Unter dem Titel „Vom Japonismus zum gestischen Informel“ berichtete Nicole Reuther vom Ursprung japanischer Kunst und deren Einfluss auf westliche.
Laut Nicole Reuther wurde in Japan, anders als im Westen, schon immer viel gemalt. Um 1500 erhielten alle Beamten eine Mal- und Kalligraphieausbildung.
Ein Merkmal der Tuschemalerei sei, dass sie sehr viel weißen Raum lasse und man meist Landschaften darstelle, Menschen aber kaum. Die seien gegenüber der Natur nur unbedeutendes Beiwerk.
Bei Naturansichten oft mehrere Perspektiven
Natur quille aus dem Bild, perspektivische Darstellung werde gänzlich ignoriert. Allerdings gebe es bei Naturansichten oft mehrere Perspektiven, so als gehe man zum Beispiel um einen Berg herum. Das stehe dafür, dass es nichts Festes gebe, alles im Wandel sei.
Prägenden Einfluss übte der im sechsten Jahrhundert in China entwickelte Chan-Buddhismus aus, der 600 Jahre später als Zen, abgeleitet vom Sanskrit-Wort „Dhyana“ für „meditativer Zustand“, nach Japan kam.
Bogenschießen oder Tuschemalerei
In diesem spielen Wegekünste wie Bogenschießen oder Tuschemalerei eine große Rolle. Dabei gehe es nicht um das Produkt, sondern um die volle Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick, ohne an etwas hängen zu bleiben. Als Beispiel dafür nannte Reuther die sehr vergängliche Wassermalerei.
Dass japanische Kunst im Westen bekannt wurde, begründet sich in einem Vertrag mit den USA 1854 zur Öffnung japanischer Häfen. Dieses Ende einer 200-jährigen Isolation führte zu grundlegenden Umstrukturierungen der japanischen Wirtschaft und Gesellschaft sowie fruchtbarem künstlerischem Austausch.
Weltausstellung 1867 in Paris
Ein Schlüsselmoment war die Weltausstellung 1867 in Paris, wo erstmals japanische Kunst einem breiten Publikum präsentiert wurde.
Der Begriff „Japonismus“ entstand in dieser Zeit in Frankreich und meint den Einfluss japanischer Kunst, Kultur und Ästhetik auf westliche, insbesondere auf Impressionismus, post-impressionistische Moderne und Jugendstil. Fasziniert von der japanischen Kunst waren unter anderem van Gogh und Monet.
Maler und Kalligraph
Zur Erklärung gestischer Malerei verwies Reuther zum Beispiel auf Inoue Yūichi, einen japanischen Maler und Kalligraphen des 20. Jahrhunderts, der barfuß und über dem Papier stehend „mit ganzem Körpereinsatz“ malte. Ähnlich ging der Deutsche Karl-Otto Götz vor. Nach 1945 fühlten sich deutsche Künstler zur informellen Malerei hingezogen, weil gegenständliche Kunst mit der NS-Ideologie belastet war. Im Gegensatz zur abstrakten Malerei gehe man dabei nicht von etwas Gegenständlichem aus, sondern arbeite aus seinem Inneren heraus. Die Idee sei, dass sich keine Form je wiederhole.
Es entstand die Gruppe „ZEN 49 – Prinzip Freiheit“. Der Künstler Emil Schumacher betonte, dass es keine Erklärung für Bilder gebe, er bei der Malerei in jedem Augenblick bekennen müsse wer er sei. Der Künstler Willi Baumeister musste viele Streitgespräche führen, um die neue Kunst zu verteidigen.
Begleitender Yoga-Kurs geplant
Galerist Alexander Höllwarth lud zum begleitenden Yoga-Kurs mit dem Titel „Yogische Bewegungskunst begegnet japanischer Tuschemalerei“ mit Susanne Haffa ein. Zwei Plätze frei sind noch beim Tuscheworkshop am 3. März.