Das "Markt(l)Xperiment" bei seinem gefeierten Auftritt im Altensteiger Bürgersaal Foto: Kosowska-Németh

Jazz-Konzert: "Markt(l)Xperiment" begeistert Zuhörer im Altensteiger Bürgersaal

Zum letzten Mal in der auslaufenden Saison bot sich den Jazzfans eine heutzutage seltene Gelegenheit, einem Live-Konzert im Bürgerhaus beizuwohnen. Auch wenn der Publikumszulauf überschaubar blieb, überstieg die Begeisterung für "Markt(l)Xperiment" alle optimistischen Prognosen.

Altensteig. Klemens Marktl, der Komponist und Schlagzeuger des angekündigten Dave-Kikoski-Trio, reiste nach Altensteig diesmal mit seinen Klagenfurter Weggefährten und "hochkarätigsten Musikern aus dem österreichischen Raum" (Zitat Marktl) Lukas Gabrič (Saxofon), Marko ČCrncec (Klavier) und Stefan "Pista" Bantus (Bass). Das international besetzte und experimentfreudige Quartett aus Österreich, Slowenien und Slowakei erwies sich als eine sensationell gut eingespielte Band, die das Publikum auf der Stelle unter Strom setzte.

Grenzenlos expressiv, virtuos und leistungsstark schlugen die Instrumentalisten ihre eigenen, durch individuelle Musikauffassung gekennzeichneten Wege ein. Zum allgegenwärtigen Pulsschlag des Bandleaders Marktl verwandelten sie seine Kompositionen in kompakte und transparente Meisterstücke und formten faszinierende Klanggebilde von einer gewaltigen Auswirkung – sogar um den Preis, ihre Ausdruckskraft an den Marksteinen der Klangästhetik ab und zu touchieren zu lassen.

Und wenn erstklassige Soli auf der Oberfläche des Sounds auftauchten, verfielen die Künstler dem ureigenen Drang, eigene Emotionen auszuleben und innerste Gefühle zwischen Leidenschaft und Besessenheit auszudrücken. Es schien, als extrahierten die Musik-Alchemisten eine neue Essenz aus dem Welt-Swing und sie ihrem "Exzentrik-Jazz" beimischten.

Das Quartett schlug aber auch leisere Töne an – in "Darkness" beispielsweise quoll die lyrische Ruhe zu geheimnisvollen und spannenden Momenten auf, in "Song for Alex" mutierte die humorvolle Heiterkeit zu einem markant-wonnigen Ritt. Man konnte fühlen, wie viel Freude das musikalische Miteinander den Musikern bereitet und schier Funken sehen, die mehrere überraschende Zäsuren, einheitliche Unisoni und Tempo-Schwankungen zündeten.

Der humorvolle Moderator Marktl hatte es nicht nötig, sich bei dem Publikum einzuschmeicheln, da der heftige Beifall Bände sprach, aber einen extra Sympathie-Bonus bekam er trotzdem. Zum einem lobte er die Akustik im Bürgersaal und zeigte sich dankbar für den zur Verfügung gestellten Konzertflügel, zum anderen sprach er mit großer Anerkennung über Benjamin Schatz, den Vorzeige-Jazzpianisten und Komponisten aus Altensteig, der sich in der Jazzszene erfolgreich etabliert.

Das "Markt(l)Xperiment" gelang auf der ganzen Linie. Zum Abschluss bedankte sich das Quartett für den enthusiastischen Empfang mit einer Zugabe im Walzer-Takt.