Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf Foto: Günther/Gemeinde Baiersbronn

Hinter Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf liegt ein aufregendes Jahr: Gartenschau, Landratskandidatur und daneben Alltagsgeschäft. Wie er 2025 erlebt hat und was 2026 wichtig wird.

Bürgermeister Michael Ruf spricht im Jahresinterview darüber, was von der Gartenschau bleibt, warum das Geld derzeit eigentlich überall knapp ist – und wie die Gemeinde ihre Verschuldung dennoch zurückfahren möchte.

 

War 2025 das aufregendste Jahr in Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Es war zumindest das Jahr mit den meisten Terminen und dem größten Zeitaufwand – bedingt durch die Gartenschau, die vielen tollen Veranstaltungen und Besuche. Es war dadurch aber auch ein unheimlich schönes Jahr.

Wie schwierig war der Spagat zwischen Gartenschau, Alltagsgeschäft und Ihrer Kandidatur als Landrat?

Es war zeitlich sehr angespannt und intensiv. Die Tage waren gefühlt noch kürzer, weil wir ab 23. Mai durch die Gartenschau täglich ein, zwei Termine hatten. Das zusätzlich zum normalen Alltagsgeschäft, das nicht ruht, zu bewältigen, war sehr herausfordernd, aber im Rückblick auch spannend und interessant.

Das „Tal X“ soll nach der Gartenschau nun zu einem Erlebnisraum werden. Wie soll das gelingen?

Der Boden ist bereitet; die Flächen dafür sind jetzt im Tal vorhanden. Die Bevölkerung wünscht sich, dass auch im Nachgang Veranstaltungen stattfinden. Daher haben wir uns dazu entschieden, die bestehende Gesellschaft weiterzuführen. Dazu müssen wir sie transformieren, da eine Gartenschau-Gesellschaft immer auf ein Ende hinarbeitet. So wollen wir die Attraktionen, die im Tal vorhanden sind, in einem Erlebnisraum bündeln – und die Tat- und Schaffenskraft der Ehrenamtlichen gut einsetzen.

Sie haben davon gesprochen, dass die Gartenschau ein neues Wir-Gefühl ausgelöst hat. Wie wollen Sie es schaffen, dass dieses Gefühl in wirtschaftlich schwierigen Zeiten anhält?

Indem man weiterhin Begegnungen ermöglicht. Das wird funktionieren, wenn wir weiterhin Veranstaltungen auf den nun bekannten Flächen organisieren. Die große Idee ist ein jährliches Gartenschau-Fest im Mai. Die Beziehungen, die entstanden sind, sollen bestehen bleiben.

Welche anderen wichtigen Projekte in Baiersbronn waren durch die Gartenschau vielleicht weniger präsent?

Wir haben uns viel mit der Kinderbetreuung beschäftigt und konnten im Oktober den Anbau unseres Kindergartens im Pappelweg feiern. In der Bauleitplanung haben wir viel auf den Weg gebracht. Ein großes Projekt 2025 war die Nationalparkerweiterung, die wir Anfang des Jahres kommunalpolitisch stark begleitet haben.

Wie schwierig ist es, in der aktuellen finanziellen Lage zu gestalten?

Zum Glück haben wir noch einen kleinen Gestaltungsspielraum. Unser Ziel ist es, die Infrastrukturprojekte in den kommenden Jahren ohne Neuverschuldung umzusetzen. Es war klar, dass wir für die Gartenschau in eine Neuverschuldung gehen, die wir nun aber zurückfahren möchten. Die Investitionsmittel werden kleiner, so dass wir uns auf weniger Projekte konzentrieren müssen. Wir haben aber für 2026 schon geplant, in Tonbach ein Feuerwehrhaus zu bauen und Straßenbauprojekte weiterzuführen.

Die hohe Kreisumlage drückt auch auf Ihren Haushalt. Gleichzeitig sind Sie auch bestens mit der Finanzmisere des Landkreises vertraut. Warum ist das Geld derzeit eigentlich überall knapp?

