Etwa jeder Zeite leidet unter immer wiederkehrenden Kopfschmerzen. Also rund 54 Millionen sind es alleine in Deutschland. Gerade während ständiger Wetterwechsel leiden viele Menschen unter Kopfschmerzen –Tipps gegen die anhaltenden Schmerzen gibt es zur Genüge, doch was hilft wirklich und was nicht? Wir klären auf.
Stress, Wetterschwankungen, erbliche Veranlagungen – mit Kopfschmerzen hat in Deutschland etwa jeder Zweite zu kämpfen. Auslöser sind sehr unterschiedliche Ursachen – unter anderem das vermehrte und lange Arbeiten am PC und wenig Bewegung durch Homeoffice.
Viel Trinken, frische Luft, sich hinlegen und abgedunkelte Räume sind für die meisten Menschen die gängigsten Hilfsmittel. Doch es kursieren auch andere Tipps und Tricks, um den Kopfschmerzen beizukommen: Hitze beziehungsweise Kälte, Pfefferminzöl auf die Schläfen, Espresso mit Zitronensaft, Kirschen essen, Akupunktur und Akupressur, Massagen und Dehnübungen, Fußbad mit Senfmehl oder ein kühles Unterarmbad – um nur einige zu nennen.
Wir haben beim Landesapothekerverband nachgefragt, welche dieser Ratschläge am vielversprechendsten sind.
Kälte auf die Stirn und Schläfen
Generell sei Kälte immer dann gut, „wenn es sich um klassische Schmerzen handelt, die durch die Ausschüttung von Botenstoffen verursacht werden, die Schmerzen und Entzündungen verursachen“, erklärt Apothekerin Sandra Barisch. Dies sei bei Kopfschmerzen – auch Migräne – zu empfehlen.
Diese Schmerzen „entstehen häufig durch die Weitung/Dehnung von Blutgefäßen, wodurch diese durchlässiger werden für Blutflüssigkeit und entzündungsfördernde Eiweißstoffe, die dann ins Hirngewebe freigesetzt werden“. Wenn diese Blutgefäße nun durch Kälte wieder verengt werden, können diese Stoffe nicht mehr ins Hirngewebe austreten und keinen Schmerzimpuls mehr setzen, erläutert Barisch ausführlich.
Zu beachten sei, dass man dabei ein Kühlpack aus dem Kühlschrank und nicht aus dem Eisfach nutzt. „Das wäre viel zu kalt und unter Umständen sogar kontraproduktiv, weil sich die Blutgefäße schlagartig zusammenziehen“, erläutert sie. Außerdem empfiehlt sie immer zwei, drei kleine Kühlpacks im Kühlschrank zu haben, um diese immer wieder austauschen zu können.
Wärme in den Nacken
Wärme hingegen sei immer dann gut, „wenn die Schmerzen durch Muskel-Verspannungen kommen“. Sprich, wenn der Muskel beispielsweise im Kopf- oder Nackenbereich hart und angespannt sei, erklärt die Apothekerin. „Dadurch kommt es zu einer Kompression (Druck) auf sehr kleine Blutgefäße (Kapillaren) des Muskels, was die Durchblutung des Muskels einschränkt und Entzündungsprozesse begünstigt.“
Hierbei entstehe ein richtiger „Teufelskreis“, da sich durch den entstehenden Schmerz der Muskel immer weiter anspannt. Dies könne sogar mehrere Wochen dauern. Wärme helfe hierbei, die verspannte Muskulatur zu lockern.
Beispielsweise könne man Kirschkern-/Leinsamenkissen oder eine Heizdecke nutzen. Diese sollten allerdings nicht zu heiß sein, um Verbrennungen der Haut zu vermeiden. Alternativ können auch eine Wärmecreme oder ein Wärmebalsam verwendet werden, die jedoch nur auf verspannte Muskelpartien aufgetragen werden. „Niemals im Gesicht/Stirn/Schläfen!“, so Barisch.
