Daniel Craig (links) ist wieder 007, Christoph Waltz ist der neue Bond-Bösewicht. Mehr Deutsch sprechende Bond-Bösewichter finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: dpa

„James Bond – Spectre“: Die schönen Frauen kommen aus Frankreich und Italien und der Bösewicht spricht wieder einmal Deutsch. Eine Analyse.

London/Stuttgart - Christoph Waltz mimt im nächsten James-Bond-Film namens „Spectre“ den Superschurken Oberhauser. Das gab Regisseur Sam Mendes am Donnerstag bekannt und bestätigte damit die Gerüchte, die bereits seit einiger Zeit im Umlauf waren. Außerdem wurden bei dem kurzen Präsentationstermin in den britischen Pinewood-Studios weitere Darsteller vorgestellt. Neben Léa Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“) und Dave Bautista („Guardians Of The Galaxy“) ist Monica Bellucci („Irreversibel“) als Neuzugang bei dem Film dabei, der am 29. Oktober 2015 in die deutschen Kinos kommt.

Christoph Waltz, der für seine Rollen in „Inglourious Basterds“ (2010) und „Django Unchained“ (2013) jeweils mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, ist nicht der erste deutschsprachige Charakterdarsteller, der in einem James-Bond-Film den Superschurken mimt.

„Bist du wahnsinnig? Das ist die Chance deines Lebens!“

Schuld daran ist letztlich Beate Fröbe. Ihr Mann hatte nämlich eigentlich gar keine Lust, für die Dreharbeiten zu diesem britischen Actionthriller seine Theaterproben zu unterbrechen. Er hatte auch Zweifel, ob es wirklich karriereförderlich sei, einen größenwahnsinnigen, vom Gold besessenen Bösewicht zu mimen. Doch Beate Fröbe sagte: „Bist du wahnsinnig? Das ist die Chance deines Lebens!“ Und so kam es, dass Gert Fröbe dann doch in „Goldfinger“ Sean ­Connery im James-Bond-Smoking das Leben schwermachte und ein bis dahin unbekanntes Agentenfieber entfachte. Seither gehören deutsche Schurkendarsteller ebenso zum filmischen 007-Repertoire wie die Bondgirls und der trockene Martini.

Und das Bild der Deutschen in den James-Bond-Filmen war bisher ziemlich einseitig: So unterschiedlich die Rollen waren, die deutschsprachige Schauspieler übernehmen durften, sie sind eigentlich immer eitel, blöd, neigen zur Selbstüberschätzung, haben einen fürchterlichen Akzent, und in der Regel gilt: Nur ein toter Deutscher ist ein guter Deutscher. Sie stürzen aus Flugzeugen, werden von Piranhas zerfleischt, in die Luft gesprengt oder von Bonds Walther PPK durchlöchert. Deutsche taugen in der Filmwelt, die aus Ian Flemings Romanen entstanden ist, bisher nicht wirklich zum Sympathieträger, sondern nur zum Schurken.

Als solcher unerreicht ist bis heute Gert Fröbe, der in „Goldfinger“ (1963) den ­titelgebenden Finsterling kauzig als eine Mischung aus der Rolle des Kindermörders in „Es geschah am helllichten Tag“, die ihm der „Goldfinger“-Part einbrachte, und Räuber Hotzenplotz, den er später darstellen sollte, anlegte. Dafür, dass Fröbe als Auric Goldfinger unvergesslich blieb, waren aber auch die Drehbuchautoren verantwortlich, die ihm Sätze in den Mund legten wie: „Menschen haben den Mount Everest bestiegen, sind auf den Boden der Meere getaucht, haben Raketen zum Mond fliegen lassen, das Atom gespaltet, Wunder in allen möglichen Bereichen vollbracht – nur nicht beim Verbrechen!

Allerdings sagt in der Originalfassung nicht Fröbe selbst diesen Satz, sondern Michael Collins. Das Englisch des Manns aus Zwickau war so schlecht, dass sich Regisseur Guy Hamilton dazu entschied, Fröbe synchronisieren zu lassen – eine bis heute einmalige Sache, war es doch später immer wieder gerade der starke deutsche Akzent von Schurkendarstellern, der diese für das englischsprachige Publikum besonders finster wirken ließ.

Fröbes fehlendes Talent fürs Englische sowie die Tatsache, dass er eigentlich nur zweite Wahl war – Orson Welles hatte zuvor abgelehnt – , interessierte keinen mehr, als „Goldfinger“ damals alle Kassenrekorde brach.

Der Größenwahn, den Gert Fröbe so unverkrampft zur Schau stellte, sollte zum Markenzeichen aller künftigen Superschurken im 007-Universum werden. Auch für Curd Jürgens, der in „Der Spion, der mich liebte“ (1977) den Unterwasser-Tycoon Stromberg spielte.

Deutsche als als Männer und Frauen fürs Grobe

Noch lieber als in der Rolle des Superschurken sehen die James-Bond-Produzenten Deutsche aber in der Rolle der Handlangers. Als Männer und Frauen fürs Grobe, die meistens das Ende des Films nicht mehr miterleben, sondern vorzeitig entweder von Bond oder von ihrem Boss selbst ausgeschaltet werden: etwa Michael Mellinger als Kisch in „Goldfinger“, Ilse Steppat als Irma Bunt in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, Andreas Wiesniewski als Killer Necros in „Der Hauch des Todes“, Gottfried John als der russische General Ourumov in „Golden­eye“, Götz Otto als Stamper in „Der Morgen stirbt nie“, Claude Oliver Rudolph als Colonel Akakievich in „Die Welt ist nicht genug“ sowie Clemens Schick als Kratt und ­Richard Sammel als Gettler in „Casino ­Royale“.

Wenn es darum geht, schweigsame ­psychopathische Killer auf der Leinwand darzustellen, sind die Deutschen erste Wahl der Bond-Macher. Ab und zu ­dürfen jedoch auch mal Österreicher ran: Klaus Maria Brandauer zum Beispiel als der eitle Operetten-Fiesling Maximilian Largo in „Sag niemals nie“ (1983), die schroffe Lotte Lenya in „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) oder jetzt der kosmopolite Christoph Waltz.

Wenn es darum geht, Bond nicht zu killen, sondern zu verführen, sind Deutsche dagegen nicht gefragt. Einziges Bondgirl ist bisher Karin Dor in „Man lebt nur zweimal“ (1967), und auch sie muss – wie so ziemlich jeder Deutsche in einem James-Bond-Film – am Ende qualvoll sterben.

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