Robben Ford ist vom Rottweiler Spezialisten-Publikum begeistert.
Die Schlussgeste sagt eigentlich alles: Als sich Robben Ford und seine Band am Samstagabend nach eineinhalb Stunden ihren großen Applaus abholen, schraubt der Gitarrist den Daumen so in die Höhe, dass er sich dafür fast strecken muss.
Keine Frage, das Konzert in der Alten Stallhalle hat dem Meister – und seinem Team Spaß gemacht. Und dem Publikum? Dem wohl auch, denn Ford, sonst eher nicht bekannt für joviale bis effekthaschende Grüße, lässt sich zu einem echten und nachdenklich mit Nachdruck wiederholten Lob hinreißen.
Fest für Bluesrock-Freunde
Was für ein Auftakt! Die Eröffnung mit einem unglaublich lebendigen, stimmungsvollen und überraschend vielfältigen Konzert mit Roberto Fonseca und seiner Band, am Freitagabend dann die Feier der Legende: 1000 Fans zelebrierten „Mother’s Finest“, und gleich einen Tag später das Fest für Modern-Jazz-, Rock- und Bluesrock-Gitarrenfreunde.
Dass die Spezialistendichte unter den rund 700 Besuchern hoch war, verwundert nicht. Wenn Robben Ford schon mal zum Jazzfest kommt, wird der Termin bei Profis und Laien in Sachen Stromgitarre in der weiten Region quasi automatisch eingeloggt.
Und egal, welches Genre man bevorzugt, ganz, ganz viel wurde an diesem Abend tatsächlich berücksichtigt – und das mitunter unerwartet launig.
Ein kleines „Wow“
Damit das funktioniert, hat Robben Ford ein zwar kompaktes, doch entsprechend breit aufgestelltes – und ausgestattetes – Team um sich versammelt. Eines, das vorsichtshalber, aber dann doch fast überflüssigerweise, mit zwei Rückgraten arbeitet.
Ian Thomas agiert als ausgesprochen zuverlässiger Drummer, der souverän hält, auch mal kleine Akzente setzt, aber nie fordert oder gar konfrontiert. Selbst sein großes Solo entspricht dem: Unaufgeregt, überlegt und gut für ein kleines „Wow“.
Das zweite Rückgrat, und da wird es spannend, ist Keyboarder Jonny Henderson, der seine linke Hand den ganzen Abend mit Basslinien am Laufen hält.
Er allerdings greift auch kräftig in den Gesamtklang ein. Kleine Spritzlichter, kraftvolle Akkorde, rasend singende Szenen in klassischen, manchmal gar dreckigen Hammond-Sounds sind an diesem Abend ein Muss.
Hübscher Fächer anderer Sounds
Auch Jovan Quallo übernimmt mehr als den Saxofon-Part. Letzteren natürlich souverän, und, den Eindruck hat man, durchaus noch mit Reserven. Darüber hinaus aber spielt er noch einen hübschen Fächer anderer Sounds zu.
Mal wird er für Momente zur kompletten Bläserabteilung, mal übernimmt er mit dem Saxofon den Part des zweiten Gitarristen.
Abtauchen in andere Klangwelten
Das ist besonders spannend, da Robben Ford selbst nicht nur virtuos spielt, inspiriert, aber unglaublich lässig, sondern gerne mal in andere Klangwelten abtaucht. Wenn’s sein muss, spielt er fast klirren spröde, dann wieder mit unerwartet volumenreichem, cremigen Ton. Dazwischen ist alles möglich.
Dass man ihn dann auch noch so nebenher an einer Steeltongue wähnt, funktioniert nur deshalb nicht, weil man ihn einfach an der Gitarre sieht. Ihn übrigens immer, und natürlich ist er der Star.
Sympathischerweise spielt er das nicht aus. Vielmehr scheinen er und seine Band den Abend in Rottweil, Auftakt für ihre Europa-Tournee, einfach zu genießen – und das Ihre dazu zu tun, dass das Publikum das stilistisch vielfältige Musikfest im Stall einfach mitfeiert.