Janina Hettich-Walz (vorne) machte als dritte deutsche Läuferin und mit einer guten Leistung zwischenzeitlich sechs Plätze gut. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Janina Hettich-Walz sagt: „Ich hätte schon ein Überrennen gebraucht, um vorne wieder den Anschluss zu schaffen.“ Franziska Preuß erlebt ihr olympisches Trauma.

Was für ein sportliches Drama! Für die deutsche Damen-Biathlon-Staffel blieb bei den Olympischen Spielen in Antholz am Mittwochnachmittag nur der undankbare vierte Platz. Die favorisierten Französinnen bejubelten Gold, obwohl Startläuferin Camille Bened nach dem Stehendschießen sogar in die Strafrunde musste. Silber ging an die schwedische Staffel vor Norwegen.

 

Dabei hatte es für das deutsche Quartett sehr gut begonnen. Nach dem Wechsel von Julia Tannheimer (DAV Ulm, früher Skiinternat Furtwangen) auf Franziska Preuß lag das deutsche Team auf Rang zwei. Doch vorentscheidend musste die deutsche Top-Biathletin bei vier Fehlschüssen nach dem Stehendschießen in die Strafrunde. Gute Leistungen anschließend von Janina Hettich-Walz (SC Schönwald) und Vanessa Voigt reichten – bei einem Rückstand von 21,5 Sekunden auf Norwegen – nicht mehr zu einer Medaille.

Felix Bitterling, DSV-Sportdirektor, sprach nach dem Staffelwettbewerb von einem „sehr bitteren Moment. Platz vier will eigentlich keiner haben.“

Julia Tannheimer

Die Ulmerin zeigte als Startläuferin eine starke Leistung, schoss fehlerfrei liegend und führte bei Kilometer drei. Beim Stehendschießen musste die Ulmerin zweimal nachladen und gab die Führung vorübergehend an die Bulgarin Lora Hristova ab. Diese wurde vor der ersten Staffel-Übergabe von der Schwedin Linn Gestblom überholt – ebenfalls von Tannheimer, die mit nur 5,1 Sekunden Rückstand auf Gestblom an Franziska Preuß als Zweite übergab.

„Für mich lief alles nach Plan“, freute sich Julia Tannheimer gleich danach über ihre sehr gute Leistung. Die favorisierte französische Staffel lag zu diesem Zeitpunkt nur auf Rang 16.

Franziska Preuß

Die deutsche Top-Biathletin brillierte als zweite deutsche Läuferin mit einem fehlerfreien Liegendschießen und übernahm zwischenzeitlich die Führung. Doch dann erlebte Preuß ihr olympisches Trauma. Nach vier Fehlschüssen beim Stehendschießen musste sie in die Strafrunde und fiel auf Rang zwölf zurück – Norwegen mit Juni Arnikleiv übernahm zu diesem Zeitpunkt die Führung.

Janina Hettich-Walz

Beim zweiten Wechsel führte Lettland vor Bulgarien und den Französinnen, die eine bärenstarke Aufholjagd gestartet hatten. Janina Hettich-Walz (SC Schönwald) übernahm von Preuß auf Rang elf mit 47,4 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

Janina Hettich-Walz lief bei Kilometerstand 13,6 wieder auf Rang acht vor, kämpfte hervorragend und hatte nur einen Nachlader im Liegendschießen– wie auch die weiter führenden Französinnen.

Bei Kilometer 15 lag weiterhin Frankreich mit Ocean Michelon vorn – dahinter Norwegen und Schweden. Die Lauterbacherin lief heiß, arbeitete sich auf Rang sechs vor – mit 52,0 Sekunden Rückstand auf Platz eins.

Im Stehendschießen musste die Schwarzwälderin zwei Mal nachladen. Danach lag Frankreich weiterhin vorne vor Schweden (43,5 Sekunden Rückstand) und Norwegen (44,6). Hettich-Walz übergab immerhin auf Rang fünf.

Sie sagte nach dem Rennen: „Ich habe mich ganz gut gefühlt, vielleicht bin ich es vor dem Stehendschießen zu schnell angegangen. Ich hätte ein Überrennen gebraucht, um den Anschluss nach vorne wieder herzustellen.“ Immerhin hatte sie die deutsche Staffel von Rang elf auf Platz fünf vorgeführt.

Die Schönwälderin übergab zur Schlussläuferin Vanessa Voigt. Ein perfekter Lauf von Voigt würde vielleicht das deutsche Team noch in den Bereich von Bronze bringen können. Doch die Hypothek war zu groß.

Vanessa Voigt

Vorne zog Frankreichs bärenstarke Julia Simon als Schlussläuferin einsam ihre Kreise, erledigte ihr erstes Schießen in nur 20 Sekunden fehlerfrei. Dahinter mit Abstand Hanna Oeberg (Schweden) und Norwegen mit Maren Kirkeeide. Beim Liegendschießen glänzte Voigt mit einer Null-Fehler-Serie und rückte auf Rang vier vor. Der Bronzeplatz war theoretisch noch in Reichweite für die deutsche Staffel. Im Stehendschießen wurde es zwischen Norwegen und Deutschland im Kampf um Rang drei noch einmal spannend. Doch Maren Kirkeeide zeigte keine Nerven, blieb fehlerfrei – Vanessa Voigt ebenfalls. Mit 18 Sekunden Rückstand auf Kirkeede ging es für Voigt auf die letzten anderthalb Kilometer. Für die Thüringerin war nichts mehr zu machen – am Ende stand für die deutsche Staffel Rang vier.

Vanessa Voigt war enttäuscht: „Wir wollten eine Medaille, aber soweit ist es leider nicht gekommen.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte eine völlig enttäuschte Franziska Preuß schon die Biathlon-Arena erst einmal verlassen.