Musikalisch ausgefuchst und massiv tanzbar: Mit seinen begeisterten Fans hat Jan Delay in der Freilichtarena am Killesberg eine prächtige Party gefeiert.
Nur Hip-Hop und Rap waren ihm schon immer viel zu wenig. Seit über zwanzig Jahren gleicht die Karriere von Jan Delay viel mehr einem lustvoll-neugierigen Spaziergang durch sämtliche Facetten schwarz-weißer Tanzmusik als lediglich einem Flirt mit ihren erfolgreichsten neuzeitlichen Sub-Genres. Was für ein mitreißendes, unwiderstehlich ins Tanzbein fahrendes Kompendium an Songs und Sounds er seither angehäuft hat, zeigte der Hamburger am Dienstagabend in der randvollen Freilichtarena am Killesberg.
Fundstücke aus der Popgeschichte
Unter dem Motto „Earth, Wind & Feiern“ spielen sich der Chef und sein elfköpfiges Ensemble Disko No. 1 rund zwei Stunden lang so kurzweilig wie musikalisch ausgefuchst durch Genres von Soul, Funk und Afrobeat bis Ska, Reggae und Rock. Eigene Hits wie „Klar“, „Spass“, „Disko“ oder „Oh Jonny“ stehen in Stuttgarts schönster Open-Air-Location mit ihrem unnachahmlichen, dankenswerterweise nicht kaputtsanierten Sechziger-Jahre-Ambiente natürlich auf dem Spielplan, doch herrlich en passant sammeln die drei Bläser sowie fünf weitere Begleiter an Schlagzeug, Keyboards, Gitarren und Bass auch allerlei Fundstücke ein, die in vierzig, fünfzig Jahren Popgeschichte so am Wegesrand liegen geblieben sind: Saxofonklassiker wie Gerry Raffertys „Baker Street“ oder „Careless Whisper“ von Wham! werden da ebenso versiert in die Arrangements montiert wie Versatzstücke aus Spaghettiwestern-Soundtracks; den Elektro-Funk von Cameo zitiert man ebenso souverän wie die House-Hymnen von Daft Punk oder den prä-technoiden „Frankfurt-Sound“ der 1990er Jahre in Gestalt von Snaps „Rhythm is a Dancer“.
All diese Sounds liefert diese gut geölte Groove-Maschine prachtvoll auf den Punkt, mit massivem rhythmischem Druck, drei charmanten Begleitsängerinnen sowie bisweilen sogar in den afrokubanischen Jazz hineinragender Bläserpower. Der Chef selbst überzeugt derweil in so ziemlich allen Disziplinen, die es benötigt, um einer feurig aufspielenden Tanzmusikkapelle als Entertainer mit Witz, Charisma und gutem Gewissen vorzustehen: Mit edlen hellblauen Jogging-Pants, passendem Sakko, weißem Unterhemd, ebensolchen Sneakern sowie Hut und Sonnenbrille als wichtigsten modischen Trademarks gibt Jan Delay den lässig-souveränen Frontmann.
Mit großem Herz
Er überzeugt mit bekannt nöligem Timbre und perfektem Timing als sprachgewaltiger, wortwitzreicher und absolut zungenfertiger Sprechsänger, dirigiert als Zeremonienmeister diverse Tanzchoreografien für die gut 4500 Besucher und beweist mit einem Plädoyer für Organisationen wie die Wasserretter Viva con Agua oder auch die Flüchtlingshelfer von SOS Humanity sein großes Herz. Nach fast zwei Stunden und einem furios stampfenden „St. Pauli“ als Finale steht jedenfalls fest: Jan Delay ist, um es in dessen eigenem Duktus zu sagen, fraglos der Beste in seim Ding.