Bis April 2022 wird Bernhard Tjaden noch die Amtsgeschäfte der Gemeinde leiten. Foto: Cools

2021 war das letzte komplette Jahr von Bernhard Tjadens Amtszeit. Am 30. Januar wird sein Nachfolger gewählt, im April übernimmt er die Amtsgeschäfte. Tjaden erzählt, wie er 2021 erlebt hat und was ihm in der Pandemie Halt gibt.

Fluorn-Winzeln - Worauf freut sich Fluorn-Winzelns Bürgermeister, wenn Corona irgendwann kein Thema mehr sein sollte? "Wieder ohne Einschränkungen reisen zu können. Die Wohnung ohne Maske verlassen zu können. Da wir im Rathaus wohnen, müssen wir in den öffentlichen Bereichen Maske tragen, sobald wir einen Schritt vor die Tür setzen", sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Belastend sei 2021 die hohe Taktzahl sich ändernder Verordnungen gewesen. Oft sei man am Wochenende noch in Kontakt gewesen, um die neuen Regeln abzusprechen, die am Montag schon umgesetzt werden sollten. Für kleine Kommunen sei das überfordernd gewesen.

Corona absorbiert Zeit

Corona habe viel Zeit bei allen in der Verwaltung absorbiert. So habe man Prioritäten setzen müssen, und andere Projekte blieben gezwungenermaßen auf der Strecke. Fluorn-Winzeln wurde beispielsweise in den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord aufgenommen. Dort könnten sich künftig neue Fördermöglichkeiten eröffnen, meint Tjaden. Bisher sei das leider ein bisschen zu kurz gekommen. In Planung sei unter anderem ein Radweg von Waldmössingen bis Leinstetten.

Eine Mischung aus Disziplin und Glück sei wohl gewesen, dass man von Juni bis September keine an Corona Infizierten in Fluorn-Winzeln gehabt habe. "Das brachte sogar ein Fernsehteam von RTL zu uns", erzählt Tjaden. Von einer Spaltung beim Thema Impfen will der 57-Jährige nicht reden. "Es ist ja nur eine kleine Gruppe, die dagegen ist. Leider wollen einige Menschen die Fakten nicht mehr sehen. Das ist bedenklich. Denn woran soll man sich denn dann orientieren?"

Glaube gibt Halt

Ihm gebe der christliche Glaube Halt. "Der kann einen durch vieles durchtragen. Manches in Gottes Hand zu legen, ist eine große Entlastung. Die Wirkung des Gebetes kann kaum überschätzt werden. Wir sind verletzlich, ob wir uns das nun eingestehen oder nicht." Deshalb wünsche er den Bürgern 2022, dass auch sie einen Halt finden.

Zu den Highlights 2021 zählt für Bernhard Tjaden unter anderem, dass die Sanierung der Halle in Winzeln zügig vorangebracht werden konnte. Ein Kraftakt sei die Einrichtung einer weiteren Krippengruppe im unteren Geschoss des Kindergartens Winzeln gewesen. "Das war eine schwer zu treffende Entscheidung", sagt der Bürgermeister, denn von den Vereinen, die die Räume zuvor genutzt hatten, habe es viel Gegenwind gegeben. Dennoch habe man nun eine gute Lösung gefunden.

Nachfrage nach Kindergartenplätzen

Und wie will man künftig der zunehmenden Nachfrage nach Kindergartenplätzen nachkommen? "Wir bauen mit hohem Aufwand die Kindergarten- und Krippenplätze aus. 1,9 Millionen Euro sind dafür im Haushalt eingestellt. Das ist wenig im Verhältnis zu andernorts diskutierten Summen, aber viel für unseren Haushalt. Dazu kommen die immer höheren Aufwendungen. Dem haben wir uns aber gestellt, obwohl das die Gemeindekasse ganz schön fordert, denn die Elternbeiträge sind nur noch ein kleiner, aber dennoch unverzichtbarer Einnahmeteil (rund 13 Prozent)."

