Für den Ernstfall muss geübt werden. Das Bild entstand bei der Kirbeübung der Feuerwehr Hechingen, Abteilung Stadt. Foto: Benjamin Roth

160 Einsätze ist die Feuerwehr Hechingen im Jahr 2024 schon gefahren. Stark gefordert waren die Wehrleute bei Überlandhilfen, beispielsweise beim Hochwasser in Bisingen. Auf solchen klimabedingten Einsatzszenarien liegt ein spezielles Augenmerk.

Die Weihnachtsfeiertage sind für die Einsatzkräfte der Hechinger Feuerwehr ruhig verlaufen. Im Gegensatz zum Jahr 2024, wie Kommandant Frank Brecht und Martin Kreller, Kommandant der Abteilung Stadt, im Gespräch mit unserer Redaktion betonen.

 

Rückblick auf das Feuerwehrjahr 2024: Insgesamt 160 Einsätze hat die Hechinger Feuerwehr im nun zu Ende gehenden Jahr absolviert. Und bis in die Silvesternacht können noch einige hinzukommen. „Besonders die zahlreichen Überlandhilfen ragen heraus“, betonen Brecht und Kreller. So war die Hechinger Feuerwehr beim Hochwasser in Bisingen im Mai unterstützend vor Ort. Auch zu einem Gefahrguteinsatz bei einem Rosenfelder Industrieunternehmen im August rückten die Hechinger Einsatzkräfte aus. Dazu zum Brand auf einem landwirtschaftlichen Hof in Ofterdingen im April sowie zu zwei Einsätzen nach Bodelshausen in den Nachbarlandkreis Tübingen.

In Hechingen selbst ist Brecht und Kreller besonders der Kellerbrand in einem Stettener Wohngebäude im September in Erinnerung. Dort hatte der Stromspeicher einer PV-Anlage Feuer gefangen. Erst kürzlich Anfang Dezember gab es zudem sechs Einsätze binnen sieben Tagen, darunter unter anderem eine Rauchentwicklung in einer Gewerbehalle im Nasswasen.

Vergleich zum Einsatzjahr 2023: Im Vergleich zum Jahr 2023 mit 308 Einsätzen musste die Hechinger Feuerwehr 2024 nicht so häufig ausrücken. „Bei Unwetterereignissen waren wir 2023 stärker gefordert“, erinnert Brecht an die Gewitterstürme im Juli und August 2023, als – laut Brecht vermutlich eine Windhose – über Teile der Zollernstadt hinwegzog. Dabei sei die Feuerwehr alleine in vier Tage 110 Einsätze gefahren. In diesem Jahr habe man insgesamt nur fünf Unwettereinsätze verzeichnet, dazu die Überlandhilfe in Bisingen.

Vorbereitung auf Hochwasser und Waldbrände: 2024 wurde Hechingen von Naturkatastrophen verschont. Infolge des Klimawandels werden Extremwettereignisse aber weiter zunehmen. Die Hechinger Feuerwehr sorgt vor, wie Kreller erklärt: „Die Feuerwehr Hechingen hat für die Bedürfnisse der Stadt eine passende Ausrüstung.“ Das beziehe sich auf Hochwasserlagen, für die man mit verschiedenen Pumpen und fahrbaren Rollcontainern gerüstet sei. Aber auch auf Waldbrände: Derzeit sei beispielsweise eine spezielle Schutzkleidung in der Testphase, die leichter als die Kleidung für die klassische Innenbrandbekämpfung ist, gleichzeitig aber auch für Unwettereinsätze oder Technische Hilfeleistungen geeignet sei. „Wichtig ist auch, dass unsere Leute für die entsprechenden Einsatzszenarien geschult werden“, fügt Brecht eine weitere Komponente hinzu.

Kooperation im Zollernalbkreis: Im Ernstfall kann die Hechinger Feuerwehr zudem auf die Unterstützung der Nachbarkommunen zählen, wie diese umgekehrt auch auf die Hechinger Feuerwehr: „Die gegenseitige Hilfe funktioniert im Zollernalbkreis vorbildlich“, so Kreller. Der Zollernalbkreis ist dabei in fünf Landkreisabschnitte eingeteilt, von denen einer in Hechingen seine Zentrale hat. In diesem unterstützen sich Rangendingen, Jungingen, Grosselfingen, Bisingen und Hechingen bei „größeren Lagen“, wie Brecht und Kreller erläutern. Bei Waldbränden gibt es im Zollernalbkreis dazu eine sogenannte „Vegetationsbrandgruppe“. Auch die Zusammenarbeit mit dem THW habe man intensiviert.

