Was einer der beliebtesten Bürgermeister im Landkreis für 2025 erwartet. Ob die Vereine zittern müssen, was investiert wird und ob Ferdinand Truffner sich wieder zur Wahl stellt.
Er hat sich – für sein Naturell – genau die richtige Kommune ausgesucht: Bürgermeister Ferdinand Truffner. Social Media-König, heimatverbunden. Doch es liegt ein herausforderndes Jahr vor Empfingen. Unsere Redaktion hat den Bürgermeister dazu befragt:
Das wird uns vor finanzielle Herausforderungen stellen. Wir haben viel investiert in den letzten Jahren, damit die Infrastruktur in der Gemeinde optimal dasteht. Kindergartenneubau, jetzt wieder sogar ein Anbau. Die Rathaus-Sanierung, Anbau des Feuerwehrgerätehauses, Aussegnungshalle, die energetische Sanierung der Schule, Sanierung des katholischen Kindergartens, die Sanierung der Ortsdurchfahrt, Breitband, Wasser, Leitungen und vieles mehr. Jetzt stehen Großprojekte wie Reichenhalden und das interkommunale Gewerbegebiet an. Deshalb wird auch uns die Kreisumlage treffen und beschäftigen.
Wird es eine Haushaltsstruktur-Kommision geben?
Nein, das sehe ich aktuell nicht als notwendig. Ab März wird unser neuer Kämmerer sich erst einmal einarbeiten müssen und dann werden wir sehen, ob und wie wir mit dem Gemeinderat über mögliche Einsparungen diskutieren können. Eins ist aber schon jetzt klar: Wir werden in den nächsten Jahren keinen ausgeglichenen Haushalt hinbekommen – haben wir bisher auch nicht geschafft.
Wie eng muss Empfingen den Gürtel schnallen?
Es wird einige Projekte im Haushalt geben, die wir einfach schieben werden – ganz weit nach hinten und vielleicht auch streichen.
Auch bei den freiwilligen Leistungen?
Die werden sicher auch in nächster Zeit hinterfragt. In Empfingen wird aber Vieles durch das Ehrenamt „gewuppt“ und mein Credo im Bereich Vereinsförderung lautet: Wir schaffen Möglichkeiten für Vereine zur Beteiligung, und wer sich beteiligt, wird auch finanziell profitieren – zum Beispiel bei den größeren Events der Gemeinde. Wer Leistung bringt, soll auch was zurückerhalten – sollte auch in der Arbeitswelt gelten. Wenn das ehrenamtliche Engagement wegbricht, sind wir nicht mehr lebenswert, weshalb bei jeder noch so kleinen freiwilligen Leistung auch die Wirkung eruiert werden muss.
Welche Investitionen stehen 2025 an?
Die Erschließung des interkommunalen Gewerbegebiets wird uns einiges abverlangen – sowohl im Bereich Abwasser, als auch im Bereich Trinkwasserversorgung. Wir müssen in Empfingen einen neuen Hochbehälter bauen – das sind einige Millionen Euro an Investitionen. Hinzukommt die Trinkwasserversorgung generell in der Gemeinde – mit eventuell neuem Lieferanten. Auch die Kläranlage in Fischingen wird sich mancher Investition unterziehen müssen. Hier gibt es noch viele dicke Bretter zu bohren – auch mit der Stadt Horb. Zudem steht unser Jahrhundertprojekt Reichenhalden in den Startlöchern. Ich gehe davon aus, dass wir Mitte nächsten Jahres die Konzeption final der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vorlegen können. Dann wird verhandelt und investiert.
Was ist mit dem Strom für das IKG?
Die Netze BW ist schon in der Planung. Im nördlichen Bereich kommt eine neue Umspannstation hin. Die Trafos sind schon bestellt, haben aber eine Lieferzeit von zwei Jahren. Das Umspannwerk in Horb ist ausgelastet und unsere Raumschaft um Empfingen benötigt Energiesicherheit.
Wann startet die Erschließung des Interkommunalen Gewerbegebietes IKG?
Wir rechnen damit, dass wir im 3. oder 4. Quartal 2025 die Rechtskraft vom Bebauungsplan hinbekommen. Die Erschließung ist mal vorsichtig auf 2026 vorgesehen. Das sind immense Kosten, die wir erst einmal „vorstrecken“ müssen. Wir haben die Kosten bei uns schon im Haushalt abgebildet. Wir sagen aber ganz klar: Das Gewerbegebiet soll uns für die nächsten zehn bis 20 Jahre Möglichkeiten zur Ansiedlung bieten. Wir werden es nicht gleich vollständig aufsiedeln, sondern gehen deutlich in die Vorleistung. Das sind Investitionen, die dann auch in Folgejahren erst wieder zurückkommen.
Die große Hoffnung – durch DLR-Ansiedlungen hochwertige Industrie zu bekommen.
Das hoch komplizierte Ausschreibungsverfahren der DLR für das Crash- und Impact-Zentrum sind abgeschlossen. Ich hoffe, dass im Januar eine Entscheidung fällt – hoffentlich zum Wohle Empfingens. Dann ist Empfingen der Zukunftsplayer der DLR im Bereich Luftfahrt. Mit dem neuen Zentrum hätten wir qualifizierte Forschung in der Zukunftsbranche Luftfahrt – und das zum Wohle der ganzen Raumschaft. Da entwickelt sich die Zukunft.
Was ist mit der Mitte von Empfingen?
Wir sind konkret im Gespräch über einen Kauf des Gemeindehaus St. Georg. Die Sanierung des Rathausvorplatz, der Mühlheimer Straße 4 – das sind angesichts der derzeitigen Finanzen nicht die Vorhaben mit der höchsten Priorität, aber wir werden auch hier Planungen vorantreiben. Lieber eine Schublade voller Planungen parat haben, als nur eine Leere im Kopf.
Die Xundmacher-Kampagne für Kinderärzte – wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung aus?
Beim Mitte des Jahres geschlossenen Pflegeheim Pasodi sind wir im Gespräch mit dem Eigentümer und potenziellen Investoren. Wir wollen versuchen, dort ein betreutes Wohnen hineinzubekommen und eine Möglichkeit für Praxen oder Tagespflege. Zum Glück hat Mitte des Jahres das neue Pflegeheim „Haus am Tälesee“ geöffnet.
2025 stehen zwei wichtige Wahlen an: Was ist Ihr Wunsch zur Bundestagswahl?
Ich hoffe, dass die Bürger so wählen, dass das Land regierungsfähig ist. Es gibt die Brandmauer gegen die AfD, die ich zwar politisch teile, aber durchaus für diskussionswürdig halte. Wenn ich die AfD wähle, schwäche ich die anderen Parteien deutlich, aber komme nicht zu einer Regierungsfähigkeit. Eigentlich muss ich dem AfD-Wähler sagen: Der Frust ist angekommen – auch in Berlin. Gib lieber die Stimme einer CDU oder wenn es sein muss auch der FDP – dass die Wirtschaft endlich aus dem Tief rauskommt. Sonst haben wir hinterher nur ein Gezerre auf Nebenschauplätzen und keine Regierungsmehrheit. Ich bin CDU-Mitglied und werbe für diese Partei – auch wenn ich manche Köpfe darin überhaupt nicht leiden kann.
Auch die Wiederwahl des Bürgermeisters von Empfingen steht an…
Ja, hier gilt der Spruch: Ich hab noch viel vor. Ich werde gerne wieder antreten. Den Wahlkampf habe ich noch nicht geplant, aber natürlich paar Ideen im Kopf. Eine Bilanz werde ich noch ausarbeiten und gerne präsentieren.