Mit 78 Beschäftigten stellt die Gemeinde Vöhringen laut Bürgermeister Stefan Hammer ein kleines mittelständisches Unternehmen dar. Foto: Fahrland

Nach seiner Wiederwahl trat Bürgermeister Stefan Hammer im März seine dritte Amtszeit an. Finanziell ist die Gemeinde heute komfortabler aufgestellt als 2007. Im Jahresendgespräch nimmt er Stellung zu den Themen des abgelaufenen und neuen Jahres.

Viel Geld floss und fließt in die Sanierung Goethestraße, für die Mühlbachschule wurden substanzerhaltende Ausgaben beschlossen. Neue Bestattungsformen wurden vorgestellt und die Gebührenordnung angepasst.

 

Was wurde umgesetzt?

In Wittershausen sei unter anderem ein Maßnahmenpaket an der Grundschule umgesetzt worden, zählt Stefan Hammer im Rückblick auf. Auf dem Rotholzgelände haben die Abbrucharbeiten zur Bereitstellung von Gewerbeflächen begonnen.

Auch im Hintergrund sei viel passiert, etwa die Anbahnung eines Verfahrens zur Stromkonzessionierung. Zwar hielten absichtlich begangene Ordnungswidrigkeiten die Polizei auf Trab, doch es gab auch viel Grund zur Freude.

Veranstaltungen

Höhepunkte waren für Hammer das Vöhringer Dorffest und der Wittershauser Adventsmarkt. Für eine positive Außenwirkung habe auch „Rock am Burghaldenweg“ mit vielen ehrenamtlichen Helfern gesorgt. Das zeige den Zusammenhalt im Ort und den Willen, gemeinsam etwas zu bewegen.

Genaue Vorstellungen

Als faszinierend empfindet Hammer die detaillierten Vorstellungen der Jugendlichen, die mit dem Abriss der alten Halle den Jugendclub eingebüßt haben und einen neuen Treffpunkt brauchen. Aus den Terminen des Jugendforums gingen gute Konzepte hervor.

Im Budget 2024 ist der Bau eines Multifunktionsspielfelds enthalten. Gründe wie die fußläufig erreichbare Lage trotz gebührenden Abstands zum Ort, Infrastruktur und Sicherheitsaspekte sprechen für einen Standort im Umfeld von Tonauhalle, Sportgelände und Festplatz. Das Beachvolleyballfeld soll erhalten werden.

Als Erleichterung empfindet Hammer das Überlandhilfe-Abkommen der Feuerwehr, das „im nördlichen Landkreis endlich funktioniert.“ Rechtzeitig zum 25-jährigen Bestehen der Jugendfeuerwehr wird ein gebrauchter Neunsitzer zur Personenbeförderung angeschafft.

Bevölkerung und Personal

Zu Jahresbeginn tritt ein Förderprogramm der Gemeinde in Kraft, das Anreize für die innerörtliche Wohnraumschaffung setzen soll. „Mit den Einwohnern steigen die Aufgaben“, konstatiert Hammer. Allein binnen Jahresfrist ab 30. Juni 2022 seien 200 Einwohner hinzugekommen, während seiner Ägide seit 2007 wuchs die Bevölkerung, vor allem durch Neubaugebiete und Nachverdichtung, um 500 auf rund 4700 Personen.

Kleines mittelständisches Unternehmen

Mit 78 Beschäftigten stelle die Gemeinde ein kleines mittelständisches Unternehmen dar und reihe sich vermutlich bereits in die Top 5 der Vöhringer Arbeitgeber ein. Zuletzt wurde eine Personalentscheidung getroffen, um die Stelle der stellvertretenden Finanzleitung zu besetzen. Die fachfremde Person, „der wir diese Aufgabe zutrauen“, sei noch bis zum Frühjahr bei ihrem bisherigen Arbeitgeber gebunden.

