Der Klinikverbund Südwest, zu dem auch das Krankenhaus Nagold gehört, hat einen Notfallplan für Katastrophen – und den Kriegsfall. (Archivbild) Foto: Thomas Fritsch

Die Sorge vor einem Krieg wird mittlerweile breit diskutiert. Wir haben nachgefragt, wie sich die Kliniken im Kreis Calw auf den Notfall rüsten – und was jeder einzelne tun kann.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine rückt auch hierzulande die Möglichkeit eines Krieges ins Bewusstsein. Im Fall eines Angriffs gäbe es möglicherweise sehr viele Verletzte und Schwerverletzte. Die Krankenhäuser fangen an, sich auf diesen Fall vorzubereiten. Auch der Klinikverbund Südwest (KVSW), zu dem die Kliniken Nagold, Herrenberg, Calw, Böblingen, Sindelfingen und Leonberg gehören, hat das belastende Szenario eines Kriegs im Blick.

 

Auf Nachfrage, wie sich der KVSW vorbereitet, erklärt Bernd Waiblinger, Leiter der Stabsstelle Sicherheitsmanagement: Es gibt Notfall- und Katastrophenschutzpläne, einen Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplan. Im Notfall sollen so unter anderem Ressourcen effizient verwaltet werden können und die medizinische Leistung – trotz erhöhter Anforderung – aufrecht erhalten werden.

„Im Rahmen des Krankenhaus-Alarm- und Einsatzplans sind wir auch auf einen sogenannten Massenanfall von Verletzten vorbereitet. Dieser tritt immer dann in Kraft, wenn eine große Anzahl von Schwerverletzten gleichzeitig behandelt werden muss, beispielsweise nach einem Zugunglück. Auch im Falle eines kriegerischen Konflikts würden diese Pläne greifen“, erklärt Waiblinger.

Personalausfall ist kaum zu prognostizieren

Im Kriegsfall könnte auch das medizinische Personal betroffen sein und ausfallen. Auch damit muss am Klinikum gerechnet werden. Die Personalsituation sei zwar schwer zu prognostizieren, es werde aber im Plan berücksichtigt, dass möglicherweise nicht alle Kräfte wie sonst zur Verfügung stehen. „Um unser Team bereits im Voraus ,krisenfit’ zu machen, stellen wir Informationsmaterial bereit und sensibilisieren regelmäßig für das Thema private Krisenvorsorge“, heißt es weiter.

Effizienz – bedeutet das auch, dass manche Bereiche wichtiger werden als andere? Nein, ganz so ist es nicht, heißt es auf unsere Anfrage. „Alle Fachbereiche bleiben auch in einem Kriegsfall essenziell, da der Versorgungsauftrag für die Bevölkerung weiterhin besteht. Dennoch ist zu erwarten, dass insbesondere die Notaufnahme, Intensivstationen sowie die Chirurgie, vor allem die Unfallchirurgie, einer erheblichen Mehrbelastung ausgesetzt sein würden“, erklärt Waiblinger.

Auch medizinische Laien können sich auf den Ernstfall vorbereiten. Der KVSW empfiehlt dieselben Maßnahmen, die auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt. Der Erste-Hilfe-Kurs sollte aktuell sein Erste-Hilfe-Material sowie Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel für zehn Tage vorgehalten werden.

„Bereiten uns auf alle möglichen Szenarien vor“

Schlussendlich erklärt der KVSW: „Wir hoffen inständig, dass es nie zu einem Kriegsfall in Deutschland kommen wird, denn eine solche Situation wäre eine enorme Herausforderung nicht nur für den KVSW, sondern für das gesamte Land. Dennoch bereiten wir uns gewissenhaft auf alle möglichen Szenarien vor, um im Ernstfall bestmöglich gerüstet zu sein.“