Auf Dauer dürfe es nicht so weitergehen, sagt Dornstettens Bürgermeister Haas angesichts der Aussicht, dass die Stadt den Ergebnishaushalt bis 2029 nicht wird ausgleichen können.
Bürgermeister Bernhard Haas erklärt im Jahresinterview, welche Konsequenzen die Finanzlage und die Auflösung des HGV für die Stadt haben – und wie das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Kernstadt und Stadtteilen gestärkt werden soll.
Was war 2025 für ein Jahr für die Stadt Dornstetten?
Es war ein Jahr von Baustellen und Jubiläen. Wir haben in der Stadtmitte kräftig gebaut: Sanierung und Erweiterung der Stadthalle mit Neugestaltung von Hauptstraße und Schulhof sowie Verlängerung der Heselwiesenstraße, und wir konnten mit dem Bau unserer Nahwärmeversorgung beginnen. Außerdem wurde der Backbone-Ausbau des Landkreises für die Breitbandversorgung vorangebracht. Bei den Jubiläen hat das Fest in Hallwangen (950 Jahre) andere Feierlichkeiten, wie etwa 50 Jahre Gesamtstadt, überragt.
Was waren in diesem Jahr die wichtigsten Meilensteine für Ihre Stadt?
Zu nennen sind die Freigabe der Hauptstraße kurz vor Weihnachten, die Fertigstellung der Heselwiesenstraße im Frühjahr, der Spatenstich für die Nahwärmeversorgung oder das Richtfest für die Erweiterung des Feuerwehrhauses Aach. Zum Thema Windkraft wurden weitreichende Beschlüsse gefasst. Gemeinsam mit Schopfloch haben wir ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt und uns für die Firma Alterric als Projektentwickler entschieden.
Die Finanznot der Kommunen ist derzeit ein bestimmendes Thema. Wie prekär ist die Lage in Dornstetten?
Wir sind, abgesehen vom Eigenbetrieb Nahwärmeversorgung, schuldenfrei, wissen aber, dass wir in den nächsten Jahren wieder Kredite aufnehmen müssen. Der Haushalt 2026 mit mittelfristiger Finanzplanung soll Ende Januar im Gemeinderat diskutiert und im Februar beschlossen werden. In keinem der Jahre bis 2029 werden wir den Ergebnishaushalt ausgleichen können, müssen also von der Substanz leben und können die intergenerative Gerechtigkeit nicht herstellen. Auf Dauer darf dies nicht so weitergehen.
Können Sie überhaupt noch gestalten oder nur noch verwalten?
Gestalten können wir bislang noch, sonst hätten wir Projekte wie die Stadthalle nicht angepackt. Allerdings werden die Spielräume enger, und wir haben Projekte, über die wir schon seit einigen Jahren diskutieren, nun vorläufig bis auf Weiteres zurückgestellt. Im Übrigen sind wir in erster Linie darauf bedacht, unsere bestehende Infrastruktur, vor allem Schulen, in Schuss zu halten und zu sanieren, bevor wir völlig neue Projekte in Angriff nehmen.
Dornstetten soll 4,66 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten. Hilft Ihnen diese Summe wirklich dabei, die Infrastruktur zu ertüchtigen?
Wir haben im Gemeinderat noch nicht über die Verwendung beraten. Die Mittel sollten für anstehende Investitionen verwendet werden. Dann helfen die Zuschüsse vorübergehend schon. Würden wir damit neue Projekte anstreben, müssten wir in den Folgejahren zusätzliche Abschreibungen erwirtschaften, was den Ergebnishaushalt zusätzlich belasten würde. Generell steigt aber mit dem „Sondervermögen“ die Staatsverschuldung weiter an. Zur Finanzierung des laufenden Betriebs helfen die Mittel leider nicht.
Was müssen Bund und Länder aus Ihrer Sicht tun, damit sich die finanzielle Lage der Kommunen nachhaltig verbessert?
