Jahreseinkommen Diese 10 Jobs versprechen ein Gehalt von 100.000 Euro
Ein Jahreseinkommen von 100.000 Euro wirkt unerreichbar? Wir zeigen, in welchen Berufen das realistisch ist – und was man dafür mitbringen muss.
Wer verdient eigentlich richtig gut – und was muss man dafür tun? Für viele Berufseinsteiger und Berufstätige steht die 100.000-Euro-Marke symbolisch für ein finanziell sorgenfreies Leben. Doch nur wenige Beschäftigte in Deutschland erreichen sie. Die Jobplattform Stepstone hat hunderttausende Gehaltsdaten ausgewertet und zeigt, in welchen Berufen die Chancen am größten sind. Klar wird: Spitzengehälter entstehen nicht zufällig – und sie erfordern klare Karriereentscheidungen.
„Ökonomisch hängt die Höhe des Gehaltes primär an der Produktivität beziehungsweise Wertschöpfung der jeweiligen Tätigkeit“, sagt Alexander Burstedde, Senior Economist vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Entscheidend sei, „wie stark dadurch der Umsatz gesteigert oder die Kosten gesenkt werden können“.
Diese Faktoren begünstigen ein sechsstelliges Gehalt
Spitzeneinkommen entstünden dort, wo die Arbeit große Auswirkungen habe, erklärt IW-Experte Burstedde weiter: „Hohe Gehälter ergeben sich meistens durch Skaleneffekte, beziehungsweise wenn die Tätigkeiten einen großen Hebel haben, also eine Vielzahl von Menschen oder Maschinen produktiver machen, oder es um große Geldsummen geht. Das ist in großen Unternehmen naturgemäß häufiger der Fall.“
Ein Beispiel liefert der Wirtschaftswissenschaftler gleich mit: „Wenn beispielsweise eine IT-Expertin einen Prozess so verbessern kann, dass alle Mitarbeiter eines Unternehmens täglich eine Minute Arbeitszeit sparen, dann ist diese Innovation in großen Unternehmen sehr viel wert, in kleinen entsprechend weniger.“
Gut bezahlt werden zudem Tätigkeiten, die große Verluste verhindern. „Auch die Abwendung großer Schäden ist gut bezahlt, beispielsweise bei Juristen oder Piloten.“ Eine wichtige Rolle spiele außerdem gesellschaftliche Wertschätzung – „vor allem bei Ärzten“.
Allerdings: „ Wie ökonomisch-wertvoll eine Tätigkeit ist, ist dadurch begrenzt, was die Kunden zu zahlen bereit und in der Lage sind“, erläutert Burstedde. Deshalb seien die Gehälter in sozialen Berufen häufig nicht so hoch, wie sie von vielen als gesellschaftlich-wertvoll empfunden werden.
Das sind die 10 bestbezahlten Jobs
Laut Stepstone erreichen diese Berufe Mediangehälter nahe oder klar über 100.000 Euro. Die folgenden Zahlen spiegeln die Median-Werte aller ausgewerteten Brutto-Jahresgehälter für 2023 wider. Das bedeutet, dass 50 Prozent weniger und 50 Prozent mehr verdienen als das angegebene Gehalt.
1. Chefarzt/-ärztin – 188.500 Euro
2. Leitende/r Oberarzt/-ärztin – 148.250 Euro
3. Vice President – 135.500 Euro
4. Oberarzt/-ärztin – 122.500 Euro
5. Vorstandsmitglied – 112.250 Euro
6. Director – 108.750 Euro
7. Chief Officer – 108.000 Euro
8. Patentanwalt/-anwältin – 107.250 Euro
9. Facharzt/-ärztin – 100.250 Euro
10. Head of Supply Chain – 98.500 Euro
Gerade die medizinischen Spitzenpositionen dominieren – allerdings mit hohen Anforderungen. Die hohen Gehälter in der Medizin seien „ hart erarbeitet“, betonen die Experten von Stepstone. Gefragt seien ein sehr gutes Abitur, Geduld im Auswahlprozess und Bereitschaft für jahrelange Schichtdienste.
Was man tun muss, um 100.000 Euro zu verdienen
Laut Burstedde sind einige Faktoren entscheidend, um ein sechsstelliges Gehalt realistisch anzustreben. Der IW-Experte sagt: „In aller Regel sind für 100.000 Euro Brutto-Jahresgehalt Berufserfahrung und ein Diplom oder Master-Abschluss oder umfangreiche Weiterbildungen erforderlich.“
Gleichzeitig gebe es Ausnahmen: „Beispielsweise Fluglotsen erhalten schon nach der Ausbildung etwa 100.000 Euro Einstiegsgehalt.“ Und: „Auch in der Softwareentwicklung gibt es eine Nische für Autodidakten mit sehr hohen Gehältern. Skaleneffekte sind im digitalen Raum besonders gut erreichbar.“
Eine oft gehörte Vermutung hingegen sieht der Ökonom kritisch: „Weniger beeinflusst wird die Gehaltshöhe durch den Fachkräftemangel.“ Zwar könnten Hochqualifizierte einen Mangel eher in höhere Gehälter umsetzen, doch insgesamt werde dieser Faktor überschätzt.
Warum sich an der Verteilung bald nicht viel ändern wird
Das Bild der Einkommenslandschaft sieht Burstedde stabil: „Das Lohngefüge ist insgesamt recht träge, weshalb die heute hoch bezahlten Berufe zumeist auch morgen noch die hoch bezahlten Berufe sein werden.“
Von einer zunehmenden Spreizung der Gehälter hält er wenig: „Aktuell sehen wir auch keine Spreizung oder Polarisierung der Einkommen, im Gegenteil, vor allem die niedrigen Gehälter sind zuletzt gewachsen. Die Erzählung von der Schere, die aufgeht, lässt sich mit diesen Daten nicht stützen.“
Die 100.000-Euro-Schwelle könnte künftig sogar für mehr Menschen erreichbar werden. „Schlussendlich werden allein aufgrund von Inflation und den üblicherweise etwas höheren Lohnsteigerungen immer mehr Menschen über die Schwelle von 100.000 Euro jährlich rutschen“, so Burstedde.
Für alle, die den Weg dorthin einschlagen wollen, heißt das: Die Chancen sind da – aber sie liegen vor allem in den Bereichen Medizin, Management, Recht und spezialisierter IT. Und sie erfordern Ausbildung, Verantwortung und strategische Entscheidungen.