Das Jahreskonzert des Musikvereins „Harmonie“ Betra entführt über Kontinente hinweg – ein Abend, an dem Dirigent und Orchester Klangwelten erschaffen, die begeistern.
Wenn es eine Kapelle schafft, mit jedem Ton ganze Landschaften entstehen zu lassen, dann wird schnell klar, dass hier ein Blasorchester aufspielt, das weit mehr kann, als nur Noten zu Gehör zu bringen. Um diese Klangwelten für den Zuhörer spürbar zu machen, bedarf es nämlich an Emotionen, die der Dirigent aus den Reihen seines Orchesters herauskitzelt und dadurch die Herzen der Konzertbesucher höher schlagen lässt. Die Akteure des Musikvereins (MV) „Harmonie“ Betra und ihr Dirigent Elias Kowalski verkörpern diese Eigenschaften und Bedingungen auf eine nahezu magische Art und Weise.
Dies mag nur einer der Gründe sein, warum die Karten für das diesjährige Jahreskonzert der „Harmonie“ bereits im Vorverkauf ausverkauft waren. Glücklich schätzen konnte sich, wer sich einen der über 400 Plätze in der Hohenzollernhalle sichern konnten.
In die offene Prärie
Schon mit den ersten Takten des Stücks „Silva Nigra“ wurde deutlich, dass die Musikerinnen und Musiker nicht nur die Schönheit des Schwarzwalds in zauberhaften Klängen beschreiben können, sondern auch die Szenerie in eindrucksvoller Qualität nuanciert zum Klingen bringen. In dem Arrangement „In einem fernen Land“ wurde die Reise von der grünen Insel Irland in die offene Prärie Amerikas begleitet von der Sehnsucht nach Liebe, Lebensfreude, Ferne und Freiheit. Majestätische Klänge bis hin zu typisch irischen Melodien und sanften Harmonien schufen ein wahres Wechselbad an Emotionen.
Spürbar verkörperten die Musiker und ihr Dirigent die Lebensfreude der Iren. So avancierte Kowalski auf seinem Bühnenpodest beinahe selbst zum Tänzer, als er mit lautem Stampfen passend die Tanzmelodie umrahmte. Auch Wehmut bis hin zur Vorfreude auf die neue Welt waren spürbar, bis das Stück in einem furiosen Finale mündete.
Japanische Trommeln
Mit einem Arrangement der 9. Symphonie „Aus der neuen Welt“ (Dvořák) machten die Akteure die Größe und Schönheit von Amerika deutlich. Im nächsten Werk „Fuji-san“ dominierte vor allem das Schlagwerk. So organisierte der MV für die Darbietung extra zwei traditionelle, japanische Nagado-Daiko-Trommeln, die mit einem Solo gleich zu Beginn bravourös in Szene gesetzt wurden. Nicht nur das Publikum, sondern auch Dirigent Kowalski ließ die Leistung der beiden Mannen lautstark aufjubeln. Was darauf folgte, war ein gewaltiger, rhythmischer Weckruf, der sich durch das gesamte Werk zog. Die Schläge der „Nagado-Daiko“ gepaart mit den Bassklängen sorgten für ein Klangerlebnis, das sich durch Mark und Bein der Zuhörer zog.
Weiter ging es mit einem „Aladdin Medley“ auf dem fliegenden Teppich in den Orient, was für eine beschwingte Atmosphäre sorgte. So zog Kowalski zu „A Friend Like Me“ das Publikum klatschend und tänzelnd voll mit und rockte mit seinen Musikern auch gehörig die Halle mit dem „Guns N’ Roses“-Hit „Welcome To The Jungle“.
Eine Schneelandschaft
Nach dieser wilden Performance präsentierte sich dem Publikum mit „Schmelzende Riesen“ eine verträumte Schneelandschaft, bevor es mit „Jambo Africa“ wieder ordentlich heiß auf der Bühne wurde. Nach dem brillant umgesetzten Arrangement zu „Fluch der Karibik“ folgten nicht enden wollende, stehende Ovationen.
Dies wurde entsprechend belohnt, indem es mit der Harmonie über die Tiroler Alpen und auf der Landstraße (Country Roads) wieder nach Betra ging. Beim Publikum schien das Fernweh zu überwiegen: Gerne wären sie an diesem Abend noch viel weiter und länger mit dem MV musikalisch gereist.
Ehrungen
Verdiente Musiker
Der Musikverein (MV) „Harmonie“ Betra ehrte im Rahmen des Jahreskonzerts verdiente Musiker. Die Ehrungen überreichte Michael Danninger vom Blasmusikkreisverband. Für 40-jähriges Musizieren wurde Petra Dürr die BVBW-Ehrennadel in Gold mit Diamant überreicht, während Franz-Josef Nafz für sein 60-jähriges Wirken beim MV ausgezeichnet wurde. Er erhielt die seltene BVBW-Ehrennadel in Platin mit Diamant.