Bei seinem Jahreskonzert stellte der Musikverein Tannenkirch sein Können unter Beweis. Dirigent Sebastian Wagner wurde verabschiedet.
Wird diese dann noch so sauber und inspiriert umgesetzt wie von den Musikern des Musikvereins Tannenkirch, ist der Erfolg gesichert. Es war bemerkenswert, wie Dirigent Sebastian Wagner auf dem „Instrumentarium“ Blasorchester spielte, die Musiker zu Höchstleistungen anspornte und immer wieder talentierten Solisten Raum gab.
Drei Jahre lang leitete Wagner das Aktivorchester. Ab Februar übernimmt Gloria Hauth den Taktstock – sie hörte an diesem Abend aufmerksam zu. „Wir bedanken uns, dass Tannenkirch ein Zwischenstop auf deiner Reise war“, sagte Vorsitzende Isabell Dyballa zum scheidenden Dirigenten und überreichte ihm ein Kuvert und einen Korb voller Wegzehrung.
Zu Beginn des Konzerts unter dem Motto „Land of make believe“ füllte das große gemeinsame Jugendorchester Efringen-Kirchen-Tannenkirch, kurz „Ekitaki“, die Bühne, an diesem Abend unter Alexander Schlegels Leitung. Besonders gut kamen die vier Sätze der „Africa Suite“ an, vom Safaristart über kollektives Aufstampfen, trompetende Elefanten und eingängige, gut gehaltene Rhythmen bis zum Aufschrei „Ein Krokodil“. Hier retteten sich die jungen Musiker auf die Stühle und spielten dort weiter, bis das Werk mit dem fröhlichem „Affen-Rock“ ausklang.
Eindrucksvoll war der „Sound of the ancient giants“, inspiriert von den Götterstatuen der Osterinsel, gut umgesetzt mit exotisch klingenden Querflöten, sich reibenden Harmonien der Holzbläser und an polynesische Trommeln erinnerndes Schlagwerk.
Pferdegetrappel und große Gefühle
Auf langen Applaus folgte Pharell Williams „Happy“ als Zugabe, dann schlug die Stunde des Aktivorchesters mit Kees Vlaks „New York Overture“, einem mitreißend abwechslungsreichen Werk mit Jazzelementen, triumphal-dynamischem Auftakt, zart zurückgenommenen Parts der Saxofone und Blechbläser und rasanten Tubas zum rasant-geschmeidig swingendem Spiel des gesamten Orchesters. Röhrenglockenschläge eröffneten die ruhige Passage mit durchlaufenden Rhythmen der tiefen Blechbläser und fein swingendem Trompetensolo, gefolgt von Big-Band-Sound, Pferdegetrappel zur Westernmusik und rollendem Schlagzeug beim epischen Finale.
Ralf Lais zeigte sich erneut als heiter-informativer Ansager. „Einziger Zweck ist es, uns komplett in den Wahnsinn zu treiben“, kommentierte er David Maslankas gewollt chaotisches „Rollo Takes a walk“. Es folgten große Gefühle mit George Gershwins Jazzoper „Porgy and Bess“.
Musikalische Reise an abenteuerliche Orte
Mit sauber umgesetzter Dynamik, gelungenen Wechseln vom leichtfüßig interpretierten „I got plenty o’ nuttin’“ zu schönem Saxofonsolo, fülligem Tutti und zart ausgehauchtem „Summertime“ bis zum ergreifenden Liebeslied „Bess you ist my woman now“ meisterten die Musiker mit Bravour das anspruchsvolle Werk und ernteten verdienten großen Applaus.
Auf den Aufwärmer „Land of make believe“ im lockeren Tanzmusikstil folgte im zweiten Konzertteil großes Kopfkino. Die Zuhörer reisten zu knackigen Trompeten und füllig-weichem Klang der Hörner und Posaunen mit der „Indiana Jones Selection“ an exotisch-abenteuerliche Orte, amüsierten sich zur mitreißenden Jazzversion von Henri Mancinis „Pink Panther Theme“ mit souveränem Saxophonregister und gekonnten Wechseln der hellen und dunklen Bläser und erlebten knisternde Spannung mit Ennio Morricones legendärer Italowestern-Filmmusik.
Immer wieder brauste starker Applaus durch die komplett gefüllte Halle, erst nach zwei Zugaben durfte die Aftershowparty im „Saloon“ beginnen.