Im Kindergartenbestand seien derzeit alle Stellen besetzt. Ob alle geplanten Provisorien mit Leben erfüllt werden können, bleibe eine spannende Frage. Die für die Bürger erweiterten Öffnungszeiten im Bürgerbüro seien, gemessen an der Besucherfrequenz, noch nicht so recht im Bewusstsein der Bürger angekommen.

Herausforderungen

In der Flüchtlingsunterbringung plädiert Hammer für eine differenzierte Betrachtung statt Plattitüden. In den letzten Monaten habe es keine größeren Zuweisungen gegeben. Bei Geflüchteten aus der Ukraine liege man im Soll. Sie kamen privat sowie in der Eythstraße und im ehemaligen Pfarrhaus Wittershausen unter. Bei Geflüchteten aus anderen Ländern liegt Vöhringen um zehn bis 15 Personen unter dem Soll.

Bedarf an Ganztagsbetreuung ist enorm gestiegen

Ein Déjà-vu wie vor der Inbetriebnahme der Mühlbachkita vor weniger als zehn Jahren erlebe er in der Diskussion um die erforderlichen Kinderbetreuungskapazitäten. Der extrem gestiegene Bedarf an Ganztagesbetreuung und für U3-Kinder spiegle den gesellschaftlichen Wandel wider und habe die Verwaltung stark beschäftigt.

Zukunftsprojekte

Bei der Entwicklung des Hofäckerareals habe die gesamtwirtschaftliche Lage der Gemeinde einen Streich gespielt. Die Altlasten sind längst beseitigt, doch ein konkretes Angebot eines Investors liege nicht vor. Bezüglich des Gesundheitszentrums sei die Nachfrage von Patienten vorhanden, aber auch die Scheu potenzieller Betreiber, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Die Zusage für eine „Sehne“-Bäckereifiliale habe sich zerschlagen. Mit der STEG Stadtentwicklung stehe er im regelmäßigen Austausch. Der Gemeinderat werde sich im ersten Quartal mit dem Projekt Tagespflege und Betreutes Wohnen befassen. Für diesen Bauabschnitt ist die Entwurfsfeststellung erfolgt.

Weitere Themen der Zukunft

Windkraft, Kita-Neubau und die Realisierung eines Radverkehrskonzeptes sind weitere Themen. Einen Meilenstein für den Lärmschutz Wittershausen stellt der Vertragsabschluss mit der Firma Gfrörer dar. Mit Windkraft-Einflüssen ist laut Hammer von der Nachbargemarkung ohnehin zu rechnen.

Ob er mit seinem Eindruck richtig liege, dass die gesellschaftliche Mehrheit für erneuerbare Energien aufgeschlossen ist, werde ein Bürgerentscheid offenlegen, über den der Gemeinderat noch beraten wird. Keineswegs „der halbe Wald“, wie Kritiker gerne betonen, sondern lediglich 0,45 Prozent des Gemeindewaldes müsste für die Windkraft weichen, rechnete Hammer vor.

Aufholbedarf bei der Digitalisierung

Aufholbedarf gibt es bei der Digitalisierung, gibt Hammer zu. Im Baurecht ist die E-Akte kreisweit realisiert, doch „vom papierlosen Rathaus sind wir noch weit entfernt.“ Auf der Agenda stehen Aktualisierungen und ein Relaunch der Homepage.

Seit seinem Wechsel aus dem Ordnungsamt wäre Peter Schäuble eigentlich je zur Hälfte für die Digitalisierung und die Unterstützung des Hauptamts zuständig, musste aber einen höheren Anteil seiner Arbeitszeit für Lohnabrechnungen und Krankheitsvertretung aufwenden. Auch Personalzuwachs und die Fluktuation in der Kinderbetreuung durch familiäre Neukonstellationen spielten eine Rolle.

Die Kommunalwahlen lassen Änderungen in den Gremien erwarten, kündigte Hammer an. Er selbst wird erneut für den Kreistag kandidieren.