Fünf Storchenpaare nisten auf der Hausacher Dorfkirche. Foto: Reinhard

Die Störche im Kinzigtal sind dieses Jahr sehr umtriebig. Vor allem in Hausach gab es einiges Hin und Her. Die größte Überraschung boten aber die Vögel, die bisher auf dem Kamin der Stadtkirche genistet hatten und damit seit Jahren für Turbulenzen sorgten.

Im Kinzigtal brüten immer mehr Störche. Vor allem Hausach entwickelt sich zunehmend zur Storchenkolonie. Gerade hier geht es turbulent zu, es herrscht ein stetiges Kommen, Gehen und Wechseln.

 

Selbst Storchenbeauftragter Rudi Allgaier, der seit Jahren als Storchenbeauftragter die Vögel im Kinzigtal im Blick behält, braucht einen Augenblick, bis er einen Überblick darüber geben kann, wie viele Störche wo nisten und gibt zu, dass es momentan schwer ist, den Überblick zu behalten – zumal einige Störche im Jahr zuvor an einem anderen Standort brüteten.

Allgeier fährt die Nester im Tal und in Hausach regelmäßig ab und beobachtet das Treiben mit einem Teleobjektiv. Mit diesem kann er auch die Ringnummer der Vögel ablesen. Doch nicht alle Tiere sind beringt. Was er so aber sagen kann: Insgesamt brüten auf der Dorfkirche zwei und auf der Stadtkirche drei neue Paare.

Drei der vier Wasserspeier sind besetzt

Auf der Stadtkirche hat sich ein weiteres Paar angesiedelt, und zwar auf einem der Wasserspeier. Damit sind drei der vier Wasserspeier besetzt. Des weiteren wurde eines der beiden Ersatznester bezogen. Insgesamt gibt es auf St. Mauritius damit fünf Storchennester.

Die größte Überraschung in diesem Jahr: Der Kamin ist frei. Die Diskussionen, ob ein Nest abgeräumt werden muss, damit die Kirche beheizt werden kann, sind damit zum ersten Mal seit 2021 obsolet und die Kirchengemeinde erspart sich jede Menge Aufwand. Vor vier Jahren hatten zum ersten Mal zwei Störche den Kamin in Beschlag genommen und dort ein Nest gebaut. Nachdem man sie im ersten Jahr hatte gewähren lassen, versuchte die Kirchengemeinde mit immer komplizierteren Konstruktionen die Vögel am Nisten zu hindern. Jedes Mal ohne Erfolg. Schließlich wurde das Nest ohne Erlaubnis der Naturschutzbehörde abgeräumt, was eine Strafanzeige nach sich zog. Doch selbst das hielt die Störche nicht auf. Sie bauten ihr Nest neu auf und brüteten erfolgreich.

In diesem Jahr wurde nur das Kaminrohr verlängert – mit durschlagendem Erfolg. Die Kaminstörche haben sich ohne großes Aufheben einen neuen Nistplatz gesucht und sich wenige Meter weiter auf dem Hausacher Rathaus nieder gelassen. Wie Allgaier berichtet, haben sie dort schon zwei Junge ausgebrütet. Auch auf einem der Wasserspeier müsste Nachwuchs geschlüpft sein, „aber das Junge konnte ich bisher noch nicht sehen“, so Allgaier. Die Eltern hätten aber eindeutiges Brutverhalten gezeigt und auch schon Futter ins Nest gebracht. Auf den restlichen Wasserspeiern und dem Ersatznest seien die Elterntiere noch mitten im Brutgeschäft.

Fast noch turbulenter geht es auf der Dorfkirche in Hausach zu. Allgaier zählt auf: „Auf der Dachspitze nisten zwei Störche. Sie haben ein Junges. Rechts auf dem Kirchenschiff gibt es ein Paar, auf der Ostseite auch. Diese Vögel haben bereits zwei Junge bekommen. Auch der Westseite wird gebrütet. Dann gibt es noch ein Nordnest, das ist neu.“

Je fünf Paare auf jeder Hausacher Kirche

Insgesamt sind in Hausach also je fünf Paare auf den beiden Kirchen zu finden. Dass in Hausach regelrechte Kolonie entsteht, während die Haslacher Störche keine Artgenossen in ihrer Nähe dulden, sei nicht ungewöhnlich. „Wenn schon viele Störche da sind, sehen sie es nicht so eng. Es ist für sie auch ein Zeichen für ein ausreichendes Nahrungsangebot“, führt Allgaier aus. Wenn die Vögel schon am Brüten seien, seien sie auch so sehr damit beschäftigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Koloniebildung größer sei.

Wie viele Junge aus deren Brutgeschäften am Ende entstehen, sei schwer vorauszusagen. Was ihm aber aufgefallen ist: In diesem Jahr scheint keines der Paare mehr als zwei Junge zu bekommen. „Ob das an der schlechten Erfahrung vom Vorjahr liegt und die Störche die Gelegegröße reduziert haben, um mehr Junge durchzubringen?“, stellt Allgaier in den Raum.

Überlebenschancen

Bisher stünden die Chancen für den Storchennachwuchs nicht schlecht. „Nicht zu viel Regen, angenehme Temperaturen“, fasst der Storchenexperte zusammen. Allerdings: Der geringe Niederschlag könnte im Sommer zum Problem werden, denn die Zahl der e Nahrungstiere der Störche – Eidechsen, Schlangen, Frösche und andere Kleintiere – verringere sich dann.