Die schlechte Prognose für uns Kommunen rührt in erster Linie aus zu hohen Standards, die Bund und Land in den vergangenen Jahren gesetzt haben. Den Kommunen wurden und werden immer wieder neue Aufgaben auferlegt, ohne die Finanzierung zu gewährleisten. Hinzu kommt neben den hohen Soziallasten die mangelnde Finanzierung des Krankenhauswesens. Bei uns im Landkreis führt dies zu einem sehr hohen Hebesatz bei der Kreisumlage, welcher sich nachteilig auf unsere Finanzen auswirkt.
Der HGV hat sich im Oktober aufgelöst. Welche Konsequenzen hat das für Dornstetten?
Die Konsequenzen der Auflösung sind schwierig abzuschätzen. Klar ist, dass mit dem HGV speziell der Einzelhandel seine Interessen besser bündeln konnte und dass uns als Stadtverwaltung der Vereinsvorstand als Ansprechpartner fehlen wird. Die Zusammenarbeit mit Handel, Handwerk und Dienstleistungen werden wir weiterhin suchen, ebenso wie jene mit den größeren Unternehmen. Schon allein der Wegfall der HGV-Gutscheine könnte aber für die einzelnen Betriebe nachteilig sein.
Gemeinderat und Bürger arbeiten gemeinsam daran, die Innenstadtbelebung und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Kernstadt und Stadtteilen voranzubringen. Was erhoffen Sie sich davon – und wie wichtig ist das Engagement von Bürgern in finanziell schwierigen Jahren?
Seit gut zehn Jahren arbeiten wir daran, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Wir sind hier auf einem guten Weg. Es geht es darum, dass man sich unserem Städtle zugehörig und sich bei uns wohl fühlt, unabhängig vom Stadtteil, in dem man wohnt. Außerdem ist es uns wichtig, dass speziell das Zentrum im größten Stadtteil als Wohlfühlort wahrgenommen wird. Dankbar sind wir dafür, dass sich viele Bürger in den Bürgerteams einbringen. Allen Ehrenamtlichen gilt mein Dank und meine Hochachtung.
Auf was für ein Jahr 2026 müssen Sie die Bürger einstellen?
Für Gemeinderat und Verwaltung gilt weiter der Grundsatz, dass wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln verantwortungsvoll umgehen. Für 2026 haben wir keine Steuererhöhung beschlossen. Der 2024 beschlossene Grundsteuer-Hebesatz hat sich als zutreffend erwiesen, um die Steuerzahler in ihrer Gesamtheit nicht stärker zu belasten. Im Gemeinderat werden wir darüber diskutieren, ob wir künftig hier oder da Einschränkungen vornehmen müssen, um mittelfristig Personal und Geld einsparen zu können.
Welche Projekte werden 2026 in Dornstetten die wichtigsten sein?
Die wichtigsten Projekte werden auf jeden Fall die bereits erwähnten sein, also Stadthalle und Nahwärmeversorgung. Hinzu kommt die energetische Sanierung des Altbaus des Gymnasiums für gut zwei Millionen Euro. Wir wollen dadurch nicht nur Energiekosten, sondern vor allen auch den CO2-Ausstoß deutlich verringern.
Welche Schlagzeile über Dornstetten würden Sie 2026 gerne in der Zeitung lesen?
Wenn es unbedingt eine Schlagzeile sein muss, dann in etwa die: „Dornstetten in Sachen Lebensqualität weiterhin auf einem sehr guten und soliden Weg“. Grundsätzlich wäre es aber eher wünschenswert, der Schwarzwälder Bote würde insgesamt mehr und regelmäßig über Dornstetten berichten.
Jahresinterviews
Zur Person
Bernhard Haas ist seit 2012 Bürgermeister von Dornstetten. Er ist 2020 mit 99,19 Prozent in seine zweite Amtszeit gewählt worden.
Serie
Anlässlich des Jahreswechsels fragen wir Bürgermeister im Rahmen einer Serie: Was war 2025 für ein Jahr? Was wird 2026 wichtig sein? Ist ein Gestalten in der Kommunalpolitik überhaupt noch möglich – oder zwingt die Finanznot dazu, Abstriche zu machen?