Die Hauptkapelle mit Dirigentin Stephanie Schwarz Foto: Frey

Das Jahreskonzert des Musikvereins Loßburg stieß auf viel Gegenliebe: Rund 350 Gäste waren ins völlig überfüllte Kinzighaus geströmt.

Loßburg - Noch am selben Tag war über eine Verlegung in die Sporthalle nachgedacht worden, denn im Kinzighaus war kein einziger Sitzplatz mehr zu bekommen. An den Seiten standen die Zuschauer bereits dicht gedrängt. Die Atmosphäre im Kinzighaus und der organisatorische Aufwand veranlassten die Veranstalter dann doch dazu, im Kinzighaus zu musizieren.

Nach zweijähriger coronabedingter Pause hatte der Musikverein Loßburg wieder zu einem Jahreskonzert eingeladen. Den Auftakt machte die Bläserklasse der Klasse vier der Gemeinschaftsschule unter der Leitung von Katrin Springmann. Mit viel Schwung ging es los mit "Let’s Play", was die jungen Musiker durchaus wörtlich nahmen. Bei den "Brunnenvariationen" hörte man das Wasser plätschern und bei "Pipi Langstrumpf" ging die Post ab. Erfrischend waren die charmanten und spontanen Kommentare zu den einzelnen Stücken durch die jungen Musiker selbst.

Jugendorchester entführt nach Brasilien

Auch das Jugendorchester unter der Leitung von Stephanie Schwarz zeigte sich gut eingespielt. Mit dem Konzertöffner "Soar With the Dragons" von Rob Romeyn begeisterten die jugendlichen Musiker die Zuhörer. Beim "Coconut Song" von Luigi die Ghisallo hörte man im Publikum die Kokosnüsse zu Boden fallen. Und mit "Mama Paquita" von Michael Story entführte das Jugendorchester nach Brasilien. Eigentlich ein Volkslied, gehört das Stück zu jedem Volksfest und ist eng verbunden mit dem brasilianischen Karneval.

Auch hier moderierte ein Mitglied des Jugendorchesters charmant die einzelnen Stücke an. Die Aufforderung "Sparen Sie nicht mit dem Applaus" war kaum ausgesprochen, da brandete der Beifall auch schon auf. Die Zugaberufe blieben nicht ungehört, und so verabschiedeten sich die jungen Musiker mit einem weiteren Stück, das ebenfalls mit sehr viel Beifall bedacht wurde.

Programm entsprechend gekürzt

Nach einer kurzen Umbauphase auf der Bühne begrüßte der Vorsitzende Claus Schwab die Gäste. Da die Probezeiten kürzer als üblich waren, sei auch das Programm entsprechend gekürzt worden. "Aber nach Corona sind alle wieder zurückgekommen. Das spricht auch für die Arbeit und die Motivationsgabe von Dirigentin Stephanie Schwarz", sagte Schwab.

Und schon mit dem Konzertmarsch "Arsenal" von Jan van der Roost zeigte die Hauptkapelle unter dem Dirigat von Schwarz, dass die lange Zwangspause keinesfalls zu einem Qualitätsverlust geführt hatte. Schwungvoll, mitreißend und fröhlich präsentierte das Orchester den Marsch, dafür gab es stürmischen Beifall und Bravorufe. Die "kleine ungarische Rhapsodie" von Alfred Bösendorfer versprach einen Streifzug durch die ungarische Puszta. Mit romantischen und traurigen Klängen erzählte sie vom alten Spiel um Liebe und Leid. Anfangs erklangen deutlich erkennbar Czardas-Melodien, die von einem langsamen und besinnlichen Zwischenteil unterbrochen wurden, bevor es am Ende wieder feurig wurde.

Klimaerwärmung musikalisch umgesetzt

Auch das Thema "Klimaerwärmung" wird inzwischen musikalisch umgesetzt. Die "Schmelzenden Riesen" von Armin Kofler widmeten sich dem Dahinschmelzen der Gletscher. Ergreifend war ihr Klagelied, mit dem sie den unwiederbringlichen Verlust ihrer Existenz betrauern. Im Mittelteil dagegen erklang das fröhliche Glockengeläut der Schlittenhunde mit ihren Gespannen, die zumindest dafür noch ein bisschen Schnee unter ihren Pfoten finden.

Es folgte ein rascher Themenwechsel hin zu "The Greatest Showman", bekannt als Film und als Musical. Darin wird die Geschichte von P. T. Barnum erzählt, der seine Arbeit verliert und eine verrückte Idee in die Tat umsetzt. Er gründet einen Zirkus mit kuriosen Gestalten, atemberaubenden Tänzern und Akrobaten. Mit Hilfe eines Theatermachers gelingt ihm der Durchbruch. Für die Musik gab es einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung. Auch das Publikum zeigte sich verzaubert und bedankte sich mit Bravorufen und ganz viel Applaus.

Claus Schwab trägt Gedicht vor

Die Musik von "The Story" wurde durch den Film "Für immer Dein" bekannt. Sehr gefühlvoll setzt sie das Thema einer Romanze mit überbordenden Gefühlen um. Mit dem schwungvollen Konzertmarsch "Salemonia" von Kurt Gäble, der auf das Städtchen Salem am Bodensee anspielt, endete ein furioses Jahreskonzert, das mit nicht enden wollendem Beifall bedacht wurde.

Claus Schwab selbst schlug nach dem Vortrag seines Gedichts zu den Nöten eines Konzertbesuchers nach zwei Jahren auf dem Sofa viel Gelächter entgegen. "Was zieh ich heute Abend bloß an? Alles kneift, nichts passt mehr, die Haare ergraut, die Falten deutlich sichtbar. Die Lösung: Nach einigen Stunden auf der Tanzfläche und dem nötigen Alkohol ist das alles egal."