenstände für Puppenhäuser", stellen sie klar.

Brit Märte zieht regelmäßig die Blicke auf sich, wenn sie mit ihren Miniatur-Nadeln im Wartezimmer beim Arzt ihre Miniatur-Kreationen strickt. Gerne lassen sich die Hörmanns auch in ihrer Werkstatt zu Hause über die Schulter schauen. Im Frühjahr, so der Plan, will das Ehepaar wieder eine Ausstellung in seiner Scheune organisieren.

Sieben Häuser für Winzighausen gefertigt

Auf diversen Messen seien sie mit ihren Kunstwerken schon gewesen, doch hinterher fehle immer etwas. "Kleine Dinge sind schnell geklaut", sagt Brit Märte.

Viel lieber setzen sich die Hörmanns mittlerweile abends mit einem Glas Wein vor ihren Vitrinenschrank. Darin bewahren sie unter anderem die sieben Häuser katzen- und staubsicher auf, die sie einst für die Modell-Stadt Winzighausen, eine Ausstellung in Kooperation mit anderen Miniaturisten, angefertigt haben. "Das ist besser als Fernseh zu schauen", finden beide. "Bei der Ausstellung war einfach alles in Miniatur zu sehen, was man aus dem realen Leben kennt: Von der Kirche, über ein abgebranntes Gebäude bis zum Obdachlosen auf der Parkbank."

Katzen sind ihr Steckenpferd

Brit Märte sagt: "Eigentlich sind wir auch immer ein Stück weit in die Häuser mit eingezogen." So gibt es darunter ein Ladengeschäft in dem Weihnachtsartikel und eines in dem Holzartikel verkauft werden sowie den früheren Arbeitsplatz von Brit Märte Hörmann, die westfälische Tageszeitung "Die Glocke". Auch Abbildungen von Katzen sind bei genauerer Betrachtung in Hülle und Fülle vorhanden – eines von Brit Märte Hörmanns Steckenpferden.

An Ideen für neue Projekte mangelt es den beiden jedenfalls nicht.