Die Big Band „W“hat das Publikum im Schlachthof mit verschiedenen Musikstilen mitgerissen. Foto: Haberer

Die Musiker haben bei ihrem Jahreskonzert im Lahrer Schlachthof einmal mehr ihr Können unter Beweis gestellt. Die schwungvollen Arrangements über verschiedene Genres hinweg überzeugten.

Ein ausverkauftes Konzert am Samstagabend, eine gut besuchte Matinee am Sonntag: Das Jahreskonzert der Big Band „W“ im Schlachthof ist längst eine feste Bank für das einst von Karl Otto Bäder gegründete Kollektiv.

 

Klassischer Swing, Bigbandsound und satte Bläsersätze, aber auch Blues, Fusion, etwas Pop und eine Prise Weltmusik – die Truppe um Bandleader Hanjo Gißler hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Arrangements und Eigenkompositionen von Carlo Bäder, dem die Band im Stifsschaffneikeller erst im November des vergangenen Jahres ein Ständchen in eigener Sache zum 90. Geburtsjahr gewidmet hat, treffen auf eine bunten Strauß stilistisch ganz unterschiedlich angelegter Songs aus nahezu allen Genres. Die Mischung macht’s: Das am Ende immer auch eigenständige Statement, das den musikalischen Kosmos einer 20-köpfigen Big Band immer wieder lustvoll auslotet, Bäders Erbe würdigt und doch auch zu neuen Ufern aufbricht.

Die Big Band „W“ steigt knackig in das am Ende gut zweistündige Konzert ein, nämlich mit „Basie Straight Ahead“, eine neu erarbeitete Verbeugung vor dem legendären Count Basie, gefolgt von einer atmosphärischen Gegenbewegung. Ruhige, entspannte Töne, musikalische Bilder eines Sonnenaufgangs, eher ungewöhnlich für eine Komposition von Trombone Shorty, einem Erneuerer des Sounds von New Orleans.

Sängerin Isabel Haist ist großer Aktivposten

Es folgt ein griffiger Blues – Gitarrist Peter Mall im Dialog mit den Bläsern –, bevor Frontfrau Isabel Haist bei „Every Day I have The Blues“ von Cole Porter zum ersten Mal in das Geschehen eingreift. Die Sängerin mit rauchigen Vokalharmonien, die sich immer wieder aufschwingen vor kaum gezügelter Leidenschaft, ist einer der großen Aktivposten. Der lateinamerikanische Charme eines Bosa Nova zeigt sich im Anschluss an „Don’t set me free“ – eine Nummer von Carlo Bäder. Der erste Set endet mit einem Ausflug in die 1980er-Jahre, einem Song der „Yellow-jackets“.

Der zweite Set startet mit Pat Methenys „Beat 70“ durch, ein bisschen Partysound, etwas Latin, das Arrangement typisch Big Band. Es folgt „Abracadabra“, Jazzrock von Klaus Doldinger. Isabel Haist kehrt im Anschluss mit zwei Klassikern von Cole Porter zurück. Mit „Baker Street“ von Gerry Rafferty dringt die Band mit swingendem Unterton in das Feld der Popmusik vor, bevor sie mit „True Sorry“ den vielleicht bemerkenswertesten Pflock des Abends einschlägt. Das Stück stammt aus der Feder des libanesischen Trompeters Ibrahim Maalouf. Ein Stück Weltmusik: Isabel (an der Bratsche) und Stefan Kürz (am Flügelhorn) prägen mit außergewöhnlichen Klangbildern nicht nur das Intro des Songs, der einen bemerkenswerten Kontrapunkt setzt.

Zweite Runde am Sonntag

Das eigentliche Set endet mit „Let’s go to work“, einem weiteren Song, der neu im Programm ist. Dann springt die Big Band direkt hinein in die beiden Zugaben, die ganz ohne Ansage herausgehauen werden. „Mixtapes“ und „Bang Bang“ eine schwungvolle Mörderballade, bei der nicht nur Isabel Haist noch einmal richtig aufdreht. Es geht auf Mitternacht zu, bis die Band hinter der Bühne verschwindet, nachdem die letzten Besucher gegangen sind.

Am Sonntag um 11 Uhr ging es für die Big Band „W“ in die zweite Runde. Denn auch in diesem Jahr sind wieder gut 250 Karten im Vorverkauf weggegangen. Ein einziges Konzert vermag den Bedarf längst nicht mehr zu stillen.