Schopflochs Bürgermeister Thomas Staubitzer macht kein Geheimnis daraus, dass derzeit unliebsame Entscheidungen getroffen werden müssen. Warum er dennoch Aufbruchsstimmung spürt.
Bürgermeister Thomas Staubitzer erklärt im Jahresinterview mit unserer Redaktion, warum Gestalten in der Kommunalpolitik derzeit kaum noch möglich ist, er trotzdem oder gerade deshalb ein verstärktes Wir-Gefühl wahrnimmt – und wie weit er nach mehr als 1000 Tagen im Amt mit dem ist, was er sich vorgenommen hat.
Was war 2025 für ein Jahr für die Gemeinde Schopfloch?
Aus meiner Sicht war es zwar ein schwieriges Jahr, weil durch die finanziell schlechte Lage nur sehr sparsam und zurückhaltend agiert werden konnte, trotzdem spürte ich bei manchen Gelegenheiten auch eine Art „Aufbruchstimmung“. So gründete sich im Ortsteil Unteriflingen eine neue Dorfgemeinschaft. Auch die Beteiligung am Hüttensommer wurde oftmals dadurch genutzt, gemeinschaftliche Projekte und Wünsche durch Spenden zu unterstützen.
Was waren in diesem Jahr die wichtigsten Meilensteine für Ihre Gemeinde?
Der Breitbandausbau wurde vorangetrieben. Trotzdem läuft es immer noch viel zu schleppend. Wir haben uns mit Dornstetten für einen Projektierer für einen möglichen Windpark geeinigt. Erfreulich war der Spatenstich für das Kundencenter und Betriebsrestaurant von Homag. Für das neue Feuerwehrhaus wurden viele Vergaben getätigt. Mit Baubeginn des Radwegelückenschlusses zwischen Schopfloch und Oberiflingen wurde ein jahrzehntelanger Wunsch realisiert. Auch die Renaturierung des Tälesbachs war bedeutend.
Die Finanznot der Kommunen ist derzeit ein bestimmendes Thema. Wie prekär ist die Lage in Schopfloch?
Auch in Schopfloch ist die finanzielle Lage sehr angespannt. Nur mit großer Kraftanstrengung und einer finanziellen Verbesserung von jährlich 300 000 Euro im laufenden Betrieb bekommen wir einen genehmigungsfähigen Haushalt. Dies zu erreichen bedarf vieler Maßnahmen. Auch unliebsame Beschlüsse und Entscheidungen wie Gebührenerhöhungen, Kürzungen oder Streichungen von Zuwendungen müssen getätigt werden.
Können Sie überhaupt noch gestalten oder nur noch verwalten?
Gestalten ist derzeit nur schwer möglich. Notwendige Maßnahmen müssen teilweise zeitlich geschoben werden. Trotzdem werden wir auch weiter die Planungen einzelner Projekte vorantreiben. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es uns finanziell wieder besser gehen wird, so dass wir dann vorbereitet sind und in die Umsetzung schnellstmöglich einsteigen können.
Schopfloch soll 1,64 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten. Hilft Ihnen diese Summe wirklich dabei, die Infrastruktur zu ertüchtigen?
Diese Summe tut auf jeden Fall erstmal gut. Allerdings haben wir im Unterhaltungsbereich einen hohen Investitionsstau, für den dieses Geld wohl nicht genutzt werden kann. Deshalb muss gut überlegt werden, für welche (Neu)-Investitionen in die Infrastruktur dieses Geld bis zum Jahr 2036 verwendet wird.
Was müssen Bund und Länder aus Ihrer Sicht tun, damit sich die finanzielle Lage der Kommunen nachhaltig verbessert?
Bund und Länder müssen ihrer Verpflichtung nachkommen und Aufgaben, die sie auf Kreis und Kommunen delegieren, auch auskömmlich finanzieren. Im Kreis Freudenstadt bezahlen wir die mit Abstand höchsten Hebesätze der Kreisumlage. Dies vor allem aufgrund unseres immens hohen Sozialhaushaltes und des enorm hohen Defizites unseres Kreiskrankenhauses. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir an „unserem“ Gesundheitssystem im Kreis nicht sparen dürfen, auch nicht durch Schließung der Horber Geriatrie.
