Mal gefühlvoll, mal temporeich, vom Orient über die hohe See: Die Kappeler Kapelle zeigte bei ihrem Jahreskonzert, wie abwechslungsreich sie ist.
Mehr als 300 Gäste lockte das Jahreskonzert der Musikkapelle Kappel (MKK) an. In nahezu voll besetzter Mehrzweckhalle verwöhnte nicht nur sie die Zuhörer mit einem abendlichen Feuerwerk der Blasmusik, denn für den ersten Teil hatte die Kapelle ihrem befreundeten Münchweierer Musikverein die Bühne überlassen – gewohnt souverän geleitet von Dirigent Christian Sade.
Zum Einstieg erklang ein von Robert Beringen arrangiertes fröhliches „Cantastoria“ als Bänkelsänger-Sonate mit aktualisierten Melodien des 17. Jahrhundert, als Kontrast gefolgt von einem „Alladin Medley“ mit höchst schwungvollen Melodien des gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilms. Die „Heroes of the Marvel Universe“ kamen hingegen als weiteres Medley triumphal mit monumentalen Momenten bis hin zu packenden fiktionalen dramatischen Höhepunkten daher. Da drehte sich nämlich wackere Comic-Helden wie „Black Panther“, „Iron Man“ oder „Captain America“.
Vom selben Arrangeur Michael Brown stammte ein weiteres Medley „Coldplay on Stage“ mit tempomunteren und teils langsameren Melodien der entsprechenden britischen Soft-Rockband. Ein orchestriertes „Don’t start now“ der Sängerin Dua Lipa kam hingegen eher poppig daher, bevor ein ähnlich schwungvolles Medley der einstigen Chicago-Band das gute Zusammenspiel der Kapellen-Register unter Beweis stellte. Mit Zugabe des „Sympatria“ von Thomas Asanger verabschiedete sich die Münchweierer Kapelle.
Flöten sorgen für emotionale Momente
Im zweiten Konzertteil entführte Dirigentin Angela Pace mit ihrer kompletten Kappeler Musikkapelle anfangs erneut in den Orient – nämlich mit „Arabian Dances“ von Brian Balmages mit authentischen Melodien und Rhythmen samt intensivem Einsatz der Perkussionisten und Flöten in rasantem Tempo. „Time to say Goodbye“ alias „Con te partiro“ hingegen entführte in die rührselige Schlagerwelt kurz vor der Jahrtausendwende. Hier brillierten besonders die gleichermaßen stimm- und ausdrucksstarken Katharina Eckel und Marius Bührle als melancholisch-traurig singendes Duo zur zarten Instrumentalbegleitung. Beim „Flutes forever“ von Wim Laseroms rückte hingegen das Flötenregister ins Zentrum des musikalischen Geschehens. Die Hommage an Flöteninstrumente geriet mitreißend munter, beschwingt und temporeich – insbesondere dank der jungen Solistinnen Nathalie Häfele, Romy Wild und Miriam Jäger. Die Jungmusiker hatten sich kurz zuvor ihr silbernes Leistungsabzeichen erspielt.
Kapelle geht musikalisch auf hohe See
Anschließend folgte ein musikalischer Sprung ins kühle Nass: Nämlich mit einem „Santiano Medley“ der bekannten Shanty-Rockband mit vier deren beliebtesten Seemannslieder. Hierzu toste stilgerecht nicht nur Wellengang auf der Großleinwand im Hintergrund. Vorne am Bühnenrand begeisterten mit Marius Bührle, Dominik Binning, Konrad Konzack, Florian Rottenecker und Michael Wieber gleich fünf „Seebären“ bis hin zur verzweifelten Klage: „Es gibt nur Wasser – wir brauchen Rum!“
Als besondere Überraschung hatte sich die Kapelle zu ihrem Jahreskonzert Spezialgäste auf die Bühne geholt: zwölf traditionsgerecht grüngewandete Kaiserstühler Jagdhornbläser der Freiburger Jägervereinigung mit ihrem Leiter Horst Baumer. Im Kapellen-Arrangement war nun zwischendurch auch etwa der Jäger von Kurpfalz mit eingewoben, wie manch anderes Volkslied von der Schwarzwaldmarie bis zu den Räubern im Wald. Den beeindruckenden Schlusston setzte hierzu ein Hirsch-Brunftruf aus einer Teleskop-Pappröhre.
Kapelle spielt 36 Melodien im Schnelldurchlauf
Mit dem „Einzug der Plagiatoren“ von Siegfried Bethmann erklangen anschließend gleich 36 bekannte Marschmelodien im Schnellmix, etwa vom Einzug der Gladiatoren über Radetzky-Marsch bis zur lustigen Seefahrt oder dem Kampftorero aus Carmen. Möglichst viele davon auf einem vorab ausgelegten Bingo-Zettel anzukreuzen, erwies sich allerdings angesichts des hohen Tempos als schier unmöglich – aber unterhaltsam war’s dennoch.
Den musikalischen Höhepunkt setzten die Musiker schließlich mit dem „Galop Infernal“ von Jacques Offenbach. Das stammt aus dessen Opern-Persiflage „Orpheus in der Unterwelt“ und ist weithin wesentlich besser bekannt als „Höllen-Cancan“ – mehr Schwung ging nicht mehr. So kamen die Kappeler um laute Zugaberufe nicht herum. Nicht ganz unvorbereitet: Mit „Little Drummer Boy“ als rührseligem US-amerikanischem Weihnachtslied wurde noch die Vorweihnachtszeit eingestimmt, samt zwei langsam durch die Halle marschierenden Trommlern.