Zum einen, weil die Wirtschaft stagniert. Somit schmilzt der Einnahmentopf aus Steuern. Wenngleich im Kreis die Einnahmen um zehn Millionen Euro zunehmen – aber schon klar ist, dass die Ausgaben bei Sozial- und Jugendhilfe um zwölf Millionen steigen werden. So schafft man es nicht, die üblichen Kostensteigerungen zu stemmen. Der Kreis könnte sich das Geld über die Kreisumlage holen. Damit wird das Problem aber nur verlagert. Das bringt uns in eine Situation, in der Standards hinterfragt werden müssen.

Haben Sie da ein Beispiel?

Das Kommunalrecht gibt eine Finanzierungshierarchie vor. Zunächst müssen wir schauen, ob wir die Einnahmen optimieren können. Das haben wir von 2024 auf 2025 nach der Erhöhung der Kreisumlage getan, als wir die Gewerbesteuer anheben mussten. Dann müssen wir an die Gebühren ran und schauen, ob diese kostendeckend sind. Danach geht es an die freiwilligen Aufgaben. Kann man sich eine Jugendmusikschule leisten? Wie sieht es mit Vereinszuschüssen aus? Das sind Dinge, die beim Bürger spürbar werden.

Baiersbronn soll 8,9 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten. Hilft Ihnen dieses Geld wirklich?

Es hilft dahingehend, dass wir uns nicht exorbitant verschulden müssen. Man kann Projekte mitfinanzieren, die bisher nur anteilig durch Zuschüsse gedeckt werden. Die Projekte sind teurer geworden und die Lücke, die wir tragen müssen, damit größer. Wenn man es aber in Relation setzt: Die vergangenen zehn Jahre haben wir nur für die Gartenschau 32 Millionen Euro investiert. Die fast neun Millionen Euro hören sich nach viel an, aber auf zwölf Jahre ist es keine riesige Entlastung.

Was können Bund und Länder tun, damit sich die finanzielle Lage nachhaltig verbessert?

Der Sozialhaushalt muss unbedingt in den Griff gebracht werden. Sobald es dem Kreis besser geht, geht es den Kommunen besser. Das Prinzip „Wer bestellt bezahlt“ muss in den Fokus gerückt werden. Der Digitalpakt 2.0 ist ein wichtiges Thema. Beim ersten Digitalpakt haben wir jeden Euro genutzt, aber es waren nie die Folgeinvestitionen geklärt. Tablets werden irgendwann alt. Vom Bund muss auch die Krankenhausfinanzierung geregelt werden. Unser Krankenhaus ist enorm wichtig – aber es frisst uns auf.

Welche Projekte werden 2026 in Baiersbronn die wichtigsten sein?

Ein prägendes Projekt wird die weitere Sanierung der B 462 im Friedrichstal sein, bei der nochmals eine Vollsperrung notwendig sein wird. Wir haben den Neubau des Feuerwehrhauses Tonbach auf der Agenda. Zudem wollen wir die Sanierung der Landesstraße zwischen Baiersbronn und Mitteltal fortführen, die wir aufgrund der Gartenschau ausgesetzt haben. Und die große Frage wird sein: Wie können wir den Status quo erhalten? Die verbindliche Ganztagsbetreuung kommt 2026 als neue Herausforderung hinzu.

Welche Schlagzeile über Baiersbronn würden Sie 2026 gerne in der Zeitung lesen?

Eine Schlagzeile, die schön wäre und bei der ich glaube, dass wir es schaffen: Die kommunale Zusammenarbeit zwischen Freudenstadt und Baiersbronn findet eine sehr positive Fortführung im Erlebnisraum Tal X, welcher die positive Fortführung der Gartenschau 2025 für die Bevölkerung, aber auch die Region darstellt.

Etwas lang für eine Schlagzeile, aber nehmen wir.

(lacht). Sie sind besser darin, das zu formulieren.