Sie sind nun seit mehr als 1000 Tage im Amt. Wie weit sind Sie mit dem, was Sie sich in Ihrer Amtszeit vorgenommen haben?
Es gibt Projekte, die konnten zügig realisiert werden, wie zum Beispiel das Supermärktle in Oberiflingen. Dann steht das finanziell größte Projekt, der Bau des neuen Feuerwehrhauses in Schopfloch, in diesem Jahr vor der Fertigstellung. Leider musste aufgrund der finanziellen Lage der Umbau des Marktplatzes in Schopfloch auf Eis gelegt werden. Trotzdem ist es aus meiner Sicht gelungen, das Wir-Gefühl insgesamt zu stärken, was ein sehr großes Plus für uns bedeutet und in Zukunft bedeuten wird.
Bei Ihrer Amtseinsetzung haben Sie das Wir-Gefühl beschworen. Wie schwierig ist es, dieses Gefühl in wirtschaftlich und finanziell schwierigen Jahren aufrechtzuerhalten?
Aus meiner Sicht baut sich unser Wir-Gefühl trotzdem oder gerade deshalb weiter aus. Es gibt vermehrt Aktionen, bei denen die Bevölkerung zusammenhält und hilft. So werden Wünsche der Kinder für ein Bodentrampolin in Oberiflingen oder ein neues Gartenhaus im Kindergarten Schopfloch rein durch Spenden und Aktionen finanziert. In Unteriflingen hat sich eine neue Dorfgemeinschaft gegründet, die gesellige Aktionen durchführt. Die Oberiflinger Alterswehr trägt maßgeblich zum Oberiflinger Ortsbild bei.
Auf was für ein Jahr 2026 müssen Sie die Bürger einstellen?
Die Bürger dürfen sich darauf einstellen und vertrauen, dass die Ortschaftsräte, der Gemeinderat, die Verwaltung und ich mit Augenmaß entscheiden, was machbar und vertretbar ist. Es muss weiter geschaut werden, wie wir es schaffen, auch ohne vollständige Finanzierung durch die Gemeinde Dinge umzusetzen, die wünschenswert sind. Deshalb appelliere ich, dass wir kreativ im Denken und Handeln werden, wenn es um die Erhaltung oder Erweiterung unserer freiwilligen Aufgaben geht.
Welche Projekte werden 2026 in Schopfloch die wichtigsten sein?
2026 werden die Verträge für den gemeinsamen Windpark mit der Stadt Dornstetten vorbereitet und abgeschlossen. Die Neuverpachtung der Jagd steht in diesem Jahr an und könnte eine teilweise Neuausrichtung erfahren. Der Neubau des Feuerwehrhauses wird abgeschlossen und die Abteilung Schopfloch kann in ihr neues Domizil umziehen. Durch die Aufnahme in das Förderprogramm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ werden wir erörtern und erarbeiten, wie sich die drei Ortsteile weiter entwickeln können.
Welche Schlagzeilen über Schopfloch würden Sie 2026 gerne in der Zeitung lesen?
Natürlich würde ich gerne nur positive Schlagzeilen über Schopfloch lesen. Ganz besonders würde ich mich über eine mögliche Schlagzeile freuen, in etwa „Der Firma Homag geht es bedeutend besser“.
Jahresinterviews
Zur Person
Thomas Staubitzer ist seit Anfang 2023 Bürgermeister von Schopfloch. Er wurde bei der Wahl im Oktober 2022 mit 96,54 Prozent der Stimmen in seine erste Amtszeit gewählt.
Serie
Anlässlich des Jahreswechsels fragen wir Bürgermeister im Rahmen einer Serie: Was war 2025 für ein Jahr? Was wird 2026 wichtig sein? Ist ein Gestalten in der Kommunalpolitik überhaupt noch möglich – oder zwingt die Finanznot dazu, Abstriche zu machen?