Durch eine Wohnstraße und sogenannte Wohnhöfe soll das neue Quartier Reichenhalden geprägt sein. (Visualisierung K9 Architekten) Foto: K9 Architekten

Der Gemeinderat hat das Konzept für eine neue Wohnsiedlung Reichenhalden beschlossen. Der Plan basiert auf einer Quartiersidee – und gilt als Jahrhundertprojekt.

„Reichenhalden ist das Jahrhundertprojekt der Gemeinde“, sagt Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner zu Beginn einer Gemeinderatssitzung, die er als „historisch“ bezeichnet. Vertreter des Architekturbüros K9 und der Landschaftsarchitekten Faktorgrün präsentieren den städtebaulichen Rahmenplan für die Wohnsiedlung Reichenhalden. Auf der Grundlage ihres Plans, den sie als Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs seit 2023 ausgearbeitet haben, soll Reichenhalden ein neues Gesicht bekommen. Die Siedlung in unmittelbarer Nachbarschaft des Festplatzes und des Gewerbegebiets Autobahnkreuz soll in einigen Jahren rund 260 neue Wohneinheiten auf Grundlage eines Quartierskonzepts zu bieten haben.

 

Lärmschutz ist wichtiges Anliegen

„Derzeit besteht Reichenhalden aus 15 Wohngebäuden im Bestand, einer veralteten Zeilenstruktur und einer maroden Gebäudestruktur“, fassen die Vertreter von K9 die Ist-Situation zusammen. Positiv seien jedoch die bestehende Vegetation und der Blick in die Landschaft. „Die Ränder der Siedlung werden durch die Vegetation vorgegeben“, sagen die Architekten. In ihrem Entwurf visualisieren sie auch das Bild eines grünen Eingangs zur Siedlung mit Bäumen, Parkmöglichkeiten, einem Gehweg. Der Quartierseingang soll unter anderem ein Ärztehaus beinhalten. Die Wohnstraße mit einer Priorität für Fußgänger und spielende Kinder führt zu einer Quartiersmitte, die unter anderem als Bewohner-Treffpunkt gestaltet werden soll.

Stabile soziale Struktur soll entstehen

Die Architekten sagen: „Wir wollen weg von der Situation, dass die Siedlung sehr vom Auto geprägt ist.“ Außerdem ist Lärmschutz ein wesentliches Thema. Reichenhalden liegt unweit der Autobahn 81 und der Bundesstraße 463 in Richtung Haigerloch. Ein Grundrauschen des Verkehrs ist aktuell in der Siedlung unüberhörbar. „Es wurde empfohlen, die Bebauung anders auszubilden. Die Wohnungen sollen sich nach Westen orientieren“, sagen die K9-Vertreter. Der Ortseingang für die neue Siedlung soll an der Haigerlocher Straße liegen. Eine Anbindung an die Reinhold-Köhler-Straße soll es für Fußgänger und Radfahrer geben.

So stellen sich die Architekten den Quartierseingang vor. (Visualisierung K9 Architekten) Foto: K9 Architekten

Ein zentraler Gedanke des Quartierskonzepts ist das soziale Zusammenleben in der Siedlung. „Hinsichtlich der sozialen Struktur soll es viel stabiler sein als es jetzt der Fall ist“, sagen die Architekten. Ihre Konzeptidee nennt sich „Wohnhof“. Ein Wohnhof soll laut Visualisierung im Zentrum von vier Einzelgebäuden und sechs Reihenhäusern liegen. Über das Zusammenleben heißt es im Entwurf: „Als soziale Bausteine fördern die Wohnhöfe Interaktion, Identität und Zusammenhalt innerhalb des Quartiers. Sie schaffen intime Strukturen, die den Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten im geschützten Rahmen bieten, gleichzeitig aber offene Aufenthalts- und Spielflächen für gemeinschaftliche Aktivitäten bereitstellen.“ Eine aktive Nachbarschaft soll beispielsweise durch sogenannte „Blumenhöfe“ geschaffen werden. „Nicht das Wohnen rein nebeneinander, sondern die Chance zur Begegnung soll entstehen und ein Wechseln zwischen Privatheit und Gemeinschaft möglich sein“, fassen die Architekten den sozialen Aspekt des Viertels zusammen.

So sieht die Wohnsiedlung Reichenhalden heute aus. Positiv sehen die Planer die Vegetation. Foto: Daniel Begemann

So geht es jetzt weiter

Zur zeitlichen Umsetzung der Pläne sagt Bürgermeister Ferdinand Truffner: „Das ist der Beginn eines Marathons und wird uns noch einige Zeit begleiten.“ Das Areal müsse zunächst vom aktuellen Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) erworben werden. Nächstes Jahr möchte die Gemeinde mit der BimA in das Verfahren einsteigen. Danach braucht es Investoren.

Die Planer von K9 und Faktorgrün meinen: „Es dauert noch ein paar Jahre, bis der erste Bagger am Haus ist.“

Mit einem einstimmigen Beschluss macht der Gemeinderat einen Knopf an das städtebauliche Konzept. Jetzt kann weitergearbeitet werden.

Flächennutzung und Wohnungsmix

Flächenaufteilung
Die Siedlung soll in ein urbanes Gebiet und ein allgemeines Wohngebiet gegliedert werden. Eine Integration von circa 20 Prozent gewerblichen beziehungsweise gemeinschaftlichen Nutzungen erachtet das Konzept im urbanen Gebiet als notwendig. Angedacht sind beispielsweise ein Ärztehaus, Bürogebäude, Café oder Bäckerei und ein Quartiershaus. Das urbane Gebiet ermöglicht eine höhere bauliche Dichte und es ist ein geringfügig höherer Geräuschpegel zulässig. Im allgemeinen Wohngebiet sollen zu 100 Prozent Wohnungen entstehen.

Wohnangebot
Das Quartier soll ein breites Wohnangebot für vielfältige Lebens- und Haushaltsformen bieten. Die Wohnungsgrundrisse sollen nach Lärmsituation ausgerichtet werden, die Schlafzimmer zur ruhigen Seite hin liegen. Alle Wohnungen solle über private Loggien oder Balkone verfügen. Für Parkplätze ist unter anderem in Tiefgaragen gesorgt. Der Wohnungsmix soll pro Wohnhof mit 32 Einheiten aus 2 Ein-Zimmer-Wohnungen (Anteil 6 Prozent), 8 Zwei-Zimmer-Wohnungen (25 Prozent), 13 Drei-Zimmer Wohnungen (41 Prozent), 8 Vier-Zimmer-Wohnungen (25 Prozent) und einer Fünf-Zimmer-Wohnung (3 Prozent) bestehen. Dazu kommen die Wohnungen in Reihenhaus-Typologie.