Außerdem gibt es der Apothekerin zufolge gute Wärmepflaster, die einfach auf den verspannten Nacken aufgeklebt werden und die Wärme nur physikalisch erzeugen - also keine Reaktion mit der Haut eingehen. Ebenfalls hilfreich sind Massagen und Dehnübungen. Diese lösen Verspannungen und machen das Gewebe weich - erzielen also einen ähnlichen Effekt.
Pfefferminzöl auf Schläfe und Stirn
Auch Pfefferminzöl auf den Schläfen und oder der Stirn zu verteilen, kann bei Kopfschmerzen helfen. „Das Öl verursacht einen Kältereiz, indem es die Kälterezeptoren der Haut reizt“, erläutert die Apothekerin. Dadurch kommt es zu einem kühlenden Effekt.
Jedoch gibt es auch hier etwas zu beachten. Es gibt Minzöle, die einen unterschiedlich ausgeprägten Kühleffekt haben und auch mehr oder weniger hautreizend sind. Daher sei es ratsam, sich nach einem hochwertiges Öl umzuschauen und sich vorher beraten zu lassen – beispielsweise in der Apotheke. „Insbesondere im Gesichtsbereich sollte man bei der Wahl Vorsicht walten lassen“, unterstreicht sie. Denn eine Hautreizung könne massive Auswirkungen auf die Hautgesundheit haben.
Espresso mit Zitronensaft
Diesen Tipp kennen viele: Wer Kopfweh hat, kann zu einem Espresso – oder starken Kaffee – greifen und presst in diesen etwas Zitronensaft. Wer nach der Art der Wirkung sucht, bekommt oft die Antwort: Koffein hilft, und das Vitamin C des Zitronensafts verstärke diese Wirkung.
Apothekerin Sandra Barisch erklärt jedoch: „Die Wirkung dieser Kombination beruht eher auf dem Koffein im Espresso – der Zitronensaft hat keinen nachweislichen Effekt.“ Ebenfalls sei der eigentliche Wirkmechanismus des Koffeins noch nicht vollständig geklärt.
Dennoch wirke es in den meisten Fällen. Wer möchte, könne laut Barisch aber auf den Zitronensaft verzichten – „dann schmeckt’s vielleicht auch“.
Kirschen essen
Ein weiterer Tipp, der auch in Magazinen oder online als Tipp gegen Kopfschmerzen genannt wird: Kirschen essen. Obwohl es laut Studien in den USA tatsächlich helfen soll, Kirschen gegen Schmerzen zu essen, sagt Barisch, dass dies eher nicht bei Kopfschmerzen hilft.
„Kirschen und auch Erdbeeren enthalten Salicylsäure – eine verwandte Substanz der Acetylsalicylsäure, kurz ASS“, erläutert sie. Dieser Stoff ist in vielen Schmerzmitteln enthalten – in der Regel mit 500 Milligramm. 100 Gramm Kirschen enthalten demnach 0,85 Milligramm Salicylsäure.
Damit müsste man knapp 60 Kilogramm Kirschen essen, um 500 Milligramm Salicylsäure („keine Acetylsalicylsäure!“) zu sich zu nehmen, sagt die Apothekerin. „Aber wenn Kirschen essen glücklich macht, dann hilft vielleicht schon die Ausschüttung der Glückshormone, damit die Schmerzen weniger stark empfunden werden.“
Akupunktur und Akupressur
Akupunktur ist bei Schmerzen ein häufiger Begleiter in der Therapie. Sie zählt zu den bekanntesten Heilmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Barisch verweist auf Anfrage unserer Redaktion auf einen Artikel des NDR, in dem Akupunktur genauer beleuchtet wird. Demnach sei die Wirkung noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Jedoch stellte eine Studie der Weltgesundheitsorganisation heraus, dass Akupunktur einen positiven Effekt auf zahlreiche Schmerzen habe.
Während man für Akupunktur einen Spezialisten aufsuchen sollte, kann man zu Hause mit Akupressur selbst arbeiten. Hierbei werden etwa Schmerzpunkte durch Reiben oder Pressen aktiviert. Dafür sollte der Patient allerdings die richtigen Stellen und grundlegenden Massagetechniken kennen, schreibt der NDR.
