Alpirsbachs Bürgermeisterin Vanessa Schmidt Foto: Stadt Alpirsbach

Seit gut 100 Tagen ist Vanessa Schmidt Bürgermeisterin von Alpirsbach. So hat sie den Start erlebt.

Vanessa Schmidt erzählt im Jahresinterview, wie sie sich im Rathaus eingelebt hat, wo Alpirsbach Nachholbedarf hat und warum 2026 für die Stadt ein vergleichsweise ruhiges Jahr werde.

 

Sie sind erst seit Oktober Bürgermeisterin. Wie haben Sie sich eingelebt?

Diese Frage wurde mir schon sehr oft gestellt, aber ich beantworte sie immer gerne. Ich habe mich sehr gut eingelebt. Im Rathaus fühle ich mich wohl und von meinen engagierten Mitarbeitenden und dem Gemeinderat wurde ich sehr herzlich empfangen. Privat bin ich auch wieder in der Gemeinde „angekommen“ und habe schon viele Bürgerinnen und Bürger kennengelernt – nicht zuletzt durch unsere vielen Vereine. Der Terminkalender ist oft voll, aber ich bin sehr glücklich über meine („Berufs-“)-Wahl.

Was hat Sie an Ihrem neuen Amt am meisten überrascht?

Das erste, das mich überrascht hat, war der Status quo der „Digitalisierung“ im Rathaus. Durch bisherige Tätigkeiten in der freien Wirtschaft bin ich andere Standards gewohnt – hier haben wir meines Erachtens einen großen Nachholbedarf, aber das geht leider nur Schritt für Schritt. Positiv überrascht haben mich die Offenheit der Menschen mir gegenüber und die schnelle und hilfreiche Vernetzung mit Bürgermeisterkollegen und –kolleginnen. Auch hier wurde ich sehr freundlich und aufgeschlossen aufgenommen.

Auch wenn Sie erst seit Kurzem im Amt sind: Was war 2025 für ein Jahr für die Stadt Alpirsbach?

Für die Stadt Alpirsbach und ihre Teilorte war 2025 sicher ein aufregendes Jahr. Durch die Nachwirkungen der Bürgermeisterwahl 2024 war der Wunsch nach Ruhe und Stabilität spürbar. Der ebenfalls 2024 neugewählte Gemeinderat hat zusammen mit dem damaligen Amtsverwalter Norbert Beck sehr viele Themen angepackt, die schon seit Jahren überfällig waren. Diese konstruktive und harmonische Zusammenarbeit versuche ich seit meinem Antritt weiterzuführen, um die nun eingekehrte Balance beizubehalten.

Was waren in diesem Jahr die wichtigsten Meilensteine für Ihre Stadt?

Der wichtigste Meilenstein war wohl der Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus. Die Standortfindung hat sich ja über Jahre erstreckt und so war bei dieser Feier die Erleichterung auf allen Seiten deutlich spürbar. Durch den herausragenden Einsatz unseres Stadtbaumeisters Rudolf Müller, des damaligen Amtsverwalters und vieler weiterer engagierter Menschen sieht man nun jeden Tag den Fortschritt auf der Baustelle. Die erste Wahl einer Bürgermeisterin würde ich ebenfalls als Meilenstein bezeichnen.

Die Finanznot der Kommunen ist derzeit ein bestimmendes Thema. Wie prekär ist die Lage in Alpirsbach?

Die Haushaltsplanung 2026 ist noch nicht final abgeschlossen, in der Februar-Gemeinderatssitzung werden wir diese erstmalig behandeln. Leider befürchten wir wieder ein Defizit im Erfolgsplan. Aber die finanzielle „Not“ ist in Alpirsbach ja nichts Neues – die Bürgerinnen und Bürger sind hier schon lange leidgeplagt. Trotzdem werden wir im Rahmen der Haushaltskonsolidierung alles dafür tun, dass wir auch in diesem Jahr wieder in unsere Infrastruktur und weitere Projekte investieren können.

Können Sie überhaupt gestalten oder nur verwalten?

Als Bürgermeisterin kann man nach wie vor viel gestalten. Natürlich nimmt die Verwaltung einen Großteil meines Tages in Anspruch, aber auch diese kann ich im Rahmen meiner Befugnisse formen und verändern. Beispielsweise habe ich Projektgruppen ins Leben gerufen, die ämterübergreifend an Themen wie Digitalisierung oder Kommunikation arbeiten. Auch sonst haben wir als Stadt viele Projekte und Zukunftsthemen vor uns, bei denen unsere Kreativität und unser Gestaltungswille nach wie vor gefragt sind.

