Vor allem von oben betrachtet werden die Dimensionen dieses Jahrhundertprojekts für Grenzach deutlich. Foto: Tim Nagengast

Mit zahlreichen Gäste ist der Grundstein für die Neue Mitte Grenzach gelegt worden. Das urbane Zentrum mit Wohnungen und Gewerbe soll Ende 2028 eingeweiht werden.

Über dem gewaltigen Loch, das anstelle des einstigen Schlosser-Areals einmal Grenzachs Neue Mitte werden soll, lag am späten Dienstagvormittag ein doppelter Klangteppich. Während Saxofonist Ihor Diachenko – wie gewohnt locker drauf und gut aufgelegt – seinen „Basler-Straße-Blues“ und ein paar weitere musikalische Schmankerln zum offiziellen Rahmenprogramm beisteuerte, wurde im Hintergrund noch rasch der Mörtel angerührt.

 

Zeitkapsel wird versenkt

Diesen nahm später Christian Nopper, Vorstand des Investors Treubau Freiburg, auf die Maurerkelle, um damit den Deckel des Grundsteins zu versiegeln. Zuvor hatte Treubau-Aufsichtsratsvorsitzender Volker Homann darin die Zeitkapsel dieses für die Doppelgemeinde sehr denkwürdigen Tages versenkt.

Neues Zentrum entsteht

Wie denkwürdig, zeigte sich nicht zuletzt am „großen Bahnhof“. Mehrere Dutzend Vertreter aus lokaler und regionaler Politik, von Handel und Gewerbe, Baufirmen, Gemeindeverwaltung und sogar der Landespolitik hatten den Weg in die tiefe und sehr weite Baugrube gefunden, die einmal das Herz des Ortsteils werden soll.

Ein Treppchen war zuvor gezimmert, die durch die Regengüsse der Vortage gefüllten Pfützen waren zugeschüttet worden. Denn wann in seiner eigenen Geschichte baut ein Ort sich schon einmal ein neues Zentrum, eine Mitte?

Treubau-Aufsichtsratsvorsitzender Volker Homann (vorn) versenkte die Zeitkapsel im Grundstein für Grenzachs Neue Mitte. Ihm assistierten (von links) Christian Nopper (Treubau-Vorstand), HGV-Vorsitzender Joachim Schlageter, Landrätin Marion Dammann, Astrid Fath (Treubau-Vorständin) und Bürgermeister Tobias Benz. Foto: Tim Nagengast

Nicht umsonst apostrophierte Bürgermeister Tobias Benz in seinem Grußwort das Werden der Neuen Mitte Grenzach als „Jahrhundertprojekt“, als „Leuchtturm“. Zwar besitzt Grenzach einen typischen Markgräfler Dorfkern und damit eine historische Mitte, aber eben kein Zentrum, das den heutigen Anforderungen an bedarfsgerechtem Wohnen, attraktivem Handelsmix und Aufenthaltsqualität gerecht wird. Diese Lücke soll die Neue Mitte mit ihren Wohn- und Geschäftshäusern, einer Tiefgarage sowie dem multifunktionalen „Platz der Begegnung“ in etwa zwei Jahren schließen.

Hoffnung für den Handel

Neben 108 Wohnungen schafft die Freiburger Treubau AG als Investor auch Platz für einen Rewe-Supermarkt, für Alnatura, eine dm-Filiale, eine „Easy Apotheke“ und Gastronomie. Durch diese Magneten im Zentrum sollen auch die bereits vorhandenen Geschäfte gestärkt werden. Eine Hoffnung, die nicht zuletzt Joachim Schlageter als Vorsitzender des örtlichen Handwerker- und Gewerbevereins in seiner Rede aufgriff.

Größter Mieter wird Rewe

Treubau-Vorständin Astrid Fath hatte derweil einige beeindruckende Zahlen parat: So werden in Grenzachs Neuer Mitte insgesamt 21 570 Quadratmeter bebaut. Es entsteht eine Wohnfläche von 7100 Quadratmetern, dazu kommen Ladenflächen über etwa 4500 Quadratmeter, wovon Rewe mit 2160 Quadratmetern den größten Teil des Kuchens nimmt. Gepflanzt werden zudem 20 neue Bäume auf dem Deckel der Tiefgarage, die selbst 11 850 Quadratmeter Grundfläche hat. In ihr werden sich 220 – großteils öffentliche – Stellplätze befinden.

Gemeinde erhält Auszeichnung für Bürgerbeteiligung

„Alles in allem kommen wir so auf eine Bruttogeschossfläche von 28 000 Quadratmetern“, umriss Fath die Dimension des Projekts. Auch für die Treubau sei das Projektvolumen eine echt große Nummer, sagte Fath.

„Ganz viel schon richtig gemacht“ habe die Gemeinde Grenzach-Wyhlen, lobte Landrätin und TEB-Präsidentin Marion Dammann des Großprojekt. „Ich finde dieses Projekt vorbildlich“, gerade mit Blick auf die Form der Bürgerbeteiligung, für die die Doppelgemeinde zu Recht ausgezeichnet worden sei.

Es war Bürgermeister Tobias Benz, der dem früheren Führungsduo im Rathaus der Doppelgemeinde – Jörg Lutz als Bürgermeister und Monika Neuhöfer-Avdic als Bauamtsleiterin – ein spätes Kränzlein wand. Durch den strategischen Erwerb des ehemaligen Schlosser-Areals als zentrales Schlüsselgrundstück durch die Gemeinde im Jahr 2013 sei der Weg freigemacht worden für die Schaffung der Neuen Mitte. Auch waren es Lutz und Neuhöfer-Avdic, die früh das Thema Bürgerbeteiligung aufs Tapet brachten – viele Menschen erinnern sich sicherlich noch an die Postkartenaktion, an Mitmach-Workshops, Infoabende, im späteren Prozessverlauf dann auch an – bisweilen sehr kontroverse – Ratsdebatten (Stichwort: Platzgestaltung des Siegerentwurfs „Stadthain“), an auch mal polarisierende Aktionen – und, und, und.

„Kein Fremdkörper“

Es habe sich gelohnt, die Bürgerschaft so früh und so intensiv wie möglich einzubinden, resümierte nicht nur der Bürgermeister bei der Grundsteinlegung. „Wir wollen eine Ortsmitte schaffen, die kein Fremdkörper ist“, sagte Benz. Einige unmittelbar aus der Bürgerbeteiligungsprozess heraus entstandene Wünsche und Ideen würden tatsächlich realisiert.

Die Neue Mitte Grenzach sei ein Beispiel dafür, wie „ein bürgerschaftlich getragenes Projekt“ zum Erfolg geführt werden könne, ergänzte Landrätin Marion Dammann.