„Kleinigkeiten“, aber entscheidende, haben dem deutschen Team gefehlt bei Olympia, meint Janina Hettich-Walz. Die Schwarzwälderin will es nun vor allem am Schießstand besser machen.
Bis zu 14 Grad waren es am Dienstag im heimischen Lauterbach (Kreis Rottweil), im finnischen Kontiolahti kratzte der Zeiger des Thermometers an der Minus-Zehn-Grad-Marke.
„Nach dem Vor-Frühling im Schwarzwald ist es hier in Finnland knackig kalt, die Bedingungen sind also gut“, freut sich Janina Hettich-Walz, dass es nach für Biathlon-Deutschland eher enttäuschenden Olympischen Spielen – die Biathletin hatte die Ränge acht (Einzel), vier (Staffel) und 17 (Massenstart) belegt – nun wieder um Weltcup-Punkte geht.
Für die Biathletin des SC Schönwald und Co. sind es die ersten Rennen seit dem Rücktritt von Franziska Preuß. „Das ist schon seltsam“, gibt die 29-Jährige zu.
In unserem Interview blickt die Lauterbacherin mit etwas Abstand auf ihre olympische Premiere, schaut auf die letzten Weltcup-Wochen und verrät, weshalb Sie die frühlingshaften Temperaturen im Schwarzwald so genossen hat.
Janina Hettich-Walz, gut eine Woche ist seit dem Ende der Olympischen Spiele vergangen. Wie haben Sie diese Zeit verbracht?
Ich habe die Zeit vor allem mit meiner Familie genossen. Das war nach den langen Wochen in Antholz sehr wichtig. Ein Höhepunkt war klar der erste Geburtstag meiner Tochter Karlotta. Natürlich habe ich aber auch trainiert. Im Schwarzwald war es ja eher frühlingshaft, deshalb habe ich wenig auf Schnee trainiert. Ich war also vor allem auf Rollern und mit dem Fahrrad unterwegs. Diese Abwechslung hat mir gut getan. Und ich habe echt die frühlingshaften Temperaturen genossen.
Haben Sie sich nach Ihrer olympischen Premiere etwas Besonders in der Heimat gegönnt?
(lacht). Nicht wirklich. Urlaub gibt es ja erst nach dem Ende der Weltcup-Saison. Das dauert noch etwas. Und bis dahin habe ich noch viel vor.
Mit ein wenig Abstand: Wie fällt Ihre Olympia-Bilanz aus?
Gemischt. Im Einzel lief es gut, da habe ich mein Leistungsvermögen abgerufen. Dann kam vor dem Sprint die Erkrankung dazwischen. In der Staffel hatten wir uns schon eine Medaille vorgenommen, was leider mit dem vierten Rang nicht geklappt hat. Da war meine Leistung eher durchschnittlich. Und dann kam der Massenstart. Da lag ich nach den ersten beiden Schießen mit vorne, habe es dann aber am Stand einfach nicht mehr hinbekommen. Vielleicht bin ich da mit der Drucksituation nicht klargekommen, in dieser Lage war ich zuvor ja noch nie. Allgemein lief es beim Schießen nicht so gut. Dagegen stimmte es läuferisch. Von der olympischen Atmosphäre haben wir in Antholz kaum etwas mitbekommen, das war schade. Wir waren unter uns, konnten auch keine anderen Wettkämpfe besuchen. Es hat sich eher wie eine WM angefühlt.
Allgemein lief es für das deutsche Team in Antholz nicht berauschend. Was fehlt derzeit zur absoluten Weltspitze?
Zunächst war es nicht so, dass wir in den Weltcups davor massenweise auf dem Podest gestanden sind. Nur in der Staffel war dies der Fall, da hatten wir uns bei Olympia ja auch eine Medaille ausgerechnet. Deshalb waren unsere Ergebnisse in Antholz auch nicht die ganz große Überraschung, wenn man die Vorleistungen betrachtet. Am Ende war es eben oft ein Fehler zu viel – oder es haben auf der Strecke zehn Sekunden gefehlt. Es waren einfach entscheidende Kleinigkeiten, welche die Konkurrenz besser machte. Das alles muss nach dem Winter noch genauer analysiert werden.
„Leuchtturm“ Franziska Preuß ist nach den Spielen zurückgetreten. Was bedeutet das für das Team, sind Sie nun als Mama der nun einjährigen Karlotta auch die „Team-Mama“?
(lacht). Ne, das nun wirklich nicht. Es ist aber schon seltsam, dass Franzi hier in Kontiolahti nicht mehr dabei ist. Franzi war jahrelang ein fester und sehr wichtiger Bestandteil unseres Teams. Sie hinterlässt eine Lücke, das ist ganz klar.
Weiter geht es nun also ab Donnerstag in Kontiolahti. Was nehmen Sie sich für Finnland vor – und was für die ganze restliche Weltcup-Saison?
Im Training habe ich das Schießen stabilisiert. Dies will ich nun auch im Wettkampf zeigen. Ich denke, dass die Form passt und will in den restlichen Weltcups noch mehrfach in die Top 10 kommen. Ich finde es gut, dass es in Finnland mit einem Einzel losgeht. Da kann man sich beim Schießen etwas mehr Zeit lassen. Ich freue mich auf die restliche Saison und will angreifen.