Alpirsbach soll 3,85 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes erhalten. Hilft Ihnen diese Summe wirklich dabei, die Infrastruktur zu ertüchtigen?

Als eher finanzschwache Kommune sollte man sich über jede Förderung freuen – und das tun wir auch. Allerdings ist für uns noch Vieles hinsichtlich der konkreten Umsetzung unklar, da die Verwaltungsvorschrift noch nicht vorliegt. Auch bin ich skeptisch, ob die Auszahlung dann wirklich so „unbürokratisch“ erfolgt wie angekündigt. Über die tatsächliche Verwendung der Mittel muss dann natürlich auch der Gemeinderat entscheiden. Dies wird sicher in zukünftigen Beratungen eine große Rolle spielen.

Was müssen Bund und Länder aus Ihrer Sicht tun, damit sich die finanzielle Lage der Kommunen nachhaltig verbessert?

Gerne genannt wird in diesem Zusammenhang das Konnexitätsprinzip („wer bestellt, bezahlt“). Das würde ich mir von den Parlamenten wünschen – dass nicht nur immer mehr Aufgaben an die Kommunen delegiert werden und diese auf sich allein gestellt sind, sondern dass ihnen auch finanziell unter die Arme gegriffen wird. Mir ist aber auch klar, dass Bund und Land ebenfalls ihre Schwierigkeiten haben. Da kommt wieder der Bürokratieabbau ins Spiel – dies ist mein dringendstes Anliegen an die Politik.

Auf was für ein Jahr 2026 müssen Sie die Bürger einstellen?

Auf ein „ruhigeres“ Jahr als 2024 und 2025 kann man sich einstellen. Wir arbeiten daran, dass sich die Abläufe einspielen und wir ein paar „liegengebliebene“ Themen aufarbeiten. Dies benötigt zwar Zeit, aber ich möchte dies gewissenhaft und ordentlich erledigen. Zusammen mit dem Gemeinderat und der Verwaltung habe ich aber überhaupt keine Bedenken, dass wir das gemeinsam schaffen werden. Natürlich werden wir auch weiterhin den Gürtel eng schnallen, aber möglichst ohne uns „kaputt zu sparen“.

Welche Projekte werden 2026 in Alpirsbach die wichtigsten sein?

Das neue Feuerwehrhaus ist nach wie vor das Leuchtturmprojekt der Stadt. Im Jahr 2026 werden wir mit dem Innenausbau beginnen und das Gebäude zu großen Teilen weiterbauen, so dass die geplante Einweihung Anfang 2027 erfolgen kann. In der Umgebung des ehemaligen Hetal-Geländes werden zudem die Umgestaltung des Kurgartens und diverse Maßnahmen im Sanierungsgebiet umgesetzt. Weitere Projekte sind zum Beispiel die Erweiterung des Gewerbegebiets Grundegert II und die Bebauung des Neubaugebiets Sulzberg Süd.

Welche Schlagzeile über Alpirsbach würden Sie 2026 gerne in der Zeitung lesen?

Solange die Schlagzeilen nicht negativ sind – und davon hatten wir in Alpirsbach leider in den letzten Jahren einige – habe ich keine besonderen Präferenzen. Wichtiger ist mir, dass wir unsere Außenwirkung wieder verbessern und in den Köpfen ankommt, dass der Gemeinderat und die Stadtverwaltung gut zusammenarbeiten und wir unser Bestes geben, um das Image und die Finanzlage der Stadt nachhaltig zu verbessern. Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden spannenden und herausfordernden Zeiten.

Jahresinterviews

Zur Person
Vanessa Schmidt ist seit Oktober 2025 Bürgermeisterin von Alpirsbach. Sie wurde bei der Stichwahl mit 87,35 Prozent der Stimmen in ihre erste Amtszeit gewählt.

Serie
Anlässlich des Jahreswechsels fragen wir Bürgermeister im Rahmen einer Serie: Was war 2025 für ein Jahr? Was wird 2026 wichtig sein? Ist ein Gestalten in der Kommunalpolitik überhaupt noch möglich – oder zwingt die Finanznot dazu, Abstriche zu machen?