80 Jahre ist es her, dass der Zweite Weltkrieg endete. In den letzten Monaten vor Kriegsende litten die Rheinorte besonders stark unter den Folgen der Gefechte. Der 14. Februar 1945 war für Kappel ein besonders schlimmer Tag.
Wäre das Attentat vom 20. Juli 1944 gegen den Führer Adolf Hitler durch den deutschen militärischen Widerstand geglückt, so wäre Deutschland unter Umständen viel Unglück und zusätzliches Leid erspart geblieben. Denn in den letzten Wochen und Monaten vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Großstädte durch Bombenhagel im Schutt und Asche gelegt.
Auch in Kappel und Grafenhausen hat der Zweite Weltkrieg noch in den letzten Wochen tiefe Spuren hinterlassen, was viel Trauer, Elend, Unglück und Not mit sich brachte. Betroffen waren vor allem ältere Frauen und Männer sowie Mütter mit ihren Kindern. Als im Herbst 1944 die alliierten Truppen in Frankreich landeten, wurden die deutschen Truppen immer wieder Richtung Rhein zurückgedrängt. Nun gab es immer wieder Artilleriebeschuss und Bombenangriffe. Seit Oktober wurde die Brücke über den Rhein von feindlichen Flugzeugen wiederholt angegriffen und schwer getroffen. Auch die Fähre, die nach der Zerstörung der Brücke den Überfahrtsverkehr noch weiterführte, wurde bald durch Fliegerangriffe vernichtet. Anfang Dezember mussten die deutschen Truppen das Elsass vollständig räumen, der Feind besetzte das jenseitige Rheinufer wieder. Seitdem lagen Kappel und Grafenhausen sowie alle anderen Rheinorte unter immerwährendem Störungsfeuer.
Überraschend feindliche Flieger warfen immer wieder Bomben, meist Sprengbomben, ab, die großen Schaden an Gebäuden anrichteten. Es verging fast kein Tag, an dem man nicht bangen musste und erneute Feuerüberfälle über die Dörfer niedergingen. Die Bevölkerung lebte immer in großer Furcht, denn bei schönem Wetter flogen fast den ganzen Tag Flieger herum.
Durch den anhaltenden Beschuss war ein ferneres Verbleiben der Bevölkerung im Dorf unmöglich, obwohl alle zum Ausharren entschlossen waren.
Eine erneute Evakuierung wurde veranlasst
Am 20. Dezember um Mitternacht setzten sich die Wagen der Kappler Bevölkerung in Bewegung, da untertags wegen Fliegertätigkeit ein Straßenverkehr kaum mehr zu wagen war. Mit den nötigsten Habseligkeiten ging mitten im strengen Winter für viele eine erneute Reise ins Ungewisse los. Es gab manche Tränen beim schweren Abschied von Haus und Hof und auf den Lippen schwebte die bange Frage, wann und wie man die Heimat wiedersehen würde. Dies war nun die zweite vollständige Räumung des Dorfs während dieses Krieges. Während einige Grafenhausener nicht mehr bereit waren das Dorf zu verlassen, fand der Rest der Bevölkerung Schutz und Sicherheit im Hinterland – sprich Altdorf, Münchweier, Ettenheimmünster, Walburg, Sulz bis hin ins Württembergische. Man atmete auf, als man in den Gastorten angekommen war und fühlte sich bei den Gastfamilien, wenn es auch sehr eng zuging, geborgen. Die hilfsbereite Aufnahme unserer flüchtenden Bevölkerung in allen Orten muss rührend hervorgehoben werden. Während der Abwesenheit ließen es sich die Leute aber nicht nehmen, sich so gut es ging, täglich zu Fuß auf den Weg zu machen, um in Haus und Hof nach dem Rechten zu schauen und um den Fortgang des landwirtschaftlichen Betriebs zu sorgen.
Doch es blieb nicht ruhig in den nächsten Wochen und Monaten. Der Beschuss war nahezu ununterbrochen und an mehreren Stellen loderten Brände. Selbst in Ettenheim verspürte man die starken Erschütterungen.
Zu wenige Männer, um all die Brände zu löschen
Den wenigen Männern, die im Dorf zurückgeblieben waren, war es nicht mehr möglich, die rasch um sich greifenden Feuerherde zu bekämpfen. So brannte manches Gebäude nieder, das man hätte retten können, wenn genügend Leute zur Brandbekämpfung im Dorf gewesen wären.
Ein besonders schlimmer Tag war Aschermittwoch, 14. Februar, an dem neben weiteren Gebäuden auch die Kirche in Kappel und das Pfarrhaus völlig zerstört wurde. Schule und Kinderschule sowie die Pfarrkirche Grafenhausen wurden am 21. Februar stark beschädigt und ein Tag später wurde das Rathaus von Kappel stark getroffen.