Tierrettung, Technische Hilfe, Brandwache: Das Spektrum an Einsatzszenarien war bei der Feuerwehr Hechingen auch 2024 wieder breit gestreut. „Unsere Einsätze waren zu zwei Drittel technische Hilfeleistungen und zu einem Drittel Brandalarme“, berichtet Stadtabteilungskommandant Kreller. Unter dem Begriff technische Hilfeleistung versteht man beispielsweise das fachgerechte Öffnen von Türen oder Fenstern, wenn dies zeitkritisch nötig ist. Ein Beispiel: Eine ältere Person ist gestürzt, kann nicht mehr aufstehen und der Rettungsdienst kommt nicht in die Wohnung. Dann ist die Feuerwehr gefragt, um Fenster oder Türen zu öffnen. „Wir haben rund 15 extra dafür ausgebildete Kräfte“, ergänzt Brecht. Denn: Klassische Schlüsseldienste gebe es immer weniger.

Martin Kreller, Abteilungskommandant der Abteilung Stadt, und Kommandant Frank Brecht vor dem neuen HLF. Foto: Roth

Weiter gehöre zum Alltag die Tierrettung. In Hechingen sei beispielsweise ein Mäusebussard zwischen zwei Häusern eingeklemmt gewesen. Auch für Brandsicherheitswachdienste während der Fasnet in der Stadthalle sei die Feuerwehr im Einsatz.

Neue Fahrzeuge und Rollcontainer: Wachsenden Herausforderungen kann nur mit einer entsprechenden Ausrüstung begegnet werden. 2024 hat die Hechinger Feuerwehr daher ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF), dazu einen Gerätewagen Transport eingeweiht. Darüber hinaus sind drei Rollcontainer und Flammschutzhauben neu. Letztere schützen das Gesicht unter anderem vor giftigen Stoffen im Brandrauch. Und auch 2025 sind Neuanschaffungen in Aussicht, darunter ein Einsatzleitwagen sowie ein weiteres HLF. Weiter steht ein neuer Feuerwehrbedarfsplan auf der Agenda.

Ein Wunsch für die Zukunft: Brecht betont: „Hechingen ist eine wachsende Stadt, die Industrie wächst. So wachsen auch die Aufgaben für die Feuerwehr.“ Derzeit sei der Personalstand zwar gut, für die Zukunft wünschen sich Brecht und Kreller aber von der Politik die sogenannte und diskutierte Dienstpflicht. Eine solche sei für den Katastrophenschutz in Deutschland wichtig, betonen die beiden Feuerwehrleute. In Zeiten der Wehrpflicht seien viele junge Menschen als Alternative bei der Feuerwehr gelandet – und dort auch hängen geblieben.

Über 210 Feuerwehraktive verfügt die Hechinger Feuerwehr

Personalstand
 Die Feuerwehr Hechingen verfügt derzeit über 210 Feuerwehraktive. „Wir haben einen guten Zulauf in allen Abteilungen“, zeigen sich Kreller und Brecht zufrieden. Dieser sei auch nötig, um perspektivisch die Abgänge aus den geburtenstarken Jahrgängen zu kompensieren. Brecht lobt zudem die Hechinger Unternehmen, die auch tagsüber im Ernstfall Einsatzkräfte für ihr Ehrenamt freistellen: „Ohne die Unternehmen kann es nicht funktionieren“, so Brecht.

Nachwuchs
 Um von Kindesbeinen an attraktiv zu sein, hat die Hechinger Feuerwehr 2024 die Kinderfeuerwehr ins Leben gerufen. „Die wird sehr gut angenommen“, so Brecht. So könnten schon Kinder von sechs bis zehn Jahren angesprochen und der Übergang zur Jugendfeuerwehr geschaffen werden. Nachwuchs sei immer willkommen, Quereinsteiger auch.