Glattens Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer Foto: Pfeifer

2026 werde für Glatten ein „Umsetzungsjahr“, so Tore-Derek Pfeifer. Nicht nur Baustellen stehen an – auch ihre IT-Sicherheit will die Gemeinde nach dem Hackerangriff verbessern.

Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer äußert sich im Jahresinterview mit unserer Redaktion zu den Fragen, welche Nachwirkungen der Hackerangriff auf seine Gemeinde hat, und ob er bei der Bürgermeisterwahl erneut antreten wird.

 

Was war 2025 für ein Jahr für die Gemeinde Glatten?

2025 war für Glatten ein bewegtes Jahr – Zukunftsarbeit war angesagt, sehr viele Veränderungen beim Personal. Finanziell wurden die Spielräume deutlich enger, gleichzeitig haben wir konsequent in Daseinsvorsorge, Schule und Kindergarten investiert. Das Jahr stand sichtbar im Zeichen großer Infrastrukturmaßnahmen – und es hat gezeigt, wie stark Zusammenhalt und Ehrenamt unsere Gemeinde tragen.

Was waren in diesem Jahr die wichtigsten Meilensteine für Ihre Gemeinde?

Der wichtigste Meilenstein war die Nahwärme: Baustart der Trasse und im Dezember 2025 die Aufnahme des Heizbetriebs. Aufnahme ins Landessanierungsprogramm für Böffingen und der Gesamtgemeinde als Modellgemeinde Nachhaltige Strukturentwicklung (Mogena). Zudem prägten Backbone- beziehungsweise Breitbandarbeiten und Wasserleitungserneuerungen den Ort. In Neuneck wurde das Landessanierungsprogramm abgeschlossen, und das Gasthaus „Linde“ wurde für die Ansiedlung eines Wohnprojektes erworben und abgebrochen.

Die Finanznot der Kommunen ist derzeit ein bestimmendes Thema. Wie prekär ist die Lage in Glatten?

Die Lage ist angespannt. Steigende Pflichtausgaben bei Schulen und Kindergärten, hohe Kosten im Sozial- und Gesundheitsbereich und die Belastung über Umlagen lassen nur sehr begrenzte Spielräume. Wir bleiben handlungsfähig, aber nur, weil wir für diesen Fall Rücklagen aufgebaut hatten. Investitionen müssen strikt priorisiert, solide vorfinanziert und wo möglich über Förderprogramme abgesichert werden.

Können Sie überhaupt noch gestalten oder nur noch verwalten?

Wir können noch gestalten – weil wir in guten Jahren Rücklagen und projektbezogene Reserven aufgebaut haben. Gleichzeitig erleben wir eine Systemkrise: Gesundheits- und Sozialausgaben steigen, der Kreis wird dafür nicht auskömmlich refinanziert, die Kreisumlage steigt stark. Wenn sich das nicht ändert, ist spätestens 2029 die Finanzierung von Pflichtaufgaben und Projekten auch in Glatten gefährdet.

Glatten soll rund eine Million Euro aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten. Hilft Ihnen diese Summe wirklich dabei, die Infrastruktur zu ertüchtigen?

Eine Million Euro ist willkommen, aber im Verhältnis zum Investitionsbedarf eher ein kurzfristiger Impuls. Meine Sorge ist, dass es ein befristetes Konjunktur- und Bauprogramm ist, ohne die strukturellen Probleme der Kommunalfinanzierung zu lösen. Kritisch ist, dass solche Mittel häufig nicht in gebührenfinanzierte Bereiche fließen dürfen – dabei könnten sie dort Bürger und Betriebe nachhaltig entlasten. Wir werden, falls möglich, die Mittel für den Neubau des Wasserbehälters Neuneck einsetzen.

Was müssen Bund und Länder aus Ihrer Sicht tun, damit sich die finanzielle Lage der Kommunen nachhaltig verbessert?

Es braucht eine faire Aufgaben- und Finanzierungszuordnung: Wer Standards setzt, muss sie finanzieren. Kommunen müssen bei Sozialausgaben entlastet werden, Genehmigungs- und Förderverfahren müssen schneller und einfacher werden. Wir brauchen planbare Einnahmen statt kurzfristiger Einmalprogramme. Ein starker Staat zeigt sich nicht darin, alles zu übernehmen, sondern darin, klare Rahmen zu setzen und Eigeninitiative zu ermöglichen. Deshalb darf nicht alles zur Staats- oder Kommunalaufgabe werden.

Auf was für ein Jahr 2026 müssen Sie die Bürger einstellen?

2026 wird ein Umsetzungsjahr mit weiteren Baustellen und zeitweisen Einschränkungen. Wir bauen Versorgungssicherheit aus und investieren in Klimaschutz, Wasser und Infrastruktur. Wichtig ist mir, dass wir früh informieren, Bauabläufe gut koordinieren und Belastungen für Anwohner, Gewerbe, Schule und Verkehr so gering wie möglich halten.

Welche Projekte werden 2026 in Glatten die wichtigsten sein?

Das wichtigste Projekt 2026 wird der weitere Ausbau der Nahwärme mit zusätzlichen Anschlüssen sein. Zentral sind außerdem der Neubau des Wasserbehälters Neuneck, der Neubau des Löschwasserbehälters Böffingen, die Erschließung der Neubaugebiete Leimen in Glatten und Vorderer Esch in Böffingen, das Landessanierungsprogramm Böffingen und Mogena, Breitband mit OEW, Straßen- und Leitungssanierungen sowie der Radweg nach Dornstetten. Wir starten am 5. Februar daher mit einer Bürgerversammlung in der Glattalhalle.

2026 ist in Glatten Bürgermeisterwahl. Werden Sie erneut antreten?

Nach 24 Jahren im Amt ist das eine sehr persönliche Entscheidung. Ich werde mich dazu erst äußern, wenn Zeitpunkt und Rahmen passen. Im Moment gilt mein Fokus den laufenden und anstehenden Projekten und einer verlässlichen Arbeit für die Gesamtgemeinde – daran möchte ich mich messen lassen.

Inwieweit wird der Hackerangriff auf die Gemeinde in 2026 nachwirken?

Der Angriff wirkt nach, weil IT-Sicherheit dauerhaft weiterentwickelt werden muss. 2026 werden wir Prozesse und Schutzmaßnahmen weiter schärfen, Mitarbeitende sensibilisieren und Notfallabläufe festigen. Ziel ist, die digitale Arbeitsfähigkeit stabil zu halten und Risiken nachhaltig zu reduzieren.

Welche Schlagzeile über Glatten würden Sie 2026 gerne in der Zeitung lesen?

„Glatten blickt nach der Bürgermeisterwahl zuversichtlich nach vorn: Die Bürgerschaft hat weise entschieden – mit klarem Kurs, starkem Zusammenhalt und solider Basis ist die Gemeinde gut aufgestellt, um auch schwierige Krisenjahre gemeinsam zu bewältigen.“

Jahresinterviews

Zur Person
Tore-Derek Pfeifer ist seit 2003 Bürgermeister von Glatten. Er wurde 2018 mit 96,23 Prozent der Stimmen in seine dritte Amtszeit gewählt.

Serie
Anlässlich des Jahreswechsels fragen wir Bürgermeister im Rahmen einer Serie: Was war 2025 für ein Jahr? Was wird 2026 wichtig sein? Ist ein Gestalten in der Kommunalpolitik überhaupt noch möglich – oder zwingt die Finanznot dazu, Abstriche zu machen?