Fußbad mit Senfmehl
Etwas außergewöhnlicher ist der Vorschlag eines Fußbads mit Senfmehl. Dazu sei vorab gesagt: „Die Wirkung bei Kopfschmerzen ist nicht belegt.“ Da Senfmehl „massive Hautreizungen“ verursache, sollte es auf keinen Fall am Kopf oder im Gesicht angewendet werden, betont die Apothekerin.
Dennoch: „Senfmehl enthält Senfölglykoside, die durchaus eine entzündungshemmende und durchblutungssteigernde Wirkung haben – aber nur lokal“, erläutert sie. Das heißt in diesem Fall könne es am Fuß wirken.
Kaltes Unterarmbad
Ebenfalls wird Patienten teils empfohlen, ein kaltes Unterarmbad zu machen. „Man spricht hier auch vom ‚Kneippschen Espresso‘“, weiß Barisch. „Durch das Bad in kaltem bis lauwarmen Wasser (nicht eiskalt!) kommt es erst zu einer Verengung der Gefäße und dann zu einer Erweiterung.“
Dadurch würde wiederum die Durchblutung angeregt. Diese spiele sich nicht nur in den Armen ab, sondern reflektiere auch bis zum Kopf-Hals-Bereich. Demnach könne ein kühles Unterarmbad bei Kopfschmerzen, die eine vermehrte oder unregelmäßige Blutzufuhr als Ursache haben, durchaus hilfreich sein.
Vorsicht bei Schmerzmitteln und -Pflastern
„Ein Hinweis ist noch ganz wichtig: Patienten, die sehr starke Opioid-haltige Schmerzmittel als Pflaster (sogenannte TTS) anwenden, dürfen die Wärme durch Kissen/Decken, Rotlichtlampen/-Strahler oder Ähnliches keinesfalls auch nur in die Nähe des Pflasters kommen lassen“, unterstreicht die Apothekerin. Dadurch würde die Durchblutung des Gewebes stark angeregt und es könne zu „massiven Überdosierungen“, Koma und im schlimmsten Fall zum Tod führen.
Ebenfalls sollte man bei der häufigen Einnahme von Schmerzmitteln Vorsicht walten lassen. Hierbei kann es zu „medikamenteninduziertem Kopfschmerz“ kommen. „Dieses Risiko besteht, wenn Schmerzmittel über einen längeren Zeitraum an mindestens 10 bis 15 Tagen pro Monat eingenommen werden“, erläutert Barisch. Besonders hoch sei das Risiko bei Kombinationspräparaten, die Koffein enthalten.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 05. Februar 2025 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.
Ab wann sollte man seinen Arzt aufsuchen?
Arztbesuch empfohlen
Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn der Schmerz regelmäßig auftritt und es keine ersichtliche Ursache gibt, erklärt die Apothekerin. Ebenfalls sollten Migränepatienten stets zum Arzt. Doch es gibt auch weitere Indizien: „Bei plötzlich – also innerhalb von Sekunden – auftretenden extrem starken Kopfschmerzen, die von Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen begleitet werden. Hier sollte sofort der Notarzt gerufen werden, da es einen Verdacht auf eine Hirnblutung geben könnte.“ Wenn Kopfschmerzen und Fieber nach einem Zeckenbiss auftreten, gibt es einen Verdacht auf eine Hirnhautentzündung, die ärztlich behandelt werden muss. Ebenfalls sollte man bei Kopfschmerzen, die über Tage andauern sofort zum Arzt, da es durch beispielsweise eine Entzündung der Blutgefäße im Gehirn zu Erblindung kommen könnte.
Bundesweiter Kopfschmerztag
Seit 1999 wird in Deutschland am 5. September auf die Volkskrankheit aufmerksam gemacht. Ausgegangen war die Initiative für den Aktionstag wohl von einer Kooperation des Bundesverbands Deutsche Schmerzhilfe mi der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes.