Der Automatisierungsspezialist Pilz aus Ostfildern verzeichnet im Coronajahr 2020 ein Umsatzminus und betont nun seine Innovationskraft.
Ostfildern - Emotional und bildhaft – das ist der Stil der Pilz-Geschäftsführung. Die Pressekonferenz zur Bilanz 2020 endete mit vier hochgestreckten Daumen. Und dem Kommentar: „Es liegt an uns selber, mit der rechten und linken Hand etwas Gutes zu gestalten.“ Aus Sicht von Susanne Kunschert und Thomas Pilz, Schwester und Bruder sowie geschäftsführende Gesellschafter, ist Pilz das im Jahr 2020 trotz Coronapandemie gelungen.
So steigerte das Unternehmen aus Ostfildern seinen Exportanteil und in einigen Ländern auch die Umsätze. „Die Kreativität, der Zusammenhalt und der positive Geist der Firma haben uns getragen“, sagte Susanne Kunschert. Doch bei aller Zuversicht und Dankbarkeit, die die Firmenchefs betonen: Auch bei Pilz war das vergangene Jahr von der Coronapandemie geprägt. Der Spezialist für Sicherheit in der Automation verzeichnete 2020 einen Umsatz von 286,2 Millionen Euro, was einen Rückgang um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Pilz liegt damit voll im Trend der deutschen und internationalen Maschinenbaubranche.
Die Märkte in Mitteleuropa und Teilen Fernosts schrumpften 2020, betroffen waren alle Pilz-Produktbereiche. Doch es gelangen Kunschert zufolge auch Umsatzsteigerungen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent. Auch die Dienstleistungen im Bereich Maschinensicherheit waren beeinträchtigt, weil Reisebeschränkungen den Zugang zur Maschine beim Kunden erschwerten. Hier wurde in besonderen Fällen auf Technik wie Datenbrillen zurückgegriffen, mit denen Mitarbeiter der Kunden Videomaterial an Pilz übertragen konnten.
Zahl der Mitarbeiter um 4,2 Prozent zurückgegangen
2020 habe dem Unternehmen viel abverlangt. Mit Kosteneinsparungen, Kurzarbeit und dem Zusammenhalt der Pilz-Gruppe sei es gelungen, die Folgen des geringeren Auftragseinganges abzumildern. Die Zahl der Mitarbeiter ist weltweit um 4,2 Prozent zurückgegangen – wobei diese laut Kunschert auf Rentenabgänge und die natürliche Fluktuation, nicht aber betriebsbedingte Kündigungen im Zuge der Wirtschaftskrise zurückzuführen seien. Insgesamt arbeiteten Ende des Jahres 2440 Menschen für Pilz.
Und 2021? Der Aufschwung im asiatisch-pazifischen Raum werde die Weltwirtschaft stärken, sagte Kunschert. Eine wirtschaftliche Prognose bleibe aufgrund der Pandemie aber schwierig. „Wir sind voller Vertrauen, dass wir das Jahr gut meistern werden.“
Aufgrund des steigenden Preisdrucks stellt Pilz die Produktion des eigenen Robotergreifarms ein und beschränkt sich auf andere Bausteine seines Robotikangebots. Was bleibt, ist der Anspruch der Firma, Innovationstreiber im Bereich von Sicherheitslösungen in der digitalen Automation zu sein.
Industrie-Oscar für Online-Tool
Als Beispiel präsentierten die Geschäftsführer das neue Sicherheitsschaltgerät „myPNOZ“, das sich der Kunde in einem intuitiv bedienbaren Online-Tool auf seine Bedürfnisse passend selbst zusammenstellen kann. Dafür wurde Pilz auf der Hannover-Messe für den Hermes Award nominiert, der als Industrie-Oscar gilt. Als weitere Innovation stellte Kunschert den „digitalen Schlüsselbund für das industrielle Zugangsmanagement“ vor.
Sein Wissen im Bereich industrieller Sicherheit gebe Pilz auch in Form von Schulungen weiter. „Wir wissen genau, wovon wir sprechen“, so Kunschert. Im Jahr 2019 war Pilz selbst Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Von diesen Erfahrungen profitiere man mittlerweile. „Wenn man etwas selbst umgesetzt hat, kann man es wirklich glaubhaft rüberbringen“, sagte Thomas Pilz. Kritisch auf dem Weg zur Industrie 4.0 sieht der Betriebswirt die hiesigen Datenschutzvorgaben, die er als Standortnachteil für Unternehmen in Europa gegenüber der asiatischen und amerikanischen Konkurrenz bezeichnet. Im Jahr der Bundestagswahl in Deutschland appellierte Pilz an die Parteien, Richtlinien zu entbürokratisieren und zu verschlanken.