Jan Ullrich fiebert dem Start des ersten Jan Ullrich Cycling Festivals in Bad Dürrheim entgegen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

24. Juli 2005: Lance Armstrong gewinnt die Tour de France zum siebten Mal in Folge, Jan Ullrich wird in Paris nach 21 Etappen Dritter. 20 Jahre später kommt es in Bad Dürrheim am 17. und 18. Mai zu einem „sportlichen“ Wiedersehen. Für Jan Ullrich ist es ein wichtiger Teil seiner wiedergefundenen Identität.

Die Vorfreude auf die Premiere des Jan Ullrich Cycling Festivals ist dem einzigen deutschen Tour de France-Sieger (1997) deutlich im Gesicht anzusehen. „Ich freue mich natürlich, dass es jetzt bald losgeht. Das Festival bedeutet mir viel. Da steht ja auch mein Name drüber“, betont der 51-Jährige am Mittwoch.

 

Dass es zu einem Stelldichein von so vielen Radsportlegenden ausgerechnet in Bad Dürrheim kommt, ist kein Zufall. Jan Ullrich weilte nicht nur mit der Nationalmannschaft in der Kurstadt, sondern gewann in Bad Dürrheim auch den DM-Titel im Jahr 2001. „Ich kenne die Gegend gut. Vor zwei Jahren war ich dann zur DM eingeladen. Da habe ich gesehen, was man hier in Bad Dürrheim und Umgebung stemmen kann“, fühlt sich der 51-Jährige mit der „radsportaffinen“ Kurstadt verbunden.

Die Legenden

Diese werden nun auch Lance Armstrong, Sir Bradley Wiggins, Mario Cipollini, Dietrich „Didi“ Thurau, Simon Geschke, Udo Bölts, Andreas Klöden, Timo Hildebrand, Torsten Hiekmann oder Björn Schröder kennenlernen – oder wiederentdecken. „Das ist eine tolle Geschichte, ja eine einzigartige“, ist Jan Ullrich sichtlich stolz, dass all diese Ex-Radstars den Weg nach Bad Dürrheim finden werden.

Ex-Ullrich-Dauerrivale Armstrong, mit dem Ullrich in den vergangenen Jahren eine Freundschaft aufgebaut hat, konnte er ein Kommen auch mit dem „Dinner of Legends“ am Samstagabend im Kurhaus, Starkoch Johann Lafer tischt auf, schmackhaft machen. Mit anderen Ex-Kollegen wie Mario Cipollini oder Bradley Wiggins hätte Ullrich den Kontakt – oft nach Jahren der Funkstille – wieder hergestellt und von der Einzigartigkeit des Events in Bad Dürrheim überzeugt.

Die Ziele

Dabei stehe nicht der Wettbewerbsgedanke im Mittelpunkt. „Es geht darum, Werbung für den „wunderschönen Radsport in Deutschland zu machen“, möchte Ullrich seinen Teil dazu beitragen, dass gerade „junge Leute und Familien“ noch mehr in die Pedale treten. „Ich sehe mich als Förderer des Radsports“, fühlt sich der gebürtige Rostocker nach den Alkohol- und Drogeneskapaden nun wieder wohl und willkommen in der Radsportwelt. Mit der Festival-Premiere will der Fünfte des GP Schwarzwald rund um Triberg (2005) auch etwas an die Fans zurückgeben.

Doping und Sperre

Im Gegensatz zum Gewinner der Spanien-Rundfahrt (1997) darf sich Lance Armstrong nicht mehr Tour de France-Sieger nennen. Dem US-Amerikaner wurden alle sieben Triumphe wegen Dopings abererkannt, zudem wurde der 53-Jährige lebenslang für alle offiziellen Rennen gesperrt.

Die Organisatoren Rik (links) und Kai Sauser freuen sich auf das Jan Ullrich Cycling Festival. Foto: Wiedemann

Dies hätte aber für das Ullrich-Festival keinerlei Bedeutung. Es sei ja kein BDR- oder UCI-Rennen. Für das Festival in Bad Dürrheim „braucht man keine Lizenz“, meint dazu Organisator Rik Sauser. Und Jan Ullrich sagt: „Ich hatte sehr viel Fankontakt in den vergangenen Jahren.“ Diese hätten es sich einfach gewünscht, Armstrong und Co. wiedersehen.

Die DNA

Nach vielen schwierigen Jahren steht Jan Ullrich mitten in seinem Radsport-„Comeback“. Ullrich habe seine Identität zurückgefunden, der Radsport gehöre einfach zu seiner DNA. „In dieser Szene fühle ich mich einfach sehr wohl“, sagt der 51-Jährige, der sich derzeit als einen „glücklichen Menschen“ beschreibt.

Das Event

In Bad Dürrheim wird am 17. und 18. Mai alles im Zeichen des Ullrich-Festivals stehen. „Es geht nicht nur um Radsport. Jeder soll einfach eine coole Zeit haben“, verspricht Rik Sauser auch in Sachen Kulinarik und Unterhaltung ein Event der Extraklasse. Bisher hätten sich rund 450 Teilnehmer für das erste Jan Ullrich Cycling Festival angemeldet. 500 sei die Obergrenze, betont der Organisator. Auf die Radsportfreunde und die Ex-Radstars wartet am Sonntag, 18. Mai, auf abgesperrten Straßen ein abwechslungsreicher Rundkurs von 29,7 Kilometern rund um Bad Dürrheim, der bis zu vier Mal gefahren werden kann. Es stehe ganz klar nicht der Wettbewerb, sondern das gemeinsame Erlebnis mit Ullrich und Co. im Mittelpunkt.

Deutsche Hoffnungsträger

Apropos im Mittelpunkt. In Sachen Radsport dreht sich auch in Deutschland fast alles um die Tour de France. Es sei nicht gerade einfach, diese zu gewinnen. Dies habe ja aus Deutschland erst einer geschafft. Deshalb empfiehlt er den Radsportfans, „auch mit kleineren Erfolgen“ zufrieden sein.

Nicht nur Georg Steinhauser sei nach seinem Etappensieg bei der Italien-Rundfahrt im vergangenen Jahr derzeit ein Hoffnungsträger. „Wir haben das Potenzial“, hofft Ullrich zudem, dass die Deutschland-Tour, die 2024 auch in Villingen-Schwenningen Station machte, mittelfristig wieder eine Woche andauert.

Und dann gibt es noch einen ganz großen gemeinsamen Traum von Jan Ullrich und Rik Sauser: eine Straßenrad-Weltmeisterschaft in Bad Dürrheim oder in der Region.