Großartig sei 2021 gewesen, wie das DRK mit viel Engagement das Testzentrum betrieben habe. Zudem hätten sich die Vereine in der Coronazeit stets diszipliniert verhalten. Er persönlich habe sich darüber gefreut, dass ein umfassender Gesundheitscheck bei ihm positiv ausgefallen sei.

Eine stolze Summe

2022 sind sechseinhalb Millionen Euro für Investitionen vorgesehen – eine stolze Summe, meint Tjaden. Rund zwei Millionen Euro sind für die Weiterführung der Hallensanierung in Winzeln vorgesehen. Viel Geld und Zeit beanspruchen wird auch die Sanierung des Kindergartens und des Schwesternhauses.

Als Schwächen der Gemeinde sieht der Bürgermeister die unterdurchschnittlichen Steuereinnahmen. Dadurch müsse man mit begrenzten Mitteln äußerst viel erreichen. Das gehe aber nur, wenn die Ansprüche nicht schneller wüchsen als die Mittel. Er hoffe zudem, dass sich mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr gewinnen lassen. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sehr gut per Bus nach Oberndorf und von dort per Bahn weiterfahren kann. Ein 365-Euro-Ticket für alle könnte da hilfreich sein. Aber es wäre auch eine Änderung in den Köpfen nötig, da die Fortbewegung mit dem Auto oft noch als alternativlos angesehen wird."

Verkehrsbelastung stark

Von manchen Bürgern als stark empfunden werde die Verkehrsbelastung in der Gemeinde, "obwohl es objektiv gesehen viele Gemeinden gibt, die wesentlich stärker belastet sind. Daher ist da auch das eigene Verhalten gefragt und nicht nur die Erwartung andere auszusperren, damit man es selbst ruhiger hat."

Stark sei Fluorn-Winzeln hingegen in Infrastruktur und Vereinslandschaft. Zudem habe man mit 92 Prozent einen Spitzenwert in Sachen regenerativ erzeugtem Strom in der Gemeinde, liege der Landesschnitt doch bei rund 35 Prozent. "Dass die katholische Kirche in Winzeln den höchsten Dorfkirchturm in ›The Länd‹ hat, ist natürlich auch eine starke Sache", sagt Tjaden. Ganz zu schweigen von den Bürgeraktionen in den vergangenen Jahren, wie "Kunst im Dorf" und "weihnachtsmannfreie Zone".

Verdichteter bauen

Immer mehr beschäftige die Gemeinden die große Nachfrage nach Bauplätzen. Was wäre aus Sicht des Bürgermeisters eine Lösung? "Es wird nötig werden, verdichteter zu bauen. Noch ist aufgrund der hier in der Gegend sehr niedrigen Grundstückspreise, die nur einen Bruchteil der im Raum Stuttgart üblichen Preise betragen, die Erwartung verbreitet, dass man ein Einfamilienhaus im Neubaugebiet baut. Das wird sich in der Dimension nicht fortsetzen lassen. Es wird nötig werden, in den Orten Mehrfamilienhäuser zu erstellen – entweder in Baulücken oder aber durch Sanierung von Wohn- und Ökonomiegebäuden. Hilfreich sind dabei die Möglichkeiten des Landessanierungsprogramms."

Die Weihnachtszeit hat Bernhard Tjaden traditionell mit der Familie verbracht. "Der Christbaum gehört immer dazu, der gemeinsame Besuch des Gottesdienstes und auch das Singen von Weihnachtsliedern. Meine Frau organisiert schon seit Jahren das Krippenspiel in der evangelischen Kirchengemeinde in Fluorn. Dies habe ich 16 Jahren lang in einem Kindergottesdienstteam auch gemacht. Daher gehört auch das Krippenspiel mit Kindern in der Kirche fest dazu. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen wie die Botschaft ankommt, Herzen berührt und zu welchen Leistungen schon Kinder fähig sind."