Vor genau 25 Jahren war der 29. Mai ein unvergessener Tag für Weil am Rhein: Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau hatte die Grenzstadt besucht. Eine Rückschau.
Die Sonne strahlte an diesem Tag mit hochsommerlichen Temperaturen mit den Verantwortlichen des Rathauses um die Wette. Der oberste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland gab sich unter großen Sicherheitsvorkehrungen ein Stelldichein in Weil am Rhein und informierte sich über die trinationale Grenzregion. Die herausgeputzte Stadt präsentierte sich zu diesem Ereignis von ihrer Schokoladenseite, alles war nach wochenlangen Vorbereitungen minuziös und bestens vorbereitet.
Für den damaligen Hauptamtsleiter Dieter Walk und Ingo Wittig von der Schul- und Sportabteilung war es die aufwendigste Veranstaltung, die sie in ihrer langjährigen Dienstzeit organisiert hatten. Viel Kleinarbeit war notwendig, nichts wurde dem Zufall überlassen. Rathausbrunnen und der kleine Sitzungssaal hatten zuvor noch einen neuen Anstrich verpasst bekommen.
Und ein Stein fiel den Verantwortlichen am Abend im Rathaus vom Herzen, dass sich die Mühen gelohnt haben und fast alles planmäßig abgelaufen ist. Sogar ein Damenprogramm hatte die Rathausspitze für den hohen Besuch organisiert. Doch First Lady Christina Rau konnte kurzfristig ihren Mann nicht ins Dreiländereck begleiten, weshalb Christine Dietz sich über einen prächtigen Blumenstrauß freuen konnte.
„Es war ein wunderschöner Tag mit einem tollen Programm. Johannes Rau war sehr umgänglich, nahbar und menschlich“, erinnert sich Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Dietz im Gespräch mit unserer Zeitung noch gut an diesen herausragenden Besuch.
Ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Weiler OB war es ihm mit diplomatischem Verhandlungsgeschick über die Schiene in Stuttgart und schließlich Berlin gelungen, den Bundespräsidenten in die südwestlichste Ecke Deutschlands zu locken.
Dietz hatte zuvor Wind davon bekommen, dass einer der vier Regionalbesuche Raus in den Südwesten führen würde. Das Staatsoberhaupt wollte sich in der Grenzregion über trinationale Projekte informieren.
Und dazu gab es vor Ort in Weil am Rhein reichlich Gelegenheit. „Es war eine großartige Möglichkeit, unsere Stadt zu präsentieren und anhand konkreter Projekte die trinationale Lage zu unterstreichen“, erinnert sich Wolfgang Dietz noch gut an diesen nicht alltäglichen Tag.
Über das Leben an und mit der Grenze
Kurz vor 10 Uhr hatten sich auf dem Rathausplatz voll gespannter Erwartung die Weiler Stadtmusik, Trachtenträgerinnen aus allen drei Ländern, Feuerwehr, auch aus Basel und Frankreich, Polizei und zahlreiche Besucher eingefunden. Hinzu kamen 45 Medienleute von Presse, Rundfunk und Fernsehen, für die im Rathauskeller extra ein Infozentrum eingerichtet worden war.
Nur kurze Zeit später fuhr der Bus vor, der den Bundespräsidenten am Flughafen abgeholt hatte. Repräsentanten aus dem Dreiländereck wie zum Beispiel neben dem Weiler OB Wolfgang Dietz auch Regierungspräsident von Sven Ungern-Sternberg, Landrat Alois Rübsamen, Basels Regierungsrat Ralph Lewin, René Moebel, Bürgermeister von Huningue und Roland Igersheim als Präsident der Communauté de communes des Trois Frontières waren dabei.
Bus fährt mit geöffneten Türen
Kleine Anekdote: Der Bus musste mit geöffneten Türen zum Flughafen fahren, weil die Hinterlassenschaft eines Polizeihunds bei der zuvor stattgefundenen Sicherheitsinspektion eine Frischluftzufuhr notwendig gemacht hatte. Doch dieser „Zwischenfall“ sollte den Freudentag nicht trüben.
Zuerst gab es für einen ausgewählten Kreis im kleinen Sitzungssaal des Rathauses neben herzlichen Begrüßungsworten eine erste Info-Runde über die Grenzstadt und das Dreiländereck sowie das Leben an und mit der Grenze. Die Zusammenarbeit in der Grenzregion und europäische Alltagserfahrungen bestimmten den lockeren Austausch mit dem interessierten und sympathischen Bundespräsidenten. Natürlich musste sich Johannes Rau auch im Goldenen Buch der Stadt verewigen.
700 Personen beim Bürgerempfang
Derweil hatten sich rund 700 Bürgerinnen und Bürger im Foyer und großen Sitzungssaal zum Bürgerempfang eingefunden. Auch hier klickten wie bei allen anderen Terminen viele Kameras.
Bevor es für ausgewählte Gäste mit dem geschmückten Bus, an dessen Seiten unübersehbar der Schriftzug „Herzlich Willkommen in Weil am Rhein“ prangte, zum Mittagessen in das Altweiler Spitzenrestaurant „Adler“ mit dem langjährigen Sternekoch Hansjörg Wöhrle ging, gab es noch einen Abstecher zum Unternehmen Endress+Hauser, wobei unter anderem junge Leute ihre trinationale Ausbildung vorstellten.
Natürlich fehlte auch ein Besuch des renommierten Möbelherstellers Vitra und des Vitra Design Museums nicht. Dabei gab es eine Überraschung für den hohen Gast: Thomas Fröde, Chef des gleichnamigen Speditionsunternehmens, überreichte ihm einen großen Designer-Stuhl.
Aussicht ins Dreiländereck bei einem Schluck Wein
Abgerundet wurde der Besuchstag des Bundespräsidenten mit einem Abstecher auf den Ötlinger Kirchplatz. Dort genoss Johannes Rau nicht nur die herrliche Aussicht ins Dreiländereck, sondern auch einen von Pfarrer Walter Vehmann kredenzten Schluck Wein, ehe es nach einem ereignisreichen Tag und einem Besuch mit hoher Strahlkraft wieder zum Flughafen zurück ging.