Die Arbeiten am Hesse-Museum schreiten voran. Jetzt befindet sich alles in der "Aufbauphase". Foto: Klormann

Nach vielen Problemen, Herausforderungen und Rückschlägen befindet sich das Sanierungsprojekt Hesse-Museum in Calw auf einem guten Weg – auch wenn noch viel zu tun ist.

Die Erinnerung scheint schon ein wenig zu verblassen. Wie sah es eigentlich einst aus, das Calwer Hermann-Hesse-Museum, außen und innen?

 

Das mag überspitzt sein. Doch tatsächlich ist das Gebäude seit nunmehr zwei Jahren hinter Baugerüst und Planen verborgen. Seit dem letzten Öffnungstag sind sogar fast sechs Jahre vergangen.

Alles hatte vielversprechend angefangen

Ursprünglich war das Museum wegen eines Corona-Lockdowns im Herbst 2020 geschlossen worden. Und blieb seitdem zu.

Dabei hatte alles recht vielversprechend angefangen.

Im Mai 2020 hatte der Gemeinderat die Generalsanierung beschlossen; 2021 sollten die Arbeiten beginnen, 2023 sollte alles fertig sein. Die Kosten waren auf rund 2,85 Millionen Euro geschätzt worden; der Bund kündigte zudem an, die Hälfte davon zu übernehmen.

Ein Blick in die Vergangenheit: Im Gebäude stecken noch Relikte aus alter Zeit, als Wände teilweise aus verflochtenen Ästen bestanden. Foto: Klormann

Doch dann schienen sich die schlechten Nachrichten, die Stück für Stück bekannt wurden, gegenseitig übertrumpfen zu wollen.

Noch bevor gebaut werden konnte, förderten Untersuchungen und Gutachten eine Hiobsbotschaft nach der anderen zutage: Schimmelbefall, Schädlinge, Asbest im Boden, explodierende Energie- und Rohstoffpreise, Lieferengpässe, Diskussionen mit dem Denkmalamt und Probleme bei den Vergaben der einzelnen Bauarbeiten.

Tiefpunkt der Stimmung war im November 2024 erreicht

Im Frühjahr 2022 kalkulierte die Verwaltung mit 4,55 Millionen. Und im Herbst desselben Jahres sogar mit 6,3 Millionen Euro. Im Grunde musste das ganze Haus entkernt und neu aufgebaut werden.

Der Tiefpunkt der Stimmung war schließlich im November 2024 erreicht. Die Kostenschätzung lag zu diesem Zeitpunkt bei rund 8,7 Millionen Euro. Der Gemeinderat zog daraufhin eine Reißleine – und entschied, den geplanten Neubau eines Saals nicht weiterzuverfolgen, um Kosten zu sparen.

Das eingeplante Budget sank daraufhin auf 7,5 Millionen Euro. Und immerhin – die Talsohle war offenbar durchschritten.

Ein kleiner Bagger steht im Saal Schüz. Foto: Klormann

Denn so, wie es aktuell läuft, dürfte dieses Budget eingehalten werden. In jüngster Zeit begannen sogar die Preise zu sinken. Einerseits aufgrund angepasster Planungen wegen des spürbaren Kostendrucks, andererseits durch die schwächelnde Konjunktur im Baubereich.

„Wir sind im ganz guten Fluss“, meinte entsprechend Patrick Humpert vom Architekturbüro Humpert & Kösel-Humpert in dieser Woche bei einem Vor-Ort-Termin. Der Gemeinderat durfte sich bei dieser Gelegenheit einen Eindruck von der Baustelle verschaffen.

Und nach wie vor seien alle Beteiligten „fest entschlossen“, den angepeilten Eröffnungstermin am 3. Juli 2027 einzuhalten. Das Datum kommt nicht von ungefähr: Am 2. Juli kommenden Jahres hätte Hesse seinen 150. Geburtstag gefeiert.

An diesem Tag, so verrät Bianca Rousek, Sprecherin der Stadt, auf Anfrage, soll im Beisein von geladenen Gästen Eröffnung gefeiert werden. Tags darauf darf dann auch die Öffentlichkeit ins Museum. Zum ersten Mal seit – bis dahin – fast sieben Jahren.

Ein Blick an die Decke zeigt an manchen Stellen, wie viele Balken ausgetauscht werden mussten. Foto: Klormann

Humpert zeigte sich zuversichtlich, dass das gelingt. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt „vielleicht noch ein paar Nachspachtelungen“ fehlen sollten. Denn inzwischen sei im Gebäude „jeder Wurm und jeder Pilz entdeckt“. Überraschungen in der Bausubstanz seien entsprechend nicht mehr zu erwarten. Nun befinde sich alles in der „Aufbauphase“.

Das Dach ist gedeckt, die Zimmererarbeiten sind erledigt. Etliche Balken, in manchen Deckenbereichen sogar alle, mussten ausgetauscht werden – weil sie morsch oder von Pilzen befallen waren. Aktuell laufen die Mauerarbeiten, die Böden sind dicht, die Fenster großteils drin. Auch die Arbeiten am Aufzug haben begonnen.

Saal Schüz wird etwas kleiner sein als früher

Und doch: „Das sieht jetzt alles noch wild aus, weil kein Putz drin ist“, meinte Humpert bei seiner Führung durch das Gebäude. Und einiges wird nach der Eröffnung auch anders sein als vorher.

Der Saal Schüz etwa wird etwas kleiner sein als früher. Im hinteren Bereich sind Toiletten eingeplant. Der Raum soll künftig unter anderem für Lesungen oder Konzerte zur Verfügung stehen. Für Hochzeiten allerdings nicht mehr.

Die Wände sind an vielen Stellen noch offen, unverputzt und mit neuen Balken ausgestattet. Foto: Klormann

Rechts des Haupteingangs ist ein kleines Museums-Kino vorgesehen, abgetrennt vom restlichen Museum, wo in Dauerschleife ein Film über Hesse laufen soll.

Im ersten Stock wird Platz für Sonderausstellungen sein, im zweiten Stock die Dauerausstellung. Und im dritten Stock finden sich dereinst Büros und Forschungsbibliothek.

Vieles sieht noch nach Rohbau aus

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. Der Putz etwa. Oder der Boden, bei dem nicht zuletzt teils Unebenheiten ausgeglichen werden müssen. Auch die Treppe benötigt einen neuen Belag.

Und überhaupt sieht vieles nach wie vor nach Rohbau aus. Aber immerhin: nach Rohbau in der „Aufbauphase“.

Humperts Optimismus scheint berechtigt. Und das Hesse-Museum auf dem besten Weg zur lange erwarteten Wiedereröffnung.