Der italienische Musiker Zucchero hat am Samstagabend bei den Jazz Open das Publikum in Stuttgart begeistert. Bilder, Kritik und Setlist vom Konzert auf dem Schlossplatz.
Das Konzert eröffnet nicht etwa Zucchero sondern die Sängerin Oma Jali. Und ihre beeindruckende Stimme macht klar, worauf sich das Publikum an diesem Samstagabend einstellen darf. Ein Konzert voller musikalischer Wucht.
Zucchero betritt die Bühne wie man ihn kennt, mit Bart und Hut, zwei von seinen drei Markenzeichen. Seine raue und wo nötig auch weiche Stimme ertönt und füllt augenblicklich den gesamten Schlossplatz aus. Der Exzentriker wirkt im ersten Teil des Konzerts für seine Verhältnisse fast schon zurückhaltend. Statt einem seiner ausgefallenen Sakkos trägt er eine dunkle Weste und einen breitkrempigen, mit einer Feder verziertem Hut. Erst im zweiten Teil wird er mit einem seiner ikonischen Sakkos zurückkommen.
Zucchero tritt am vorletzten Abend der Jazz Open auf dem ausverkauften Schlossplatz auf und von den ersten Takten an hat er das Publikum auf seiner Seite. „Spirito nel buio”, der erste Song reißt die Fans bereits mit. Eine Stimmung, die den gesamten Abend hindurch anhalten wird. Man hat den Eindruck, die 7200 Fans haben sehnsüchtig auf ihn gewartet.
Sommer und Unbeschwertheit
Zucchero, mit bürgerlichem Namen Adelmo Fornaciari, der Multiinstrumentalist, dem der Dorfpfarrer das Orgelspiel beigebracht hatte, greift selbst zur Gitarre, verneigt sich vor seinen Fans, lässt sich bei dem Song „Facile“ von Oma Jali ins Gewissen reden, dass die wahre Liebe doch noch da ist. Und als „Il volo“ ertönt, scheint sich das Gefühl der großen Sehnsucht über dem Schlossplatz zu senken.
„Baila“ (Sexy Thing) vom Album „Shake“, ein Riesenhit des Jahres 2001, der das Gefühl des Sommers und der Unbeschwertheit transportiert, wie nur wenige und tut es auch an diesem Samstagabend. Der Schlossplatz ist nun endgültig „on fire“, wie es im Refrain heißt.
Bei „Penne“ bekommen die Musiker ihre Soli und es wird deutlich mit welch fantastischen Künstlern der Italiener zusammenarbeitet. Die Pause für einen Outfitwechsel überbrückt die kamerunische Sängerin. Oma Jali ruft ins Publikum: „Wollt ihr Rock‘n’Roll?“ und schmettert mit einer solchen Wucht „Nutbush City“, den großen Hit von Tina Turner, dass man glaubt eine würdige Nachfolgerin für die Queen of Rock vor sich zu haben. Danach folgt noch das Instrumentalstück „Honky Tonky“, ein Tribut auf Keith Emerson. Und nach dem Boogie Woogie kommt Zucchero zurück auf die Bühne und mit „Diamante“ folgt wieder romantische Musik .
Italienisch klingt romantisch
Die Stimme des fast 70-Jährigen hat immer noch die raue und kraftvolle Ausdruckskraft, mit der er seinen Songs Tiefe verleiht. Sein Gesichtsausdruck verrät, dass er jede einzelne Textzeile mit lebt, denn Leidenschaft und Liebe zur Musik machen seine Kunst aus.
Seine Songs sind zwar durchflochten mit englischen Zeilen, die völlig natürlich dort ihren Platz haben und dennoch bleibt er einer der wichtigsten Botschafter für Italienisch und Italien. Als er in der zweiten Konzerthälfte endlich einige Worte an seine Fans richtet, sagt er fast entschuldigend der Hauptteil seiner Musik sei auf Italienisch. Das Italienische würde in seinen Songs nun mal so gut funktionieren, fügt er hinzu, und wenn man es übersetzt, klinge es nicht mehr so romantisch.
An diesem Abend spielt sich Zucchero durch seine nun vier Jahrzehnte dauernde Karriere. Den internationalen Erfolg hatte er sich hart erarbeitet und konnte ihn über die Jahre auch aufrecht erhalten. Seine Kollaborationen mit Musikgrößen wie B.B. King, Bono oder Paul Young und nicht zuletzt Luciano Pavarotti, dem Jahrhunderttenor, mit dem er in den 1990er Jahren zahlreiche Male gespielt hatte, und der wie Zucchero selbst ein Emiliano war, zeugen von der Stellung, die in der Branche genießt. Rock, Jazz, Blues – Zucchero ist scheinbar überall zuhause.
Erster Hit beendet das Konzert
Rund 20 Alben hat er im Laufe seiner Karriere veröffentlicht. Das, obwohl seine ersten floppten, das Musikfestival von San Remo ihn damals mit Nichtbeachtung würdigte. Erst sein Album „Blue’s“ und der Song „Senza und donna“ brachten den langerhofften Erfolg. So ist es natürlich nachvollziehbar, dass er das Konzert mit dem Song beendet, mit dem alles begann.
Nachdem sich alle Musikerinnen und Musiker von der Bühne verabschiedet haben, schmeißt die Drummerin Monica MZ Carter noch unter Jubel ihre Drumsticks ins Publikum und das zweistündige Konzert ist nun zu Ende.
Im Vorprogramm spielten der italienische Soul-Sänger Mario Biondi, den die Moderation Stefanie Anhlat als die italienische Antwort auf Berry White bezeichnete sowie der in Reutlingen ansässige Sänger Phil.
Die Jazz Open 2025 enden am 13. Juli mit dem Auftritt von Lionel Richie auf dem Stuttgarter Schlossplatz.
Setlist
•Spirito nel buio
•Soul Mama
•La canzone che se ne va
•Ci si arrende
•Love is all around
•Partigiano Reggiano
•Vedo nero
•Pene
•Il volo
•Facile
•Bacco perbacco
•Baila
•Dune Mosse
•Un soffio caldo
•Oltre le rive
•Miserere
•Nutbush
•Honky tonky
•Diamante
•Cosi‘ celeste
•Per colpa di chi
•Diavolo in me
•Senza una donna